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Wirtschaft Studie: Airport Hahn und viele Regionalflughäfen überflüssig
Mehr Hessen Wirtschaft Studie: Airport Hahn und viele Regionalflughäfen überflüssig
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18:02 19.08.2020
Das Terminal des Kassel Airports. Quelle: Uwe Zucchi/dpa/Archivbild
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Berlin/Hahn

Umweltschützer kritisieren die Unterstützung kleiner Flughäfen - darunter auch der Hunsrück-Airport Hahn - mit Steuermitteln als klimaschädliche Geldverschwendung. Die Regionalflughäfen zeigten "die ganze Absurdität des Fliegens" auf, sagte der Chef der Umwelt-Organisation BUND, Olaf Bandt, am Mittwoch. Nur 3 von 14 untersuchten regionalen Airports hätten einen verkehrspolitischen Nutzen durch die Anbindung ihrer Region an den internationalen Flugverkehr. Beim Rest handele es sich fast ausnahmslos um Urlaubsflüge.

Der BUND und das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) forderten daher die sofortige Schließung der Hälfte der 14 Regionalflughäfen, die sie in einer gemeinsamen Studie unter die Lupe genommen hatten, darunter auch der abgelegene Hunsrück-Airport Hahn. Dessen Geschäftsführung nahm dazu auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch keine Stellung.

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Die Untersuchung beschäftigt sich mit der Wirtschaftlichkeit, der Bedeutung für die Verkehrsanbindung und der Entwicklung der Passagierzahlen von Flughäfen mit 200 000 bis drei Millionen Fluggästen im Jahr. Bremen und Memmingen schnitten mit einer "gelben Karte" und je zwei Positiv-Bewertungen am besten ab. Je eine positive Bewertung und damit eine "orangene Karte" gingen an Dresden, Dortmund, Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden und Münster/Osnabrück. Sofort geschlossen werden sollten aus Sicht der Umweltschützer die Regionalflughäfen, die nur negative Bewertungen und damit eine "rote Karte" erhielten: Hahn, Erfurt-Weimar, Kassel-Calden, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt, Rostock-Laage und Saarbrücken. Grundlage waren den Angaben zufolge die Geschäftsberichte 2014 bis 2018.

Die rheinland-pfälzische BUND-Chefin Sabine Yacoub kritisierte: "Fliegen ist die umweltschädlichste Fortbewegung und sehr klimaschädlich." Doch die Politik scheue sich einzugreifen, um den Flugverkehr auf Klimakurs zu bringen. "Besonders stechen hier die Regionalflughäfen hervor, in Rheinland-Pfalz der Flughafen Hahn. Sein Nutzen steht in keinem Verhältnis zu den Klimaschäden." Der Hahn habe 2018 mit 15 Millionen Euro den höchsten Zuschussbedarf der untersuchten Flughäfen gehabt. 2018 und 2019 habe er besonders viele Passagiere verloren. Der chinesische Mischkonzern HNA hält 82,5 Prozent der Anteile an dem ehemaligen Militär-Flughafen und das Land Hessen 17,5 Prozent.

Der Flughafenverband ADV wies die Forderungen der Umweltschützer zurück und verlangte Kostenentlastungen insbesondere bei Sicherheitsvorkehrungen, die in anderen EU-Ländern vom Staat getragen würden. Das polyzentrische Flughafensystem sei ein Abbild der föderalen Struktur Deutschlands mit seinen starken Wirtschaftszentren und Metropolregionen, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Der Verband verwies zusätzlich auf die Bedeutung der Flughäfen im Frachtverkehr und als regionaler Standortfaktor. Die regionalwirtschaftlichen Effekte lägen in der Regel deutlich über den von den Gesellschaftern getragenen Verlusten.

dpa