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Schüler lesen die OP 2019 Kostenloser Trisomie-Test ist umstritten
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2019 Kostenloser Trisomie-Test ist umstritten
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14:30 26.03.2019
Eine Schwangere wird in einer Praxis untersucht. Quelle: Uli Deck
Marburg

Schwangere können ab der elften Schwangerschaftswoche ihr ungeborenes Kind in Form eines Gentests auf Trisomie testen lassen. Über das Thema berichteten zuletzt verschiedene Medien. Demnach muss der Test bisher noch selber finanziert werden, in Zukunft könnten Krankenkassen die Bezahlung für den Test übernehmen.
Trisomie ist eine Art geistige Behinderung. Am bekanntesten ist die Trisomie 21, auch bekannt als „Down-Syndrom“. Frauen mit einer sogenannten Risikoschwangerschaft sollen nun die Methode eines Gentestes zur Erkennung von Trisomie nutzen können. Doch diese Methode ist auch stark umstritten. Viele Eltern würden sich nach einem positiven Ergebnis für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Es sollen sich nur rund zehn Prozent der Frauen, die mit einem Kind mit dem Down-Syndrom schwanger sind, für das Kind entscheiden.

Kritiker befürchten steigende Zahl von Abtreibungen

Befürworter der Tests betonen den Gerechtigkeitsgedanken: Wenn diese Gentests von der Krankenkasse übernommen werden, hätten mehr Frauen die Chance zu erfahren, ob ihr Kind eine chronische Erkrankung hat.
Kritiker warnen vor einer möglicherweise wachsenden Zahl an Abtreibungen. Laut „Spiegel Online“ sagte die Geschäftsführerin des Deutschen Down-Syndrom Info-Centers, Elzbieta Szczebak, im Interview: „Wir befürchten, dass künftig weniger Kinder mit Down-Syndrom zur Welt kommen als bislang.“ Dieter Grab, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin, sagte gegenüber der Presse zu dem Thema: „So gibt es kein Gefälle mehr zwischen den Schwangeren, die sich den Test leisten können, und denen, die ihn nicht bezahlen können“.

Gentest kein Ersatz für klassische Untersuchung

Bislang gab es in Deutschland nur ein Unternehmen, das diese Form von Gentests anbietet: Die „LifeCodexx AG“ soll seit 2012 rund 75 000 Tests verkauft haben. Einer dieser Bluttests soll rund 130 Euro kosten. Für den Test kann man laut Medienberichten ab der elften Schwangerschaftswoche Blut abgenommen bekommen. Anhand der darin enthaltenen Chromosomenteile des Kindes oder der Plazenta kann unter anderem die Wahrscheinlichkeit berechnet werden, mit der das Kind mit Down-Syndrom auf die Welt kommen würde.
Die Treffsicherheit liegt nach Angaben des Herstellers bei 99 Prozent. Ein Ersatz für die bisherigen Methoden sei der Gentest jedoch nicht. „Man sucht damit ja lediglich nach den Trisomien 13, 18 und 21. Alles andere, was es an Entwicklungsstörungen gibt, würde unter den Tisch fallen“, warnt Grab. Bei den Chromosomenstörungen 13 und 18 geben Ärzte Kindern keine Chancen zu überleben – anders als bei der Trisomie 21.

von Lina Gries, 8b, Elisabethschule