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OP-Klimaretter Mit Eichhörnchen die Welt retten?
Mehr OP extra OP-Klimaretter Mit Eichhörnchen die Welt retten?
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16:00 03.09.2019
Die Kinder freuen sich über ihre aus alten Flaschen selbst gebastelten Laternen. Quelle: Nadine Weigel
Bracht

Die Sonne knallt vom Himmel. Dutzende Kinder rennen lachend umher oder sitzen bastelnd im Schatten der Bäume. „Das wird von der Sonne angetrieben und schwimmt auch wirklich“, sagt Collin und präsentiert stolz sein aus einer Milchtüte gebasteltes Boot, auf dem ein kleines Solarmodul angebracht ist. „Wenn die Sonne scheint, drehen sich hier die Rotorblätter“, weiß sein Kumpel Ben. Mehrere Korken sorgen für den Auftrieb des selbstgebastelten Schiffchens.

Die Solarboote waren nur eines der Höhepunkte der diesjährigen Waldwoche des Kindergartens Bracht, an der auch viele Schüler teilnahmen. 130 Kinder im Alter von drei bis 12 Jahren wurden dabei spielerisch an den Klimaschutz herangeführt. Bereits das gesamte Jahr war dies ein zentrales Thema vom Team der Brachter Kita um Leiterin Anne Schmidt.

Klimaretter-Tipp: Energie sparen

Klasse A?
Achten Sie beim Kauf von Kühlschränken, Wasch­maschinen und anderen Elektrogeräten auf die Effizienzklassen A bis G. Verzichten Sie auf Geräte der Klassen G bis A und kaufen Sie nur A+ bis A+++. Beispiel: Wenn Sie Ihren alten Kühlschrank der Energieeffizienzklasse B durch ein Gerät der Klasse A+++ austauschen, sparen Sie pro Jahr 160 Kilogramm CO2 und 74 Euro ein.

Abschalten!
Gönnen Sie sich und Ihren Bildschirmen mal eine Pause. Einfach mal richtig abschalten: den PC Monitor, wenn Sie Mittag machen, und Ihren Fernseher, wenn Sie zu Bett gehen. Denn „Stand-By“ kostet Strom und Bares. Ziehen Sie Ladegeräte nach Gebrauch aus der Steckdose. Mit abschaltbaren Steckdosenleisten drehen Sie allen angeschlossenen Geräten mit einem einzigen Knopfdruck den Saft ab.
Beispiel: Dadurch können Sie rund 100 Euro und 220 ­Kilogramm CO2 einsparen (Jahreswert bei 5 Geräten mit je 10 W Stand-By Leistung).

Deckel drauf!
Kochen mit Deckel kostet ein Drittel weniger Energie als „oben ohne“. Wählen Sie den Topf immer passend zur Herdplattengröße aus.
Beispiel: Sie sparen rund 46 Euro und 100 Kilogramm Kohlendioxid im Jahr, wenn Sie bei fünf Kochvorgängen pro ­Woche den Topfdeckel ­benutzen.

Keep it cool!
Lebensmittel kühlen Sie am besten bei 6 bis 7 Grad. Für die Gefriertruhe – die am liebsten im Keller steht – reicht eine Temperatur von minus 18 Grad. Stellen Sie Kühlschrank und Gefriergerät dahin, wo es kälter ist: nicht neben Heizkörper, Herd oder Spülmaschine.
Beispiel: Wenn Sie Ihren Kühlschrank nur auf höchstens 7 Grad Celsius herunterkühlen lassen, sparen Sie gegenüber einer Kühlung auf 5 Grad Celsius rund 20 Kilogramm CO2 und 10 Euro jährlich.

Klug waschen!
Waschen Sie im finanziellen Schongang und mit Sparprogrammen. Und nur dann, wenn die Maschine voll ist. Heutige Waschmittel machen Koch- und Vorwäsche überflüssig. Waschen Sie bei 40 statt bei 60 Grad und verzichten Sie auf den Trockner. Ihre Wäsche mag frische Luft.
Ökoprogramme der Waschmaschine sollten Sie ausprobieren und langfristig nutzen. Das spart Wasser, Strom und schont Ihre Wäsche. Eine Vorwäsche braucht man nur in den seltensten Fällen. Daher: Waschen Sie ohne Vorwäsche.
Beispiel: Bei 160 Waschgängen pro Jahr mit 40 statt 60 Grad sowie Verzicht auf Vorwäsche und Trockner können Sie 250 Kilogramm CO2 vermeiden. Gespartes Geld: 110 Euro.

Voll machen!
Laden Sie Ihre Spülmaschine möglichst voll, und schalten Sie aufs Sparprogramm. Geschirr dabei nicht vorspülen.
Beispiel: So sparen bei 160 Spülmaschinengängen im Sparprogramm statt Handwäschen pro Jahr 80 Kilogramm CO2 und 35 Euro.

Quelle: WWF

„Mir ist ganz wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen ohne moralischen Zeigefinger“, erläutert sie ihre Philosophie. Ihr geht es darum, schon den Kleinsten aufzuzeigen, in welchem Zusammenhang das eigene Handeln mit Energieverbrauch und Klima steht.

Das geht spielerisch und kinderleicht: Bei den Jüngsten spielte dabei das Eichhörnchen eine zentrale Rolle. „So wie das Eichhörnchen Nüsse­ sammelt, sammeln wir die Sonnenstrahlen“, erklärt der vierjährige Thore das Prinzip und hält stolz seine aus ­einer alten Flasche gebastelten ­Laterne in Eichhörnchen-Form in die Luft. Dass Sonnenstrahlen gleich mit Energie zu setzen sind, lernten die Kinder spätestens beim Basteln der Solarboote und der Solar­öfen.

In Letzteren wurden sogar Kartoffeln gekocht und somit die Umwandlung von Sonnenstrahlen in Energie für die Kinder­ sozusagen hautnah erlebbar gemacht. „Und geschmeckt haben die Kartoffeln auch ganz gut“, sagt der zehnjährige Philipp lachend.

Kinder werden zu Energieverbrauch-Detektiven

Doch auch schon vorher ­begaben sich die Kinder auf Energie-Suche. Als Energieverbrauch-Detektive marschierten sie durchs Dorf und fanden insgesamt 89 Dinge, die Energie fressen. Angefangen bei den Maschinen des Fensterherstellers bis hin zum Bügelbrett der Oma.

An einem anderen Tag besuchten sie das Blockheizkraftwerk in Rauschenberg und ließen sich das Prinzip der Anlage kindgerecht von Axel Schmidt erklären. Ebenso Müllers Bioenergiehof in Schwabendorf war den Kindern eine Reise wert.
„Wichtig ist mir bei diesem Thema, nicht bei der großen Weltpolitik anzufangen, sondern aufzuzeigen, wo wir hier vor Ort etwas tun können“, sagt Kita-Leiterin Anne Schmidt.

Die gebürtige Brachterin muss es wissen. Schließlich will Bracht Geschichte schreiben und als erstes Dorf der Welt Solardorf werden. Mit der Gründung einer Energiegenossenschaft arbeiten die Mitglieder daran, dass Bracht ­irgendwann seine Wärmeversorgung zu 100 Prozent durch Sonnenenergie gewinnt.

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Damit wäre der Rauschenberger Stadtteil unabhängig von fossilen Brennstoffen, die immer teurer werden. Durch die regenerative Sonnenenergie könnten die Einwohner CO2-Emissionen vermeiden. „Es geht im Großen wie im Kleinen doch darum, bewusst zu leben und Ressourcen zu schonen“, betont Schmidt. Deshalb wurden bei der Waldwoche zum Basteln alte ­Sachen wiederverwendet.

Aus Flaschen­ wurden Laternen, aus Milchtüten Solarboote aus alten Jeans wurden Taschen gezaubert. In der Kita besprachen die Kinder zudem den Zusammenhang zwischen Ernährung und Klima. Angefangen von Fleischkonsum bis hin zu Fairtrade-Schokolade.

Nicht zuletzt die Auswirkung des Klimawandels auf die Waldbrandgefahr war in Bracht ein zentrales Thema und soll es auch weiterhin bleiben. Denn Anne Schmidt weiß: „Wir können nicht allein die Welt retten. Aber jeder kleine Schritt in die richtige Richtung ist wichtig.“

von Nadine Weigel