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Schüler lesen die OP 2019 Lernen, sein Steak zu würdigen
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2019 Lernen, sein Steak zu würdigen
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13:04 13.05.2019
Ein markiertes Schwein in einem Schweinestall. Laut des Statistischen Bundesamts wurden im vergangenen Jahr 8 Millionen Tonnen Fleisch produziert und bundesweit 56,6 Millionen Schweine geschlachtet. Quelle: Friso Gentsch
Kirchhain

Fleisch ist für viele Menschen ein Nahrungsmittel, das sie täglich zu sich nehmen. Doch kaum jemand verbindet das Stück Fleisch auf seinem Teller mit dem Tod eines Lebewesens. Denn die Schlachtung eines Tieres ist eine negative Assoziation, mit der sich niemand gerne auseinandersetzt. Aber genau diese Auseinandersetzung braucht es, um für sich selbst entscheiden zu können, ob man mitverantwortlich an dem Tod eines Tieres sein will. In Deutschland werden jährlich eine Milliarde Tiere geschlachtet, in 2018 wurden laut des Statistischen Bundesamtes ganze 8 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Der Großteil dieser Tiere, Rinder, Schweine und Hühner, stammt aus der sogenannten Intensivhaltung. Das heißt, viele Tiere leben auf engem Raum, ohne Tageslicht und mit Verstümmelungen, sodass sie ihr natürliches Sozialverhalten nicht ausleben können.

Wer jetzt denkt, so etwas wie Verstümmelungen sei illegal, muss eines Besseren belehrt werden. Denn in der Fleischindustrie sind Verstümmelungen wie zum Beispiel das Wegätzen oder Verbrennen des Hornansatzes bei Rindern, die Kürzung der Schnäbel bei Hühnern und die Kastration sowie die Kürzung der Ringelschwänze bei Ferkeln ohne Betäubung legal und zur Normalität geworden. Und obwohl das Tierwohl als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist, verschob die große Koalition das geplante Verbot der Kastration ohne Betäubung von Ferkeln im November 2018 erneut um zwei Jahre.

Zu viel Antibiotika birgt Risiko der Resistenz

Damit die Tiere diesen Dauerstress und Krankheitsdruck überleben, werden sie laut Kritikern mit Antibiotika vollgepumpt. In Deutschland sollen etwa 1.000 Tonnen Antibiotika jährlich für Nutztiere verbraucht werden. Dieser hohe Verbrauch wird nicht nur von Tierschützern als fatal angesehen, sondern auch von Medizinern. Denn die Antibiotika, welche die Tiere täglich zu sich nehmen, können auch für uns Menschen gravierende Folgen haben. Durch eine zu hohe Zufuhr von Antibiotika kann die Bildung von antibiotikaresistenten Keimen gefördert werden. Diese Keime werden durch den späteren Verzehr des Tieres von den Menschen aufgenommen. Infiziert sich der Mensch damit, hilft keine medikamentöse Behandlung mehr.

Nicht nur Keime gelangen über das Fleisch in den menschlichen Körper. Oftmals gelangen etwa durch mangelnde Hygiene bei der Schlachtung Salmonellen aus dem Kot des Tieres in das Fleisch. Im Jahr 2018 erkrankten dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge 52 000 Menschen in Deutschland an Salmonellen. Wirft man einen Blick auf die wirtschaftlichen Faktoren, wird schnell klar, dass die Fleischindustrie hohe Gewinne erwirtschaftet. Die führenden deutschen Schlachthäuser machen einen jährlichen Umsatz zwischen 2,5 und 5 Milliarden Euro. Betriebe exportieren auch ins Ausland. So werden jährlich etwa 2,4 Millionen Tonnen Fleisch nach China exportiert.

Massentierhaltung hat Auswirkungen auf das Klima

Beschäftigt man sich etwas intensiver mit der Fleischindustrie, merkt man, dass nicht nur die Tiere leiden, sondern auch unsere Umwelt. Kritiker führen an, dass die Fleischindustrie zu den führenden Verursachern für den menschengemachten Klimawandel gehört, den Artenrückgang von Tieren und Pflanzen und die Luftverschmutzung. Weltweit sollen mehr als 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen für die Haltung von Tieren und den Anbau von Futter genutzt werden. Um Agrarflächen zu schaffen, müssen Wälder gerodet und so der Lebensraum von vielen Tieren zerstört werden. Dieser hohe Verbrauch von Ressourcen trägt zum Welthunger bei.

Auch braucht es für die Herstellung und Produktion einiges an Wasser. Dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zufolge werden für ein Kilogramm Rindfleisch 15.400 Liter Wasser verwendet. Diese Menge setzt sich aus der Bewässerung der Futtermittel und des Bedarfs an Trinkwasser für die Tiere zusammen.

Jeden Tag sterben Millionen Tiere für die Menschen. Das sollte uns vor Augen führen, dass wir bewusster und artgerecht mit den Tieren auf diesem Planeten umgehen sollten. Man muss nicht vegan leben, um etwas zu ändern. Es reicht schon, wenn man, statt mehrmals wöchentlich Fleisch aus Massentierhaltung zu kaufen, einmal bewusst auf Biofleisch zurückgreift. Das ist zwar teurer, kann aber einiges ändern. Wird man sich über seinen Fleischkonsum bewusst und fängt an, sein Steak zu würdigen und eben nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten, ändert man nicht nur ein Stückchen sich selbst, sondern hilft auch den Tieren, die täglich für unseren Genuss sterben. Dann darf man auch sagen: Fleisch ist ein Genuss.

von Lara Weimer, Klasse G9b, 
Alfred-Wegener-Schule Kirchhain