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Europawahl 2019 Junge Menschen kennen keine Grenzen
Mehr OP extra Europawahl 2019 Junge Menschen kennen keine Grenzen
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00:18 17.05.2019
In der Europäischen Jugendwoche ging es in Brüssel um Projekte, an denen sich junge Europäer beteiligen können. Quelle: Julia Carp
Brüssel

Grenzen überwinden, grenzenlos reisen: Für ­viele Jugendliche in der Europäischen Union werden diese Erfahrungen durch die EU ermöglicht. Doch auch die jungen Menschen tragen dazu bei, Teil von Großem zu werden.

Bei der neunten Ausgabe der Europäischen Jugendwoche, die alle zwei Jahre vom Europäischen Parlament ausgerichtet wird, wurden Anfang Mai in Brüssel Projekte und Mitmachprogramme für Jugendliche vorgestellt und gute Ideen von jungen Europäern gewürdigt.

Denn die Europäische Union bietet jungen Menschen eine Reihe von Möglichkeiten, sich international, sozial und demokratisch zu engagieren.

Jugend soll ihre Stimme hörbar machen

Dieses Mal fand die Woche unter dem Motto „Demokratie und ich“ statt. Anlässlich der Europa­wahl am 26. Mai wurden zum Beispiel Projekte vorgestellt, die es europäischen Jugendlichen ermöglichen, sich politisch und demokratisch zu beteiligen – auch dann, wenn sie selbst noch nicht wählen dürfen.

„Uns war es wichtig, mit den jungen Menschen in Kontakt zu treten und sie zu fragen, was ihre Wünsche und Vorstellungen von einer gelingenden Demokratie sind. Wir möchten ihnen eine Stimme geben und diese auch hörbar machen“, erklärt Sara Soumillion, Pressesprecherin der Europäischen Kommission.

Mehr Geld für EU-Jugendprogramm

Vorgestellt wurden unter anderem die Projekte „Erasmus+“, das Europäische Solidaritätskorps und ­„Discover­EU“. Letzteres soll demnächst in Erasmus+ aufgehen. Es ermöglicht jungen Menschen eine Reise durch Europa mit Halte­stationen in europäischen Metropolen. Das beliebte Reiseprogramm Erasmus+ soll zudem ein verdoppeltes Budget von 30 Milliarden Euro für sieben Jahre erhalten. Außerdem werde die Förderung für das noch junge, im Dezember 2016 entstandene, Europäische Solidaritätskorps auf 1,26 Milliarden Euro angehoben.

Das Projekt richtet sich an junge Menschen in einem Alter von 17 bis 30 Jahren. 124.000 Interessierte registrierten sich dort und 15.000 bekamen bereits die Möglichkeit, in ein anderes europäisches Land zu reisen und sich hierbei ehrenamtlich zu engagieren und bei den unterschiedlichsten Initiativen mitzuhelfen.

Emotionale Dankesworte

So auch beispielsweise in der italienischen Stadt Norcia. Diese wurde 2016 von einem Erdbeben erschüttert. Die Stadt wurde nahezu vollständig zerstört. Freiwillige Jugendliche des Solidaritätskorps halfen mit, Norcia wieder aufzubauen, den Menschen Beistand zu leisten und die Häuser der Italiener wieder bewohnbar zu machen.

„Die Helfer des Solidaritätskorps haben uns Hoffnung geschenkt und dafür gesorgt, dass wir uns den politischen Organisationen näher fühlten“, berichtet Nicola Alemanno, der Bürgermeister der Stadt Norcia, emotional und ergänzt: „Sie waren für die Menschen da. Wiederaufbau bedeutet auch nicht gleich Wiedereinzug. Nach solch einem Unglück bleiben viele oft an den Orten, in die sie flohen.“

EU-Kommissar mit von der Partie

„Als ich mich für das Programm anmeldete, erwartete ich eine Reise mit interessanten Erfahrungen. Was mich dort erwartete, hat meinen Horizont aber komplett erweitert“, sagt Jack Andersson aus Schweden, Freiwilliger des Projekts Kora, das Teil des Europäischen Solidaritätskorps ist. „Als die Stadt zerstört war, wussten wir nicht mal, wo wir die Helfer unterbringen sollten. Sie mussten genauso wie wir in Zelten schlafen“, erklärt der italienische Bürgermeister Alemanno.

Auch der EU-Kommissar für Bildung, Kultur und Sport, ­Tibor Navracsics aus Ungarn, beteiligte sich an vielen Veranstaltungen der Jugendwoche. Dass junge Menschen aktiv sind, etwas Hilfreiches unternehmen und Dinge bewegen wollen, sei laut Navracsics beim Europäischen Solidaritätskorps stark zu spüren. Dies diene auch als Beispiel für ältere Generationen.

Slowene gewinnt Preis

Navracsics berichtet, dass die letzte Umfrage des Eurobarometers besage, dass sich drei von vier befragten jungen Menschen auf unterschiedlichste Weise sozial engagieren. Sei es durch Wahlen, die Beteiligung an einer Bewegung, das Unterschreiben von Petitionen oder Freiwilligenarbeit. Befragt wurden im März 2019 rund 11.000 junge Menschen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. 
Eines der wichtigsten Ziele sei für die Jugendlichen der Umweltschutz.

Gekürt wurden in der Jugendwoche in Brüssel zudem die Gewinner des „Altiero ­Spinelli Award for Outreach“. Dieser Preis würdigt die Projekte, Er­findungen oder Ideen junger Menschen, die das kritische ­Interesse für die Europäische Union und die anstehenden Wahlen mit Hinblick auf politische Partizipation steigern. Dieses Jahr gewann Damjan Lajh aus Slowenien. Er entwickelte das Brettspiel „Ich fühle Europa: Nika and Luka lernen das Europäische Parlament kennen“, das die Wichtigkeit der Europa­wahlen verdeutlicht.

Viel Lob für Projekte der Europäischen Union

Das Interesse der Jugendlichen an Europa war auch beim Gespräch mit dem Titel „Diesmal wählen meine Freunde und ich“ mit Tibor Navrcsics im Hemi­cycle („Halbkreis“) des Europäischen Parlaments zu spüren. Bei dieser Veranstaltung konnten die Teilnehmer ihre Ideen zur Verbesserung der Demokratie in Europa präsentieren und auf Probleme aufmerksam machen.

Einige der Ideen waren: auf YouTube Videos zu veröffentlichen, die auf das Thema aufmerksam machen, mit den Eltern über die Wichtigkeit des Wählens sprechen oder auch kleine Geschenke für Erstwähler anzubieten, wie beispielsweise Kondome mit der Aufschrift „Dein erstes Mal“.

In dem Dialog klang aber auch viel Lob für die Projekte der ­Europäischen Union mit. So ­berichtete ein Mädchen, das an DiscoverEU teilnahm: „Überall wo ich hingereist bin, habe ich mich zuhause gefühlt.“ Auch im Gespräch mit der OP ­betonte Navracsics: „Wir müssen unsere Kommunikation mit den jungen Menschen Europas ver­bessern und ihnen zeigen, dass wir ihre Stimmen hören.“

Warum dauert Gesetzgebung so lange?

An einem ganz besonderen Projekt, um junge Menschen für Europa und die Europäische Union zu interessieren, nahm auch die 16-jährige Juliane von Steinecker aus Koblenz teil. An dem „Modell European Parliament“ (MEP) nahmen 100 junge Menschen teil, jeweils zehn jugendliche Delegierte aus zehn Nationen. MEP ist ein Projekt von DiscoverEU, bei dem eine Woche lang das Europa­parlament nachgespielt wird.

Dadurch bekommen die 
Teilnehmer die Möglichkeit, beispielsweise herauszufinden, warum die Durchsetzung mancher verabschiedeter Gesetze oft so lange dauert. ­Außerdem kommen sie in Kontakt mit 
anderen Jugendlichen in ­ihrem Alter aus anderen ­Ländern und können sich über ­ihre ­Erfahrungen mit Demokratie und politischer Partizipation aus­tauschen.

„Mir ist es wichtig, besonders Schulen auf das Projekt aufmerksam zu machen“, erklärt Juliane. „Denn nur über die eigene Schule ist eine Anmeldung zu dem Projekt möglich.“

von Julia Carp