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Europawahl 2019 Umweltschutz ist wichtigstes Thema
Mehr OP extra Europawahl 2019 Umweltschutz ist wichtigstes Thema
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21:00 12.05.2019
Französische Schüler aus Marburgs Partnerstadt Poitiers sowie deutsche Schüler von der Martin-Luther-Schule haben der OP ­getrennt voneinander Fragen zu Europa beantwortet. Quelle: Freya Altmüller
Marburg

Zehn Tage waren Schüler aus der Partnerstadt Poitiers in Marburg zu Gast. Bei ihrem Besuch mit ihren Austauschpartnern von der Martin-Luther-Schule im Rathaus hat die OP ihnen Fragen zur Europapolitik gestellt.
Einig waren sich die Jugendlichen dabei, welches Thema in der neuen Legislaturperiode das wichtigste ist: der Umweltschutz. „Es bringt ja nichts, wenn nur Deutschland etwas macht – da muss eigentlich die ganze Welt mitziehen“, sagte Bosko van Andel von der Martin-Luther-Schule. „Gerade für uns Jugendliche geht es dabei um unsere Zukunft“, sagte die Französin Cléophée Julienne.

Der 15-jährige Alexandre Auffret nannte auch die Einwanderung als wichtiges Thema, das zugleich einer der Gründe für eine Teilung Europas sei, die er derzeit wahrnehme. Großbritannien wende sich ab, Italien habe so viele Geflüchtete aufgenommen, dass die Kapazitäten erschöpft seien. Daher bringe sich das Land nicht mehr so in die europäische Politik ein.
Bosko van Andel sagte: „Es ist nicht gerecht, dass manche Länder ganz viele Geflüchtete aufnehmen und andere fast keine.“ Das müsse künftig gleich verteilt werden. Bereits in den Ankunftsländern solle überprüft werden, ob die Geflüchteten Recht auf Asyl haben, ergänzte Simon Greinke.

Eine gerechte Verteilung der Geflüchteten müsse machbar sein, sagte Timothée Mury. Denn wenn jede Kommune in der EU nur einen Menschen aufnehmen würde, kämen alle ohne Probleme unter. Alexandre Auffret sagte, das Kontingent solle sich nach den Bedürfnissen der Länder richten: In Italien beispielsweise habe man Geflüchtete in einem überalterten Dorf untergebracht. Diese hätten den Ort wieder zum Florieren gebracht.

Auch zur Bewegung der Gelbwesten in Frankreich hatte der 15-Jährige etwas zu sagen: „Ich denke, dass sie Frankreich ­diskreditieren“. Wie das andere­ EU-Länder sehen, könne er nicht einschätzen. Sein Mitschüler Timothée Mury meinte, am Anfang habe die Bewegung Sinn gemacht. „Da waren Gelbwesten und man konnte verstehen, wofür sie kämpfen. Jetzt sind da nur noch Leute, die alles zerstören wollen.“ Mit den Reformen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron seien sie noch nicht zufrieden.

„Ich denke, sie fühlen sich nicht gehört“, sagte Cléophee Julienne. „Die Bewegung zeigt, was in Frankreich und Europa niemand sehen möchte: Dass es Leute gibt, die kaum existieren können.“ Die Schere zwischen Arm und Reich komme auch durch ungerechte Besteuerung zustande.

Emma du Puy de Goyne sagte, die Bewegung habe auch Einfluss auf andere Länder und finde dort Nachahmer. „Die Menschen sind müde und wählen Rechtspopulisten.“
Timothée Mury sagte, er könne nicht verstehen, warum Rechtspopulisten sich von Europa abwenden wollten. Denn der Binnenmarkt und die Reisefreiheit brächten doch nur Vorteile. Bei einem Austritt aus der EU ­wäre selbst Frankreich finanziell schlechter aufgestellt als zuvor. Cleophée Julienne ergänzte, dass Frankreich und Deutschland ohne die EU vielleicht noch ganz gut dastehen würden. „Aber sie haben auch Verantwortung für andere Länder, weil sie früher auch mal anders dastanden, vor allem Deutschland“, so die 14-Jährige.

Mit der Zeit könnten Rechtspopulisten, die in der ganzen Welt an Macht gewinnen, auch für die EU zur Gefahr werden, sagte Jannis Schäfer. „Ich finde­ es schade, dass die Leute aus Unzufriedenheit mit der Regierung in diese Richtung gehen“, so der 15-Jährige.

von Freya Altmüller