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Schüler lesen die OP 2019 "Kinder- und Jugendtherapie ist spannend"
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2019 "Kinder- und Jugendtherapie ist spannend"
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14:27 25.03.2019
Dr. Katja Becker, Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Ortenberg, berichtet im Interview über ihre Arbeit. Quelle: Laackmann Photostudio Marburg
Marburg

Seit 2008 ist Professorin Dr. Katja Becker Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Ortenberg in Marburg. Wie sie im Gespräch verrät, war sie schon immer fasziniert von dem Fachgebiet. Als Kind aber hatte sie erst andere Pläne, es ging so in die Richtung Tierärztin oder Kinderärztin, sagt sie. Aber schnell war klar, dass sie auf jeden Fall als Ärztin in der Psychiatrie arbeiten wollte. Bevor sie an die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Ortenberg kam, war sie schon in vielen anderen Städten, Lübeck, Kiel, Mannheim und jetzt eben Marburg.

Das sei nicht immer leicht gewesen, zumal sie auch ein Kind hat. Ihre Hobbys, etwa Gartenarbeit oder Lesen, kommen immer ein bisschen zu kurz. Da Katja Becker keine festen Arbeitszeiten hat, müsse sie sehr flexibel sein: "Manchmal muss ich auch am Wochenende arbeiten und Überstunden kommen auch dazu." Wegen ihrer anstrengenden Arbeitszeiten habe sie keine Zeit für Haustiere oder weite Reisen. "Ich würde gerne mal nach Neuseeland oder Australien", erzählt sie verträumt. Aber trotzdem ist für sie klar: Wenn sie nochmal einen Beruf wählen müsste, sollte es auf jeden Fall wieder dieser sein.

An Magersucht erkrankte Kinder holen sich zu spät Hilfe

Ihr berufliches Interesse zielt auf alle Krankheitsbilder ab, doch besonders gerne behandelt sie Anorexie-Patienten. Dabei bereite es ihr Sorge, dass sich Kinder und Jugendliche, die an der Essstörung leiden, immer erst sehr spät Hilfe holen und denken, sie seien die Einzigen, die davon betroffen sind. Doch das stimme nicht. Und je früher man von seinen Problemen erzählt und sich Hilfe holt, desto besser könne einem geholfen werden und es sei befreiend, darüber zu reden, rät Katja Becker. Im Zuge der Therapie fände sie es dabei immer interessant, wie sich ihre Patienten im Laufe der Behandlung verändern.

Vorfreude auf den Neubau

Besonders spannend fand sie während ihrer Karriere an der Marburger Klinik die Drehtage für die Sendung mit der Maus, die Planung und Eröffnung der Jugendstation und der Tagesklinik sowie die Planung für den Neubau, der auf das Grundstück unterhalb der Tagesklinik gebaut werden soll. Sie freue sich schon jetzt auf den Neubau, da die derzeitigen Stationen zu groß seien und sie es bedaure, dass es auf zwei Stationen zu wenige Bäder und Gemeinschaftsräume gibt.

Im Jahr werden in der Klinik rund 540 vollstationäre Patienten aufgenommen, hinzu kommen etwa 60 Patienten in den Tageskliniken in Marburg und Butzbach. Es kämen also nicht wenige Kinder und Jugendliche, alleine deshalb, da die Klinik viele Therapiemöglichkeiten anbiete, sowohl Ergotherapie als auch Bewegungstherapie und tiergestützte Therapie.

Tierische Helfer für kranke Kinder

Dazu gehören zum jetzigen Zeitpunkt Therapiehunde, Pferde für die Reittherapie und Meerschweinchen. Die Meerschweinchen wohnen in einem Wohnanhänger und werden regelmäßig von den Patienten und dem Pflege- und Erziehungsdienst gepflegt und gefüttert. Die drei Therapiehunde "Maya", "Filou" und "Samy" kommen regelmäßig auf die Station A und werden von den Patienten spazieren geführt und gestreichelt. Es gibt bestimmte Personen des Pflege- und Erziehungsdienstes, die sich mit der Tiertherapie auskennen und mit denen die Tiere besucht werden können. 

Finanziert wird die Tiertherapie durch den Förderverein der Klinik. Dieser habe zuletzt ebenfalls die Kochgruppe mit einem neuen Küchengerät unterstützt und außerdem zwei neue Sitzbänke mit Tischen für den Außenbereich organisiert.

Die Klinik nehme außerdem an mehreren Forschungsprojekten teil, etwa an der ADHS-Forschung und dem Anorexie-Register. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie sei "ein guter Ort" mit vielen Therapiemöglichkeiten und Hilfen. Jedes betroffene Kind und jeder betroffene Jugendliche solle sich dort Hilfe holen und annehmen, um schnell wieder gesund zu werden, lautet das Resümee von Katja Becker.

von einer Schülerin der 8. Klasse der Schule am Ortenberg, die anonym bleiben möchte