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OP-Klimaretter Ein Küchenerlebnis der besonderen Art
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13:48 12.09.2019
Die Mitglieder der Einmach-Gruppe bereiten Zucchini zum Einkochen vor. Die Gruppe wurde von Gisela Liesenfeld (links) und ­Jutta Greb (Dritte von links) ins Leben gerufen. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Marburg

Jutta Greb hilft am Nachmittag in der Eltern-Kind-Gruppe beim Pflegen des Gemüsegartens. Jeder kennt seine Aufgabe, Greb ist die Frau für alle Fälle, die bei der Einteilung hilft und auch tatkräftig zur Hand geht, um über das Unkraut Herr zu werden. Lerning by doing lautet die Devise. Im Gemüsegarten wird angepflanzt, der Kompost hergestellt und natürlich geerntet. Diesmal jede Menge Salat, Bohnen und Zucchini in unterschiedlichen Farben und Formen.

Rezepte inklusive

Einige der geernteten Zucchini landeten um 18 Uhr auf dem Tisch vor der mobilen Küche „HaltBAR“. Diesmal sind vier Teilnehmer der Kochgruppe um 18 Uhr gekommen. In der Regel sind es mehr, die sich alle zwei Wochen an den Herd stellen, um die Ernte einzukochen. Rezepte liefert die „GartenWerkStadt“ gleich mit. Auf dekorativen Karten stehen Rezepte für Nachtisch, Suppen, Salate, Kräuterküche und das Haltbarmachen von Gemüse. Kaum sortiert und am Ständer ausgestellt, wandern einige Rezepte auch schon in die Taschen der Teilnehmer – als Erinnerungsstütze beim Nachkochen.

Auf dem Tisch vor der mobilen Küche stehen auch die Gläser mit den eingemachten Kirschen von dem vorherigen Treffen – zum Mitnehmen. Zunächst steht aber erst mal Küchenarbeit an. Wasser muss auf dem Gasherd erhitzt werden, damit die Gläser vor dem Abfüllen steril sind. Jutta Greb kümmert sich darum, dass in der Küche alles glatt läuft. Ihre­ Kollegin Gisela Liesenfeld steht derweil mit am Tisch und hilft beim Schälen der Zutaten (Rezept siehe unten). Die Einmach- Gruppe ist ein Pilotprojekt.

Als nächstes werden Tomaten verarbeitet

„Es spricht Menschen an, die nicht unbedingt Lust haben, in der Erde zu wühlen“, sagt Greb. Andere haben einen Garten und fragen sich, wie sie die Ernte haltbar machen können. Es sei ein Phänomen, dass viele nicht mehr wissen, wie man einkocht, sagt Liesenfeld, die zusammen mit Greb die Einkoch-Gruppe ins Leben rief.
In das Thema arbeitete sich die Gruppe langsam ein und fing an mit Brennnesselpesto. „Es ist eine Notlösung gewesen. Die Kirschen waren noch nicht reif, der Holunder bereits verblüht. Brennnesseln gab es im Überfluss“, erklärt Greb.

In den noch warmen Ofen des Backhauses, in dem am Tag zuvor Brot gebacken wurde, kamen die Brennnesseln zum Trocknen, bevor sie verarbeitet wurden. Kräutersalze mit Rosmarin wurden so ebenfalls hergestellt. Als nächstes steht das Haltbarmachen von Tomaten auf dem Programm. Im Gewächshaus sind die Pflanzen bereits hochgewachsen und tragen viele Früchte.

Auch bei Regen wird eingemacht

Vier Mal traf sich die Einmach-Gruppe bisher auf dem Vitos-Gelände im Gesundheitsgarten, sechs Termine stehen noch an. Mittlerweile kennen sich die Teilnehmer und beim Zubereiten und späteren Verkosten kommen sie schnell ins Gespräch. Zwei Stunden verbringen sie zusammen am Herd, bevor sich ihre Wege wieder trennen.

Bisher musste auch noch kein Termin wegen schlechten Wetters ausfallen. Aber auch Regen scheut die Einmach-Gruppe nicht.

„Wir sind wetterfest, zur Not spannen wir einen großen Marktschirm auf“, sagt Greb. Sie hat Spaß daran, den Mitgliedern Kenntnisse im Einkochen von Gemüse zu vermitteln – wie zu Omas Zeiten. Wie in der Gartengruppe übernimmt auch jeder in der Einmach-Gruppe Aufgaben. Die Küchenarbeit ist aber keineswegs Frauenarbeit. Wer dabei ist hat Spaß, sich mit anderen auszutauschen und Altbewährtes neu zu entdecken. 

Klimaretter-Tipps

Im Gesundheitsgarten geht es vor allem um die Themen „Gesunde Ernährung“ und „Ökologischer Anbau“. Auf dem Vitos-Gelände engagieren sich seit 2012 mehrere Initiativen zum Thema Gesundheit – ­eine davon ist die „GartenWerkStadt“. Eine mobile Küche, die „HaltBAR“, dient dazu, den Teilnehmern der Gartengruppen das Haltbarmachen von Lebensmitteln wieder näherzubringen. Für die aktuelle Gartensaison wurden einige Rezepte zum Nachmachen aufgelegt.

  • Süß-saure Zucchini

Kann von Juli bis zum ersten Frost zubereitet werden. Zutaten: 1 kg Zucchini, 1 Zwiebel, 300 ml Obstessig, 600 ml Wasser, 2 EL Senfsaat, 2 TL Salz, 100 g Zucker, 1 TL Kurkuma, Dill, Estragon.
Das Gemüse in große Stücke schneiden – bei großen Zucchini sollten eventuell die Kerne entfernt werden – und mit allen Zutaten in einen Topf geben. Aufkochen, abschmecken und heiß in Gläser füllen. Sollte die Flüssigkeit nicht ausreichen, damit alles Gemüse bedeckt ist, kann ein heißes Essig-Wasser-Gemisch (Verhältnis 1:2 ) zum Auffüllen verwendet werden. Nur wenn alles mit Flüssigkeit bedeckt ist, hält sich das Gemüse.

  • Tomatensoße im Glas

Tomaten aus dem unbeheizten Gewächshaus/Freiland gibt es von Juli bis Oktober. Zutaten: Tomaten, eventuell weiteres Gemüse und Gewürze.
Die schnelle Variante: Tomaten waschen, pürieren, aufkochen und in saubere Gläser füllen – fertig. Die Soße hält wegen des hohen Säuregehalts ganz ohne Salz oder sonstige Konservierungsstoffe.
Wer Muße hat: Auch fertig ­gewürzte Tomatensoßen mit Gemüseeinlagen halten sich eingekocht. So kann der Geschmack mit Zucchini, Kräutern, Zwiebeln verfeinert werden. Dazu muss das Gemüse angebraten werden, die pürierten Tomaten werden darüber gegeben, dann muss alles köcheln und abgeschmeckt werden sowie heiß in Gläser gefüllt werden.

  • Weitere Informationen zur „GartenWerkStadt“ gibt es im Internet auf der Homepage www.gartenwerkstadt.de. Am Sonntag, 8. September,  um 15 Uhr ist ein „Schnippel-Event“, bei dem Ernte zu einem Essen zubereitet wird.

von Silke Pfeifer-Sternke