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Wirtschaft Belastung mit Stickstoffdioxid sinkt: Teilweise nicht genug
Mehr Hessen Wirtschaft Belastung mit Stickstoffdioxid sinkt: Teilweise nicht genug
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15:32 13.01.2020
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Wiesbaden/Darmstadt

Die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid ist im vergangenen Jahr in Hessen gesunken, überschreitet aber stellenweise weiter den zulässigen Grenzwert. Das teilte das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Montag unter Berufung auf eine vorläufige Auswertung mit. Diese zeige, dass die Maßnahmen im Kampf gegen zu hohe Schadstoffwerte erfolgreich seien: So sank der für Darmstadt bisher einzige vorliegende Wert so stark wie sonst keiner in Hessen. In der südhessischen Stadt gilt an zwei Hauptverkehrsadern ein Fahrverbot - das bisher einzige im Land.

Das Landesamt erklärte, an einer von zwei Messstellen an der Darmstädter Hügelstraße sei der Jahresmittelwert von 50 auf 38 Mikrogramm gesunken - und damit unter den Grenzwert von 40 Mikrogramm. Darüber liegen trotz gesunkener Werte weiter zwei Stationen in Wiesbaden (Schiersteiner Straße, 45 Mikrogramm und Ringkirche, 44) sowie je eine in Limburg (Schiede, 42) und Frankfurt (Friedberger Landstraße, 42).

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Den Experten liegen noch nicht die endgültigen Werte der Messstellen vor, an denen sogenannte Passivsammler aufgestellt sind - dies ist meist an den schwerer belasteten Straßen der Fall. Eine vorläufige Bilanz zeige aber auch hier grundsätzlich eine positive Entwicklung. In Darmstadt ergebe sich auch hier ein Rückgang, allerdings nicht unter den Grenzwert. An einigen Messstellen in Hessen, die mit Passivsammlern beurteilt werden, seien die Werte minimal angestiegen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erwartet in Kommunen mit stellenweise hoher Schadstoffbelastung auch dieses Jahr noch Probleme. "Dort wo es deutliche Überschreitungen gab, werden wir auch 2020 Probleme haben", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch der Deutschen Presse-Agentur. Die DUH hatte bundesweit gegen 38 Kommunen wegen Überschreitung der Grenzwerte bei Stickstoffdioxid (NO2) geklagt, darunter Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach und Limburg.

In den fünf hessischen Kommunen waren die Grenzwerte teils stark überschritten worden. Doch auch wenn sich die Messwerte aufgrund von mehr Radwegen, dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder im drastischsten Fall durch Fahrverbote verbessert haben, sind weitere Maßnahmen nicht auszuschließen.

Am ärgsten hat es bislang DARMSTADT getroffen. Die Stadt will zunächst an den Fahrverboten für ältere Diesel und Benziner festhalten, auch wenn die Messwerte sich nach Angaben von Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) deutlich verbessert haben. Ein Ende der seit 1. Juni geltenden Regelungen werde es erst geben, wenn die NO2-Werte dauerhaft unter dem EU-Grenzwert lägen.

Für die größte Stadt FRANKFURT hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof unlängst ein flächendeckendes Fahrverbot für Diesel als unverhältnismäßig bezeichnet. Allerdings schrieb er den Stadtoberen auch ins Aufgabenheft, geeignete Maßnahmen für eine Reduzierung der Schadstoffbelastung zu finden. Stadt und Land müssen weiter Fahrverbote auf Einzelstrecken prüfen. "Frankfurt kommt um Fahrverbote ebenso wenig herum wie Darmstadt", ist sich Resch sicher. Die Stadt werde zonale Verbote brauchen.

Die Landeshauptstadt WIESBADEN konnte dies mit einem Kompromiss abwenden. Sie sagte ein millionenschweres Maßnahmenpaket zu. Zu OFFENBACH und LIMBURG soll es nach Angaben des Verwaltungsgerichtshofes im ersten Halbjahr Verhandlungen geben. "Wir sind optimistisch", sagte Jürgen Weil vom Dezernat für Umwelt und Verkehr der Stadt Offenbach. Maßnahmen wie Tempolimits, Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder neue Radwege seien bereits eingeleitet worden. Doch auch wenn die Messwerte zurückgingen, sie würden voraussichtlich noch immer leicht oberhalb der Grenzwerte liegen.

Resch sagte, mancherorts habe auch eine günstige Wetterlage zu verbesserten Messergebnissen beigetragen. Ziel müsse sein, endlich die bisherigen Grenzwerte einzuhalten. Es müsse zudem in Deutschland auch noch wie in anderen Ländern eine Senkung der Grenzwerte auf 30 Mikrogramm geben. Denn anders als bei anderen Schadstoffen lägen die NO2-Grenzwerte bereits im gesundheitsgefährdenden Bereich.

dpa