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OP-Klimaretter Daumen hoch für mehr Klimaschutz
Mehr OP extra OP-Klimaretter Daumen hoch für mehr Klimaschutz
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15:00 26.10.2019
Für private Fahrräder hat Arbeit und Bildung ein Carport errichtet. Zudem gibt es ein Dienst- E-Bike, das Rainer Dolle gerne nutzt. Quelle: Tobias Kunz
Marburg

Auch kleine Betriebe können etwas für den Klimaschutz tun, sagt Rainer Dolle, Geschäftsführer von Arbeit und Bildung: „Man kann auch mit wenig viel erreichen. Dafür muss man nicht tausende Euro in die Hand nehmen.“ Arbeit und Bildung habe sich schon seit jeher für den Klimaschutz eingesetzt. Doch nun wolle der gemeinnützige Verein der privaten Wohlfahrtspflege noch mehr tun.

Die Idee kam Chef Dolle bei einer der vergangenen Klimademos. Er habe sich Gedanken gemacht und sich letztlich dazu entschlossen, „nicht nur dafür zu unterschreiben, sondern auch etwas zu tun“, sagt Dolle. Er stieß eine betriebliche Fortbildung an, aus der Mitarbeiter selbst Beschlüsse zum Klimaschutz in ihrem Unternehmen entwickeln sollten. „Das Echo aus der Mitarbeiterschaft war groß“, sagt Dolle.

Mit der Unterstützung der Referenten Wiebke Smeulders, Klimaschutzbeauftragte der Stadt Marburg, und Stefan Schulte vom BUND, erarbeitete Arbeit und Bildung im Wesentlichen drei Punkte: Zum ersten sollte der Wärmeschutz im Hauptsitz am Krummbogen gecheckt werden. Dafür wurde ein externer Berater des Rationalisierungskuratoriums der Deutschen Wirtschaft bestellt. Das Gutachten kostete gerade einmal 69 Euro.

Das Ergebnis: Insgesamt knapp 20.000 Euro Investitionen zur Wärmedämmung des Daches, dem Austausch der alten Heizkörper gegen moderne Radiatoren und der verbliebenen einfach verglasten Fenster. Da das Gebäude denkmalgeschützt ist, erhält Arbeit und Bildung dafür Geld aus einem Zusatzprogramm.

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Neben diesen größeren Investitionen wolle man des Weiteren „alles im Haus abklopfen“, sagt Dolle. Sprich: Mülltrennung, Zeitschaltuhren sowie Bewegungsmelder kontrollieren und schauen, wo es etwas nachzubessern gibt. Dafür will Arbeit und Bildung drittens eine eigene Klimaschutzbeauftragte einstellen, die all diese Punkte kontrollieren soll.

Dies soll zunächst eine Studentin im Rahmen eines Anerkennungspraktikums machen, später eine Klimaschutzbeauftragte aus dem Haus, die dafür ein Stundenbudget bekommt. All das sei kein Hexenwerk. „Man muss nur Mitarbeiter finden, die motiviert sind“, sagt Dolle.

Der Chef selbst ist hochmotiviert – doch sein Vorstoß kommt nicht überall vollends an. Grundsätzlich finde man die Überlegungen toll, sagt die Betriebsratsvorsitzende Monika Czervinski. Die Vorgehensweise sei aber „sehr typisch“ für Arbeit und Bildung. „Der Chef beschließt etwas, zieht es durch und der Betriebsrat wird nicht miteinbezogen“, sagt sie.

Dabei sei ihr Gremium näher an den Mitarbeitern dran und könne helfen, wenn Probleme entstünden. Durch den Klimaschutz 2.0 im Haus sei bislang aber noch kein Ärger entstanden, gibt Czervinski zu: „Es ist für uns nichts grundsätzlich neues.“

Dienst-E-Bike am Hauptsitz

Was den Klimaschutz anbelangt hat Arbeit und Bildung eine lange Tradition, sagt Dolle. Mit dem Marburger Recyclingzentrum eröffnete man 1989 das erste Gebrauchtwagenkaufhaus Hessens. Er selbst sei als Student im Sperrmüll „herumgetigert“ und habe „meine Garage vollgehamstert, bis sie geplatzt ist“, sagt Dolle. Im Prinzip sei das die spätere Geschäftsidee gewesen.

Auf dem Dach des Hauptsitzes, im ehemaligen Bundesbahnbetriebsamt, hat Arbeit und Bildung schon lange eine Photovoltaikanlage. Für die Angestellten stehen an jedem der insgesamt 16 Standorte in Marburg und den Stadtteilen Dienstfahrräder bereit. Am Hauptsitz gibt es zudem ein Dienst-E-Bike, um bequem zu den Außenstellen von Wehrda bis Gisselberg zu kommen.

Außerdem hat Arbeit und Bildung einen Carsharing-Vertrag mit dem Dienstleister Scouter abgeschlossen. Die 80 Mitarbeiter der Muttergesellschaft können sich ein Auto leihen oder direkt den hauseigenen Dienstwagen nehmen. Zudem hat Arbeit und Bildung für seine Beschäftigten mit dem RMV ein Ticket ausgehandelt. 13 Euro kostet das pro Kopf für das gesamte RMV-Gebiet.

Lediglich 5 Euro davon müssen die Angestellten selbst bezahlen. „Jedes Unternehmen ab 50 Mitarbeitern kann mit dem RMV verhandeln“, sagt Dolle. Etwa 70 Prozent der Belegschaft habe ein Ticket erworben. Neben der Umwelt gibt es auch für Arbeit und Bildung selbst praktische Gründe, sich für den Klimaschutz stark zu machen. Bei der Wahl des Arbeitgebers seien zunehmend weiche Faktoren ausschlaggebend, sagt Dolle. Zukünftig könne man nun damit werben, dass der Betrieb klimafreundlich agiere.

von Tobias Kunz

Klimaretter-Tipps

Auch kleine Betriebe können etwas für den Klimaschutz tun, sagt Rainer Dolle, Geschäftsführer von Arbeit und Bildung e.V. Der Naturschutzbund Deutschland gibt auf seiner Internetseite Tipps zum Klimaschutz in Büros.

  • Desktop-PC gegen Notebook austauschen: Hier kommt es darauf an, wofür Sie den PC benutzen. Notebooks sind oft schon genauso leistungsfähig wie große Rechner und dabei wesentlich energieeffizienter.
  • Monitor ausschalten: Schalten Sie den Monitor aus, wenn Sie ihn nicht benötigen, statt den Bildschirmschoner laufen zu lassen. Grafisch aufwendige Bildschirmschoner brauchen viel Energie.
  • Drucker und Scanner ausschalten: Schalten Sie auch Drucker und Scanner aus, wenn Sie die Geräte nicht benötigen. Gerade Laserdrucker können sonst im Stand-by-Modus unbemerkt Strom fressen.
  • Papierverbrauch einschränken: Überlegen Sie sich vor dem Ausdrucken von Dokumenten, ob dies wirklich nötig ist.
  • Überflüssige Lampen ausschalten: Oft brennt mehr Licht als notwendig. Schalten Sie einfach mal ab.
  • Recycling: Recycling ist nach wie vor ein wichtiges Thema. Durch das Recycling von Rohstoffen wird neben den Rohstoffen selbst auch Energie eingespart. Darum: Müll trennen!
  • Stoßlüften: Im Winter sollten Sie lieber nicht die Fenster kippen. Öffnen Sie die Fenster stattdessen wenige Minuten komplett. So vermeiden Sie, dass zu viel Wärme entweicht.
  • Heizung regelmäßig warten: Gerade bevor die kalte Jahreszeit beginnt, sollten Sie einen Fachmann Ihre Heizungsanlage warten lassen.
  • Fenster mit Doppelverglasung: Falls Sie Fenster mit einfacher Verglasung haben, ersetzen Sie diese durch solche mit Doppelverglasung. Die Dämmwirkung hält die Wärme im Raum.

Quelle: BUND