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Wirtschaft Arbeitsagentur: Corona-Flaute auf dem Arbeitsmarkt hält an
Mehr Hessen Wirtschaft Arbeitsagentur: Corona-Flaute auf dem Arbeitsmarkt hält an
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12:32 05.01.2021
Das Logo der Bundesagentur für Arbeit.
Das Logo der Bundesagentur für Arbeit. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main

Wegen der andauernden Corona-Flaute rechnet die Arbeitsagentur mit weiter hohen Arbeitslosenzahlen in Hessen. In den meisten Branchen scheine dieses Jahr eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau "unrealistisch", erklärte Direktionschef Frank Martin am Dienstag bei der Vorstellung der Arbeitsmarktzahlen für den Dezember.

"Jeder weitere Tag des Lockdowns verringert die Chancen auf eine baldige Erholung des Arbeitsmarktes", sagte Martin. "Wir müssen uns noch länger auf hohe Arbeitslosenzahlen und ab Frühjahr ansteigende Insolvenzen einstellen."

Neben den Folgen der Pandemie sorgten Digitalisierung und technische Umstellungen beispielsweise in der Automobilindustrie für einen Strukturwandel mit deutlichen Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Sorgen bereite auch der Ausbildungsmarkt, weil Betriebe und Bewerber unter den Bedingungen der Pandemie schwerer zusammenkommen könnten.

Für das von der Corona-Pandemie geprägte Jahr 2020 nannte die Direktion einen monatlichen Durchschnittswert von rund 185 000 Arbeitslosen. Das war im Vergleich zu den 150 000 im Vorjahr eine Steigerung um 23 Prozent.

Im Dezember ist die Zahl der Arbeitslosen aber den vierten Monat in Folge leicht gesunken. Zum Stichtag in der Monatsmitte waren im Land 187 189 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion in Frankfurt berichtete. Das waren 861 weniger als im November, aber auch 40 490 mehr als im Dezember des Vorjahres. Die Quote sank in der Monatsfrist um 0,1 Punkte auf 5,4 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch 4,3 Prozent betragen. Die Folgen der Lockdown-Verschärfung vom 16. Dezember sind in den Zahlen noch nicht abgebildet.

Der DGB Hessen-Thüringen verlangte größere Anstrengungen, um die Beschäftigten zukunftssicher zu qualifizieren. Bezirkschef Michael Rudolph forderte die Unternehmen auf, die attraktiven Fördermöglichkeiten des Beschäftigungssicherungsgesetz intensiver zu nutzen. Die Förderung müsse bekannter gemacht werden und dürfe nicht ins Leere laufen, so der Gewerkschafter. Hier brauche es eine engere Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen, Arbeitsagenturen und Bildungsträgern sowie den Betriebsräten.

Der Arbeitsmarkt in Hessen sei im abgelaufenen Corona-Jahr mit einem blauen Auge davongekommen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes VhU, Dirk Pollert. Neben der mit rund 2 Milliarden Euro finanzierten Kurzarbeit habe dazu die Flexibilität von Betrieben und Beschäftigten beigetragen. Die VhU verlangte erneut eine Umstellung der Arbeitszeitregelungen auf eine flexiblere wöchentliche Betrachtung. Pollert warnte zudem vor einem "politischen Überbietungswettbewerb" beim Mindestlohn und weiteren Ausgabensteigerungen im Sozialbereich.

dpa