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Wirtschaft Verhandlungen um höheren Mindestlohn am Bau vertagt
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19:22 30.08.2019
Ein Bauarbeiter trägt auf einer Baustelle auf einem Hausdach ein Brett. Quelle: Christophe Gateau/Archivbild
Wiesbaden

Die Verhandlungen um höhere Branchenmindestlöhne im boomenden Baugewerbe sind ohne Ergebnis vertagt worden. Bei der ersten Gesprächsrunde in Wiesbaden gab es keine Einigung, wie die Gewerkschaft IG BAU sowie die Arbeitgeberseite am Freitag mitteilten. Die Gespräche sollen nun am 23. September in der hessischen Landeshauptstadt fortgesetzt werden.

Die IG BAU fordert für die rund 820 000 Branchenbeschäftigten deutliche Lohnerhöhungen und die Einführung einer zusätzlichen Untergrenze für qualifizierte Fachkräfte im Osten. Eine konkrete prozentuale Forderung stellte die Gewerkschaft vier Monate vor dem Auslaufen des aktuellen Tarifvertrags zwar nicht. Angesichts des Immobilienbooms hatte sie im Vorfeld aber auf eine "kräftige Anhebung" gepocht.

Derzeit gilt im Bauhauptgewerbe ein bundesweiter Branchenmindestlohn von 12,20 Euro je Stunde. Für qualifizierte Beschäftigte im Westen haben Arbeitgeber und Gewerkschaften zudem eine Mindestvergütung von 15,20 Euro vereinbart - diese Stufe fehlt in Ostdeutschland. Die IG BAU will sie auch dort verankern.

Die Einführung der Mindestschwelle im Osten sei der Knackpunkt bei den Verhandlungen gewesen, sagte IG-BAU-Bundesvorstandsmitglied Carsten Burckhardt. Die Lohnuntergrenze habe sich im Westen bewährt und schütze den seriösen Wettbewerb. "Wir wollen nach 30 Jahren Mauerfall in Ost und West endlich gleiche Bedingungen haben."

Die Verhandlungspartner der Arbeitgeberseite, der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), gaben kein Statement ab. Aus Arbeitgeberkreisen hieß es lediglich, es habe keinerlei Annäherung gegeben.

Laut der IG BAU wird etwa jeder fünfte Bauarbeiter in Deutschland nach dem branchenspezifischen Mindestlohn bezahlt. Mit den normalen Lohntarifverhandlungen hat der 1997 eingeführte Mindestlohn nichts zu tun. Ziel sei, für tarifungebundene Unternehmen eine Untergrenze zu ziehen und Lohndumping einzuschränken, hatte IG-BAU-Verhandlungsführer Dietmar Schäfers gesagt.

Auch aus dem Ausland entsandte Arbeiter müssen auf deutschen Baustellen diesen von der Bundesregierung für allgemeinverbindlich erklärten Mindestlohn erhalten. Hier wird nach Schäfers' Einschätzung allerdings viel am Stundenzettel getrickst und vom unzureichend ausgestatteten Zoll zu wenig kontrolliert.

Viele Beschäftigte am Bau bekommen aber in ihren Betrieben mehr Geld als den Branchenmindestlohn. Die Stundenlöhne in den tarifgebundenen Betrieben beginnen bei 13,77 Euro im Osten und 16,54 Euro im Westen.

dpa

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