Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Europawahl 2019 Vier neue Hessen im EU-Parlament
Mehr OP extra Europawahl 2019 Vier neue Hessen im EU-Parlament
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 03.06.2019
Im EU-Parlament in Brüssel werden auch aus Hessen vier neue Gesichter sitzen. Quelle: Laurent Dubrule
Marburg

Martin Häusling aus Bad Zwesten gehört der Partei an, die am Sonntag, 26. Mai, den Wahlsieg einfahren konnte: den Grünen. „Wir sind jetzt vielleicht bei vielen Entscheidungen das Zünglein an der Waage“, so Häusling auf OP-Nachfrage. Der 58-Jährige will sich dafür einsetzen, dass das Pariser Klimaabkommen eingehalten wird. Was bisher nur vage formuliert sei, müsse konkret gemacht werden.

Auch die Agrarpolitik ist für den verheirateten „Wochenendbauern“, wie sich Häusling selbst nennt, ein wichtiges Thema. Sein Bioland-Familienbetrieb wird vor allem von seinen beiden Söhnen geleitet. Der Verlust von Biodiversität macht Häusling Sorgen. Agrarförderung soll sich daher künftig grundlegend ändern: „Wir wollen eine Form der Agrarförderung, die sich danach richtet, was man für Klima und Umwelt tut.“ Bisher wird nach Fläche bezahlt.

Während Häusling schon seit zehn Jahren Europa-Abgeordneter ist, zieht in dem Schwalmstädter Engin Eroglu ein Neuling ins EU-Parlament. Der Vertreter der Freien Wähler hat zumindest auf kommunalpolitischer Ebene schon viel Erfahrung: Er war Mitglied des Kreistags, des Magistrats und Fraktionsvorsitzender seiner Partei. Als Stadtverordneter will der unverheiratete 37-Jährige weiterhin in seiner Heimat verankert bleiben. „Bürgernähe ist einer der Kernpunkte der Freien Wähler“, so Eroglu.

Eroglu: "europäische Schuldenunion" verhindern

Daher will der Sohn von türkischen Gastarbeitern in Schwalmstadt ein Bürgerbüro eröffnen und Sprechstunden anbieten. Auch mit Marburg fühlt er sich verbunden: Er spielte in der zweiten Mannschaft der Marburg Mercenaries Football. Als Landesvorsitzender der Freien Wähler sei er zudem immer in Kontakt mit den Kreis- und Ortsvorsitzenden und damit auch mit den Bürgern in der Region. Seine türkische Staatsbürgerschaft hat Eroglu abgegeben.

Wie es mit seinem Immobilienbüro weitergehen soll, das er als selbstständiger Unternehmer leitet, wisse er noch nicht, sagt der 37-Jährige auf OP-Nachfrage. Sein Ziel im EU-Parlament sei es, eine „europäische Schuldenunion“ zu verhindern, also dass Deutschland für die Schulden anderer Länder haftet. Seinen Schwerpunkt sieht er im Bereich Wirtschaft und Finanzen. Darüber hinaus möchte er sich im Ausschuss Regionalentwicklung engagieren.

Erstmals Europa-Abgeordneter ist auch Professor Sven Simon (CDU). Seine Professur für Völkerrecht und Europarecht mit öffentlichem Recht an der Philipps-Universität in Marburg wird der 40-Jährige behalten. Nur seine Lehrtätigkeit will er auf 25 Prozent reduzieren. Der unverheiratete Politiker will es ähnlich wie sein Schwalmstädter Kollege handhaben: Auch er will der Kommunalpolitik erhalten bleiben, das heißt in Simons Fall dem Kreistag im Landkreis Gießen.

Der Busecker möchte auch mit Veranstaltungen in der Region weiterhin präsent bleiben, auch Bürgersprechstunden kann er sich vorstellen. Auch über soziale Medien, in denen er großes Potenzial sieht, möchte er mit seinen hessischen Wählern in Kontakt bleiben.

Anderson: Euro abschaffen und aus der EU austreten

Die Themen, die Simon in seiner neuen Funktion als erstes angehen möchte, sind Handelsabkommen mit Australien und Neuseeland sowie eine Strategie für Afrika im Bereich der Entwicklungshilfe. Zudem möchte er, dass es allen jungen Menschen möglich ist, ein halbes Jahr in einer Gastfamilie im europäischen Ausland zu verbringen. Simon möchte weiterhin einen Informationskanal zum Beispiel über Youtube gründen, um eine europäische Öffentlichkeit herzustellen.

AfD-Politikerin Christine Anderson aus Limburg ist ebenfalls erstmals Europa-Abgeordnete. Die Mutter von drei Töchtern möchte weiterhin Abgeordnete des Kreistags im Landkreis Limburg-Weilburg bleiben. Zudem plant sie ein ­Wahlkreisbüro, der Standort ist jedoch noch unklar. Anderson möchte den Euro abschaffen und aus der EU austreten.

Auf OP-Nachfrage teilt sie zu ihren unmittelbaren Plänen im EU-Parlament mit: „Ich hoffe darauf, mich im ‚Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM)‘ engagieren zu können.“ Udo Bullmann von der SPD ist schon seit 20 Jahren Europa-Abgeordneter. Der verheiratete Politikwissenschaftler und ehemaliger Hochschuldozent der Justus-Liebig-Universität ist Gießener.

Beer wird für mehrere Bundesländer zuständig sein

Seit vergangenem Jahr ist der Vater von drei Kindern Vorsitzender der sozialdemokratischen S&D-Fraktion im EU-Parlament. Ob der 62-Jährige in dieser Position bleibt, entscheidet sich bei einer Wahl am 18. Juni. Auf OP-Anfrage war Bullmann aufgrund von Terminen nicht zu erreichen.

Die Frankfurter FDP-Politikerin Nicola Beer will weiterhin stellvertretende Bundesparteivorsitzende bleiben, wie ihr Sprecher Maxim Hauk auf OP-Nachfrage mitteilte. Die 49-Jährige selbst war gestern in Gremiensitzungen und daher nicht zu sprechen.

Beer will Hauk zufolge weiterhin in ihrem Beruf als Rechtsanwältin tätig sein. In ihrem Wohnort Frankfurt wird sie wahrscheinlich ein Bürgerbüro eröffnen. Ob auch Veranstaltungen im Landkreis Marburg-Biedenkopf geplant sind, konnte Hauk nicht sagen. Angesichts dessen, dass es für ganz Deutschland nur fünf FDP-Abgeordnete gebe, werde Beer für mehrere Bundesländer zuständig sein.

von Freya Altmüller