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Schüler lesen die OP 2019 Demonstranten sehen ihre letzte Chance
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2019 Demonstranten sehen ihre letzte Chance
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19:50 10.04.2019
Mit Plakaten warben vornehmlich Schüler in Marburg für mehr Klimaschutz. Quelle: Nadine Weigel/Archiv
Marburg

Schon seit Monaten schwänzen Schüler weltweit freitags die Schule um zu demonstrieren. Auch in Marburg schlossen sich viele Schüler der Demonstration an, um am Höhepunkt der umstrittenen Fridays for Future (FFF), einem gemeinsamen, internationalen Streik, ihre Meinung zu vertreten.

Ins Leben gerufen wurden die „FFF“ von der heute 16-jährigen Greta Thunberg aus Schweden. Nach den Sommerferien im vorigen Jahr begann sie, freitags vor dem schwedischem Reichstag zu demonstrieren.

Mittlerweile tun es ihr tausende Schüler weltweit gleich. Das stößt allerdings auf viel Kritik, auch von politisch ganz oben: Zum Beispiel vertritt Christian Lindner (FDP) die Meinung, dass schulische Bildung nicht unter politischem Engagement leiden sollte.

AfD-Politiker Jörg Meuthen sagte beim politischen Aschermittwoch: „Diese Greta hat aus dem Schule schwänzen eine Tugend gemacht. Ihr folgt eine ganze Armee ökopolitisch korrekter Kindersoldaten. Was da geschieht (...), ist politischer Kindesmissbrauch.“

Klima wird seit 100 Jahren stetig wärmer

Andere Politiker sind wiederum ganz anderer Meinung: „Man sollte gute Noten geben und nicht etwa Verweise verteilen“, sagt Erhard Grundel (Grüne) und kritisiert damit die Entscheidung, dass das Fernbleiben vom Unterricht als unentschuldigtes Fehlen bewertet und dementsprechend dokumentiert und auf dem Zeugnis vermerkt wird.

Doch was ist überhaupt dran am Klimawandel? Vergleichbar ist die globale Erderwärmung mit dem Treibhauseffekt: Die Sonne schickt Strahlen auf die Erdoberfläche, die zum Teil reflektiert und wieder zurück ins All geschickt werden. Ein Teil bleibt allerdings an der Schutzschicht der Erde hängen und wird in Form von Wärme zurück auf die Erde geleitet.

Der Treibhauseffekt ist wichtig, ansonsten wäre es auf der Erde ganz schön kalt. Daran zweifelt nicht mal US-Präsident Donald Trump. Das Problem ist, dass es auf der Erde seit etwa 100 Jahren stetig wärmer wird. Kritiker wie Trump sind der Meinung, dass das normal sei: So etwas gebe es immer mal wieder, mal ist es wärmer, mal kälter.

Hunderte Schüler und Studierende haben sich am Freitagmittag, 15. März, in Marburg zum sechsten Klimastreik versammelt.

Allerdings ist diese Erwärmung zum großen Teil die Schuld der Menschen und schreitet schnell voran. Das liegt zum Beispiel an schädlichen Gasen und an einem steigenden Ausstoß von Kohlendioxid (CO2). Das verändert die Zusammensetzung der Erdatmosphäre, und dadurch werden mehr Sonnenstrahlen abgefangen und zurück auf die Erde reflektiert.

Einige glauben, dass es sich dabei um eine riesengroße, geplante Lüge handele, um dem Volk Geld aus der Tasche ziehen zu können. Sie sagen, wenn man von dem CO2-Gesamtanteil ausgeht, der bei 0,038 Prozent liegt, betrage der vom Mensch gemachte CO2-Anteil 0,00046 Prozent. Solche Aussagen mögen richtig sein, allerdings hat sich der Anteil des vom Menschen verursachten CO2-Anteils im Vergleich zum ökologischen in den vergangenen 100 Jahren stark gesteigert. 

Das Ökosystem kommt nicht mehr mit. Die Folgen machen sich jetzt schon bemerkbar: Heiße Sommer, aussterbende Tierarten, Inseln, wie die Fidschis, die von einem rasant steigendem Meeresspiegel stark bedroht sind.

Demos am Samstag hätten weniger Aufmerksamkeit

Das diese Tatsachen von Politikern auf der ganzen Welt  ignoriert wird, macht viele Demonstranten wütend. Die Tatsache, dass die meisten lieber darüber diskutieren, ob es jetzt in Ordnung ist, Schüler dafür zu „bestrafen“, dass sie ihre einzige Stimme, das Recht zu demonstrieren, nutzen, anstelle Resultate aus den Fakten zu ziehen, bringt manche Marburger Schüler zum Kopfschütteln.

Sie wissen: Es ist nicht optimal, Unterricht zu verpassen, und die Schule kann auch nichts für den Klimawandel. Aber die Schüler glauben nicht, dass ein Samstag besser zum Demonstrieren geeignet wäre. Sie argumentieren, das sei so, als solle man statt auf einer stark befahrenen Autobahn auf einem einsamen Feldweg demonstrieren.

Zwar würden vielleicht viele Menschen sagen: „Wie schön, die Jugend setzt sich für ihre Zukunft ein.“ Aber sicherlich würde die Aktion die Politiker nicht so in Aufruhr versetzen, wenn die Bildung dabei nicht gefährdet würde. 

Unterstützung durch Fußballweltmeister

Es gibt Kritiker, die meinen, dass die Schüler nicht den großen „Moralhelden“ spielen sollten, da sie sich nach der Demo einen Kaffee to go holen. Wenn man sich aber Aussagen von befragten Schülern anhört, ist ihnen durchaus bewusst, warum sie demonstrieren. Und es erscheint nicht wie eine „immerhin besser als Mathe“-Aktion. Was den Demonstranten auch Sorgen bereitet, ist das offenkundige Desinteresse vieler Erwachsener.

Die Freitagsdemonstranten fordern, dass endlich alle der Wahrheit ins Auge blicken sollen. Ihre Zukunft und die ihrer Kinder und Enkel stehe auf dem Spiel, sind sie sich einig. Sie sind sich bewusst, dass die Fridays for Future eine „dunkle“ Seite haben. Doch viele Demonstranten sehen die FFF als ihre letzte Chance, das Ruder in Sachen Klimawandel noch einmal herumzureißen.

Fußball-Weltmeister Benedikt Höwedes hat in seiner Kolumne auf t-online. eine Artikel veröffentlicht und schreibt dort über die FFF-Bewegung:„ Es ist eine Antwort auf die Diesel- und Umweltskandale, auf nicht enden wollende Debatten und ewige Diskussionen um den Abschied von Braun- und Steinkohle. Es ist eine Debatte der Gestrigen, die für den kurzfristigen Profit das Gemeinwohl und das Leben ihrer Enkel in Frage stellen. Die Welt verändert sich und die Jugend geht voran.“

von Lara Kattmann und Hannah Lambrecht, 8b, Elisabethschule