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Wirtschaft Spargelsaison gestartet: Probleme durch Coronakrise
Mehr Hessen Wirtschaft Spargelsaison gestartet: Probleme durch Coronakrise
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16:23 18.03.2020
Frisch gestochener Spargel liegt am Rande der offiziellen Eröffnung der Spargelsaison in einem Korb. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Weiterstadt

In Hessen gibt es in den kommenden Tagen wieder heimischen Spargel. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt, hat auf seinem Hof in Weiterstadt am Mittwoch mit der Ernte des unter Folien gewachsenen Edelgemüses begonnen. Erste Stangen auf beheizten Feldern wurden bereits geerntet. In Südhessen wird Spargel auf rund 2000 Hektar angebaut. Bundesweit gibt es eine Anbaufläche von rund 23.000 Hektar.

"Die gute Nachricht, wir haben jetzt Spargel", sagte Meinhardt nach dem Erntestart. Die schlechte Nachricht: Den Landwirt plagen wegen des Coronavirus ernste Sorgen für die Erntezeit und auch der Ernteauftakt lief nicht reibungslos. Wegen der Reisebeschränkungen im Zuge der Coronakrise fehlen auf den Höfen die nötigen Saisonarbeiter aus Ost- und Südosteuropa. Im Moment habe er 50 Erntehelfer. Für den Spargel brauche er aber 200 und noch einmal 150 für die Erdbeeren. "Wir müssen jetzt reagieren." So sei unter den Spargelbauern geplant, ein Flugzeug zu organisieren, um Arbeitskräfte in Rumänien zu holen. Die hätten ja Arbeitsverträge und auch Unterkünfte. Dieses Jahr könnte es viel des begehrten Gemüses geben. "Derzeit wissen wir aber nicht, wie wir den Spargel von den Feldern bekommen."

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Überall würden qualifizierte Erntehelfer fehlen. "Ich habe nie geglaubt, dass so etwas passieren kann. Wirtschaftliche Einbußen werde es in jedem Fall geben. Es müsse ja auch geschaut werden, wie die Leute den Spargel abnehmen. "Wir leben viel von Laufkundschaft." Angesichts der Einschränkungen im Handel und in der Gastronomie müsse das Edelgemüse aber erstmal abgenommen werden. Einen wirtschaftlichen Komplettausfall würden einige Betriebe nicht überleben.

Wegen der nur noch eingeschränkten Tätigkeit der Behörden bekam er zudem zunächst auch keine Kennzeichen für seine Fahrzeuge für die Saison. Als er zur Zulassungsstelle ging, waren die Türen verschlossen. Die Helfer mussten zum Ernteauftakt erst einmal zu den Spargelfeldern laufen. Doch Meinhardt bleibt Optimist. "Wir haben die Bauernkriege überlebt, wir werden auch das überstehen."

Viele Saisonarbeitskräfte kommen aus Ost- und Südosteuropa. Deutschland hatte zur Eindämmung einer Ausbreitung des Coronavirus an den Übergängen zu Österreich, Frankreich, Luxemburg und Dänemark sowie zur Schweiz strenge Grenzkontrollen angeordnet. Polen und Tschechien hatten zuvor von sich aus strengere Regeln erlassen.

Die Spargelernte beginnt in Deutschland normalerweise in der zweiten Aprilhälfte und dauert bis zum "Johannestag", dem 24. Juni. In den vergangenen Jahren begann sie aber auch schon früher, nicht zuletzt wegen des Einsatzes von Folien. War das vor 20 Jahren noch eher die Ausnahme, ist es heute eher der Regelfall - und nimmt auch beim Beerenanbau zu. Einen offiziellen Start in die Spargelsaison wird es in diesem Jahr in Hessen wegen der Coronakrise nicht geben.

dpa

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