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Wirtschaft Ryanair fliegt 40 Prozent ab Juli
Mehr Hessen Wirtschaft Ryanair fliegt 40 Prozent ab Juli
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14:52 12.05.2020
Eine Ryanair-Maschine steht auf einem Rollfeld am Flughafen Frankfurt. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Symbolbild
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Dublin/Frankfurt

Europas größter Billigflieger Ryanair will seinen Flugbetrieb zum Sommer wieder deutlich hochfahren. Ab 1. Juli sollen 40 Prozent der regulären Flüge wieder stattfinden, teilte das Unternehmen am Dienstag in Dublin mit. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur bekräftigte Ryanair-Manager David O'Brien aber auch die Pläne, wegen der langfristig schwächeren Nachfrage rund jeden fünften Job zu streichen.

Voraussetzung für den Neustart sei, dass die Regierungen die Reisebeschränkungen für Flüge innerhalb der EU lockern und an den Flughäfen Sicherheitsmaßnahmen zum Gesundheitsschutz eingeführt würden. Täglich würde Ryanair nach eigenen Angaben dann fast 1000 Flüge anbieten und damit 90 Prozent der Strecken abdecken, die die Airline vor der Corona-Krise angesteuert hatte.

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Ryanair-Chef Michael O'Leary kritisierte zugleich die geplante 14-tägige Quarantäne für Flugreisende nach Großbritannien als "idiotische Maßnahme". "Das ist Unsinn und es hat keinen Einfluss darauf, die Ausbreitung von Covid-19 zu begrenzen", sagte er am Dienstag dem Fernsehsender ITV. Covid-19 ist die vom Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit. Die zweiwöchige Quarantäne soll nicht für Passagiere aus Irland und Frankreich gelten. Diese Ausnahmeregelung habe keinerlei wissenschaftliche Grundlage, meinte O'Leary. Er fügte hinzu, viele Ryanair-Kunden hätten den Wunsch geäußert, zu den Stränden Spaniens und Portugals zu fliegen.

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock warnte hingegen davor, angesichts der Pandemie Flugreisen für den Sommerurlaub zu planen. Er halte es für unwahrscheinlich, dass größere Ferien im Ausland möglich werden. "Das ist einfach die Realität", so Hancock im ITV-Interview.

Seit Ende März hat Ryanair den Großteil seines Flugbetriebs eingestellt und bietet derzeit täglich nur rund 30 Flüge zwischen Irland, Großbritannien und Kontinentaleuropa an.

Im kommenden Winter und im Sommer 2021 werde Ryanair im Gesamtnetz voraussichtlich nur 80 Prozent der vorherigen Kapazität fliegen, sagte O'Brien. Dafür würden auch nur 80 Prozent des fliegenden Personals benötigt. Es sei aber noch zu früh, die genauen Auswirkungen auf die Basen und die rund 1200 Beschäftigten in Deutschland zu benennen. Es hänge von den jeweiligen Kosten, Steuern und Bedingungen an den Standorten ab, ob sich ein Angebot wieder lohne. Grundsätzlich stünden somit auch in Deutschland hunderte Jobs auf der Kippe. Das Niveau des Vorjahres werde man frühestens in den Jahren 2022 oder 2023 wieder erreichen.

O'Brien wollte keine Unterschiede zwischen großen und kleinen Standorten machen. Jeder habe seine Bedeutung und besondere Bedingungen. So werde Ryanair weiterhin vom Hunsrück-Flughafen Hahn fliegen. Am größten deutschen Standort Frankfurt wird derzeit ein auf Billigflieger zugeschnittener Flugsteig am neuen Terminal 3 gebaut. O'Brien warnte den Betreiber Fraport vor zu hohen Mietforderungen. "Wir werden es gerne nutzen, so lange wir niedrige Kosten haben."

Am Neustart werde sich die österreichische Tochter Lauda nicht mit einem Volumen von 40 Prozent beteiligen, sagte O'Brien, der dort seit April auch die Geschäfte führt. Hintergrund seien Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft Vida. Derzeit gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Lauda geschlossen werde. In diesem Jahr seien zunächst ab Juli Flüge in Düsseldorf und Stuttgart geplant.

Um die Übertragung des Coronavirus zu verhindern, sollen die Passagiere am Flughafen und an Bord laut Ryanair Gesichtsmasken tragen. Zudem sollen sie der Airline bei Flügen im Juli und August am Check-in ihre Kontaktdaten und die Dauer ihres Aufenthalts nennen. Ryanair plädiert zudem dafür, dass die Passagiere schon beim Betreten des Flughafens auf ihre Körpertemperatur überprüft werden. Freie Mittelsitze an Bord lehnt O'Brien wie die gesamte Branche ab, weil sie die verbleibenden Tickets unverhältnismäßig verteuerten und zur Corona-Prävention unnötig seien.

dpa

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