Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
OP-Klimaretter Zurück zu den Wurzeln
Mehr OP extra OP-Klimaretter Zurück zu den Wurzeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 18.05.2019
OP-Redakteurin Katharina Kaufmann-Hirsch zeigt ihre eigene Aufzucht von Salatgurken- und Zucchinipflänzchen, die in den nächsten Tagen ins Freiland ausgesetzt werden und dann reichen Ertrag bringen sollen. Quelle: Tobias Hirsch
Kirchhain

Zurück zu den Wurzeln – und zwar im wörtlichen Sinne. Auf den Knien liegend wühlen meine Hände in der Erde. Karotten säen und Zucchinipflänzchen setzen im Garten hinter dem Haus.

Meine Oma und mein Opa machen das schon seit mehr als 60 Jahren, meine Eltern gut drei Jahrzehnte. Und ich? Jetzt auch! Säen und ernten. Harken und gießen. Erdbeeren, Tomaten, Salat, Zucchini, Karotten und Gurken. Alles was pflegeleicht ist und in unseren Breiten gut gedeiht.

Das kommt einerseits dem Klimaschutz zugute und andererseits der Familie. So sehen die Kinder, wo das Gemüse herkommt, das sie am liebsten essen. Geschmacklich reicht vieles, das im Supermarkt zu kaufen ist, auch nicht an das Obst und Gemüse heran, das im Freiland im Garten wachsen durfte.

Ein Blick auf den CO2-Ausstoß

Und so liege ich auf den Knien und stecke Samenkörner in die Anzuchttöpfe. Salatgurken- und Zucchinipflänzchen will ich so vorziehen. Mitte Mai, wenn die Eisheiligen durch sind, kommen sie dann ins Beet. Dort wachsen bereits gut zwei Dutzend Erdbeerpflanzen. Ich hoffe auf eine reiche Ernte.

Denn laut Naturschutzbund Nabu produziert beispielsweise ein Kilogramm Tomaten aus dem eigenen Garten etwa 35 Gramm Kohlendioxid (CO2). Ein Kilogramm Tomaten aus dem Freiland in Spanien, transportiert nach Deutschland, verkauft im Supermarkt in der Region, sorgt für einen CO2-Ausstoß von rund 600 Gramm. Die Zahlen beeindrucken mich.

So machen Sie mit

Wollen Sie auch dazu beitragen, die Umwelt zu verbessern, das Klima zu retten und unsere Erde für die Zukunft lebenswert zu halten? Dann beteiligen Sie sich an unserer Serie und werden Sie Klimaretter! Schicken Sie uns Ihre Gedanken, Ideen und Vorschläge oder zeigen und erzählen Sie uns, was Sie bereits umsetzen.
Per Post an die Oberhessische Presse, Stichwort: Klimaretter, Franz-Tuczek-Weg 1 in 35039 Marburg oder schicken Sie eine 
Mail an: feedback@
op-marburg.de

Dennoch sind auch die reinen Zahlen, was den Klimaschutz betrifft, zweischneidig: Man nehme etwa einen Apfel. Er wächst an einem deutschen Baum.

Der gleiche Apfel wächst auch in Argentinien, wird geerntet, in einem Lastwagen zur Küste gefahren, per Schiff nach Deutschland befördert und dort zum Supermarkt geliefert.

13.000 Kilometer hat der Apfel am Ende zurückgelegt – ein Verbrauch von gut 160 Gramm CO2 pro Kilo Apfel. Der deutsche Apfel hat weniger Kilometer zurückgelegt, wird seit der Ernte aber in einem Kühlhaus kalt und damit knackig gehalten.

Im April hat der deutsche Apfel mehr CO2 ausgestoßen als sein argentinisches Pendant, weil die Kühlung eben auch Energie benötigt, die das Klima belastet. Daher gilt es beim Kauf von Obst und Gemüse in jedem Fall nicht allein auf den Transportweg zu schauen und abzuwägen.

Fünf Kilo CO2 für ein Kilo Pommes

Ähnlich verhält es sich mit der Verarbeitung von Obst und Gemüse. In Deutschland angebaute Bio-Kartoffeln produzieren rund 140 Gramm CO2 je Kilogramm. Konventionell angebaute Kartoffeln weisen wegen des Einsatzes von Kunstdüngern und Pestiziden eine Bilanz von rund 200 Gramm CO2 auf.

Werden aus den Kartoffeln – egal ob Bio oder konventionell – Pommes Frites hergestellt, schlägt die CO2-Bilanz schnell mit mehr als 5.000 Gramm pro Kilo zu Buche. Weil sie geschält, geschnitten, blanchiert, getrocknet, vorfrittiert, tiefgekühlt, transportiert und gelagert werden, bevor sie in der Schüssel auf dem Küchentisch enden.

Zeitfaktor spielt mit

Selbstgemachte Pommes mit Kartoffeln aus eigenem Anbau sind da wesentlich klimafreundlicher. Allerdings erfordert der Kartoffelanbau Zeit und ist arbeitsintensiver, als das Säen von Karotten oder Züchten von Zucchinipflänzchen. Also wieder eine Frage der Abwägung. Für mich persönlich ist der Zeitfaktor entscheidend.

Neben dem selbst angebauten Gemüse und Obst, das wächst ja von ganz allein an Apfel-, Birnen- und Kirschbäumen im Garten, setze ich zur Selbstversorgung auch auf Kräuter. In einem Hochbeet gedeihen Salbei und Thymian, Zitronenmelissen und Minze gibt es dekorativ in Töpfen. Die frischen Blätter können mit heißem Wasser aufgegossen direkt als Tee genossen werden. Im Herbst abgeschnitten und im Backofen bei niedriger Temperatur getrocknet, lindern sie im Winter bei Erkältung Halsschmerzen und Husten. Und zwar klimafreundlich.

von Katharina Kaufmann-Hirsch

Klimaretter-Tipps

Kompostieren
Die im Haushalt und Garten anfallenden organischen Abfälle – von Bananenschalen und Kaffeesatz bis zu Rasenschnitt und Unkraut – kann man weiter nutzen. Mit einem Komposter im Garten lassen sie sich verarbeiten und später als Dünger wiederverwerten.
Stromverbrauch senken
Elektrische Heckenschere, Laubsauger, Rasenmäher, Wäschetrockner – all diese und noch weitere Geräte lassen sich ersetzen. Harke, Handrasenmäher und Wäschespinne sind schonend für die Umwelt und halten körperlich fit. Zudem machen Laubsauger und Co. viel Lärm, vertreiben nützliche Kleintiere und töten Insekten. Für Beleuchtung im Garten können Solarlampen genutzt werden.

Regenwasser sammeln
Wer an seine Regenrinne eine Wassertonne anschließt, muss im Sommer nicht mit Trinkwasser gießen. Das spart nicht nur Geld sondern auch Energie, die für die Trinkwasseraufbereitung benötigt wird. Zudem bekommt es den meisten Pflanzen besser. Denn: 
Regenwasser ist kalkfrei.
Bewusst einkaufen
Gartenmöbel müssen nicht aus Tropenholz sein und die Terrassenplatten nicht aus indischem Granit. Nachhaltig erwirtschaftete Hölzer aus heimischen Wäldern eignen sich meist genauso gut.
Mehr Grün
Viel Grün im Garten bedeutet viel CO2-Abbau: Bäume, Blumen und Sträucher können zudem von der Tierwelt genutzt werden. Darüber hinaus empfehlen Experten, möglichst wenige Flächen zu versiegeln und Fassaden, Dächer und Innenhöfe zu begrünen.
Austausch mit anderen
Pflanzenableger lassen sich – genauso wie Gartengeräte – prima mit dem Nachbarn tauschen. Das spart Geld und die Fahrt zum nächsten Gärtner oder Baumarkt. Und auch die Früchte kann man später untereinander tauschen.

Die schlimmsten Ökosünden im Garten

Pestizide
Chemische Pflanzenschutzmittel sind schädlich für die Natur, die Tierwelt und auch für die eigene Gesundheit: Reste davon gelangen in den Boden, ins Grundwasser, schädigen Bienen und andere Insekten und finden sich später in den Früchten der Pflanzen wieder.

  • Besser: Unkraut jäten, Schädlinge absammeln, Nützlinge pflanzen und natürlichen Pflanzenschutz wie etwa Jauchen, Tees und Brühen aus Kräutern verwenden.

Kunstdünger
Kunstdünger schädigen langfristig den Boden und enthalten zum Teil giftige Schwermetalle, die in Früchte und Gemüse übergehen können.

  • Besser: Organische Dünger wie Kompost, Hornspäne, Mist oder Gesteinsmehl verwenden.

Torf und torfhaltige Erde
Für Torf und torfhaltige Erde werden Moore trockengelegt. Darunter leidet die Tier- und Pflanzenwelt. Zudem wird dadurch bereits gebundenes Kohlendioxid wieder freigesetzt.

  • Besser: eigenen Kompost nutzen und mit der Erde im Garten vermischen.

Abfälle
Wer im Garten Pflanzenabfälle verbrennt, macht sich in einigen Bundesländern strafbar. Doch nicht nur das: Im Rauch sind Schadstoffe wie Feinstaub und Kohlendioxid enthalten, die Mensch und Tier schaden.

  • Besser: Pflanzenabfälle, Laub und Astschnitt zu vorgegebenen Sammelstellen/Kompostierungsanlagen bringen oder im eigenen Kompost entsorgen.

Quelle: www.utopia.de