Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Weihnachts-Shopping mit 2G-Regel und Armbändchen
Mehr Hessen Wirtschaft Weihnachts-Shopping mit 2G-Regel und Armbändchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:18 19.12.2021
Eine Familie geht am frühen Abend durch die beleuchtete Fußgängerzone in der Innenstadt.
Eine Familie geht am frühen Abend durch die beleuchtete Fußgängerzone in der Innenstadt. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Anzeige
Frankfurt/Main

Die hessischen Händler sehen sich angesichts der aktuellen Corona-Maßnahmen auch im zweiten Weihnachtsgeschäft in der Pandemie ausgebremst und rechnen mit Umsatzeinbußen. Allerdings gibt es auch Erleichterung darüber, dass die Geschäfte Kunden in ihren Räumen empfangen können - anders als vor einem Jahr, als viele Läden im Lockdown schließen mussten.

Das aktuelle Weihnachtsgeschäft "läuft natürlich mit angezogener Handbremse", wie Jochen Ruths berichtete, der Präsident des Handelsverbands Hessen. "Unser Hauptproblem ist die massive Verunsicherung in der Bevölkerung, die auch ein Stück weit nachvollziehbar ist, wenn man auf das Infektionsgeschehen schaut", sagte Ruths zur Situation im stationären Einzelhandel. Das führe dazu, dass viele Kunden lieber zu Hause blieben. Bei der Besucher-Frequenz liege man deutlich unter dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019, sagte Ruths. Belastbare Zahlen zu den Umsätzen der hessischen Einzelhändler liegen nach seinen Worten noch nicht vor.

Aktuell gilt in Hessen: Fürs Shopping in Läden, die nicht der Alltagsversorgung dienen, greift die 2G-Regel. Zutritt haben also nur Geimpfte oder Genesene. Aus Sicht des Handelsverbandspräsidenten ist 2G keine Maßnahme, "die uns in irgendeiner Art und Weise außer Arbeit etwas bringt". Bewährt habe sich dagegen die Maskenpflicht.

Nach Einschätzung des Einzelhandelsverbandes Hessen-Nord in Kassel gibt es durch die 2G-Regelung ersten Stichproben zufolge 30 bis 40 Prozent Umsatzrückgänge. "Durch die Verunsicherung und Ängste der Kunden haben wir einen massiven Frequenzeinbruch", teilte ein Sprecher mit. Das betreffe auch Innenstadtläden, für die nicht 2G gelte - wie Lebensmittelgeschäfte. Die Stimmung im Einzelhandel sei "bescheiden", zumal noch nichts über eine Anpassung der Hilfen vorliege. "Allerdings ist es für die meisten besser offenzuhalten, als durch einen Lockdown schließen zu müssen."

Auch beim Einzelhandel in der Darmstädter Innenstadt wirkt sich die 2G-Regel nach Angaben des Citymarketings auf das Weihnachtsgeschäft aus. Eine Umfrage unter rund 30 Läden habe ergeben, dass 74 Prozent eine deutlich niedrigere Frequentierung in ihren Läden sehen und 70 Prozent angaben, Umsatzeinbußen zu haben. Das variiere aber stark nach Branchen.

Aus Gießen kommen auch zufriedene Stimmen - zumindest im Vergleich zum Weihnachtsgeschäft 2020. "Letztes Jahr um diese Zeit hatten wir Lockdown", rief Markus Pfeffer in Erinnerung, Geschäftsführer des "Business Improvement District"-Projekts (BID) Seltersweg, das sich für die Entwicklung von Gießens wichtigster Einkaufsmeile engagiert. Damals hätten sich die Geschäfte mit Angeboten wie Click&Collect - Waren bestellen und abholen - behelfen müssen. "Das ist jetzt alles nicht mehr so, wie können die Leute in die Läden lassen. Das funktioniert auch sehr gut. Die Kunden sind sehr vernünftig, stellen sich an, haben ihren Impfpass dabei." Angesichts der aktuellen Umstände habe man eine "ganz gute Frequenz".

Um das Prozedere bei der Überprüfung des 2G-Status zu vereinfachen, sind in mehreren Kommunen Armbänder eingeführt worden. Diese tragen Kunden nach einer einmaligen Kontrolle am Handgelenk und zeigen sie beim Betreten der Läden vor. Die Bänder können nicht einfach abgenommen werden: Wer sie nicht mehr will, muss sie in der Regel zerschneiden.

Die Bändchen seien auch ein Beitrag, um das Weihnachtsgeschäft zu unterstützen, heißt es aus Limburg. Das System kam in der Stadt so gut an, dass die erste Bändchen-Lieferung rasch vergriffen war und nachbestellt werden musste. Es habe einen "Run" gegeben, berichtete der Leiter des Stadtmarketings, Hilmar von Schenck. "Wir haben allein am ersten Wochenende 5300 Stück ausgegeben. Die Akzeptanz bei den Kunden ist riesig." Auch in den Geschäften seien die Bändchen sehr gut aufgenommen worden, weil viel Aufwand für die eigenen Kontrollen wegfalle. "Es muss nur die ausgebende Stelle einmal kontrollieren und dann kann sich der Kunde frei bewegen in den Geschäften. Das wird von vielen als Fortschritt wahrgenommen."

Auch aus Darmstadt kamen positive Reaktionen: Das seit Mitte der Woche erhältliche 2G-Bändchen sei von Kunden und Händlern mit großer Erleichterung aufgenommen worden. "Wir wollen Warteschlangen vermeiden", hieß es. Die Kasseler Einzelhändler berichteten, dass die Bändchenlösung in der nordhessischen Stadt ebenfalls gut angelaufen sei. Das System helfe auch, die Mitarbeiter zu entlasten.

© dpa-infocom, dpa:211219-99-439055/3

dpa