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Wirtschaft Tankstellen in Corona-Krise: Pleitewelle vorerst abgewendet
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08:51 25.04.2020
Der abendliche Verkehr rauscht an einer Tankstelle vorbei. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild
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Neustadt an der Weinstraße/Berlin

Nach Warnungen vor einer Insolvenzwelle bei Tankstellen durch die Corona-Pandemie hat sich die Lage vorerst entspannt. Die existenzbedrohende Krise der Pächter sei durch ein Rettungspaket der Gesellschaften abgewendet worden, sagte Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV) in Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz). Mineralölunternehmen verzichteten teilweise oder komplett auf Pachtzahlungen. Der TIV vertritt die Interessen der Betreiber von 200 Tankstellen in Hessen, 150 in Rheinland-Pfalz und 50 im Saarland.

Vor drei Wochen hatte der Verband vor einer Pleitewelle gewarnt, weil die Beschränkungen wegen der Pandemie den Verkauf in Shops und das Zusatzgeschäft mit Angeboten wie Autowäsche hart getroffen hatten. Laut TIV sind Tankstellenpächter in der Regel selbstständige Unternehmer, die aber vertraglich eng an Mineralölgesellschaften gebunden und in ihrer Handlungsfreiheit stark eingeschränkt sind. Beispielsweise müssten sie bei vorgegebenen Großhandelsunternehmen einkaufen und vorgegebene Öffnungszeiten einhalten. "Die Pächter hängen in jeder Hinsicht am Tropf der Gesellschaften", sagt Rabl.

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Pro verkauftem Liter Sprit bekommen die Pächter laut TIV nur rund einen Cent Provision. Daher treffe sie der Absturz der Benzinpreise kaum. 80 Prozent der Umsätze erzielten die Betreiber über Tankstellenshops und Zusatzangebote. Doch auch dort brach das Geschäft weg - je nach Standort unterschiedlich stark. "Das ist das, was die Existenzsorgen ausgelöst hat", erklärte Rabl. Gleichzeitig liefen die Pachtkosten von 500 bis 15 000 Euro pro Monat weiter.

Für staatliche Hilfen hätten die selbstständigen Betreiber ihre Altersvorsorgen auflösen müssen. Doch nach Gesprächen hätten die Gesellschaften "heimlich, still und leise" ihre Tankstellenpächter gerettet, um ein Ausdünnen des Netzes zu verhindern.

"Die Tankstellengesellschaften stehen im engen Kontakt mit den Tankstellenbetreibern und leisten auf vielfältige Weise individuell Hilfe und Unterstützung", erklärte Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölverbands in Berlin. Beide Seiten hätten ein Interesse daran, den Fortbestand der Stationen zu sichern. Es habe unterschiedliche Unterstützungsmaßnahmen gegeben, "Pachtstundungen waren ein Teil davon".

Hygienemaßnahmen wegen der Corona-Pandemie sind laut TIV für Tankstellen kein großes Problem. Generell seien die Kunden sehr diszipliniert und hielten Abstand. Schwierigkeiten gebe es allerdings bei Zusatzangeboten wie Duschen für Lastwagenfahrer, sofern diese von den Pächtern selbst betrieben würden. Die Kosten für die Desinfektionen würden den Betreibern zusätzlich aufgebürdet.

Gleiches gelte teilweise für die Kosten der Schutzausstattungen. Dabei stünden Tankstellenkassierer in einer Reihe mit Krankenschwestern und Verkäufern. "Unsere Leute sind für uns auch Helden des Alltags", erklärte Rabl.

dpa

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