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Wirtschaft Mehr als 14 500 Teilnehmer bei Metall-Warnstreiks
Mehr Hessen Wirtschaft Mehr als 14 500 Teilnehmer bei Metall-Warnstreiks
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15:41 02.03.2021
Das Logo der IG Metall hängt über einer Bühne.
Das Logo der IG Metall hängt über einer Bühne. Quelle: Daniel Karmann/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Am ersten Tag der Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie haben im Tarifgebiet Mitte mehr als 14 500 Menschen aus 68 Betrieben an den Protesten teilgenommen. Das teilte der IG-Metall-Bezirk Mitte am Dienstag in Frankfurt mit. Den Anfang hatten bereits kurz nach Mitternacht mehr als 600 Beschäftigte in vier ausgesuchten Industriebetrieben gemacht. Nach dem Ende der Friedenspflicht legten Arbeiter bei Continental in Rheinböllen, Norma in Maintal und Gerbershausen sowie bei ThyssenKrupp-Rasselstein in Andernach kurzfristig die Arbeit nieder.

Den ganzen Tag über folgten in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen weitere Warnstreiks. Schwerpunkte waren das Opel-Werk in Kaiserslautern mit rund 1500 Teilnehmern und der Zulieferer ZF in Saarbrücken, wo 4000 Menschen die Arbeit ruhen ließen. Die IG Metall achtet nach eigenen Angaben streng darauf, bei den Protesten die in der Corona-Pandemie notwendigen Hygiene-Vorschriften und Abstandsregeln einzuhalten. So bildeten rund 300 Beschäftigte der Offenbacher GKN Driveline eine Menschenkette um das Werk.

Die Arbeitgeber hätten in den letzten Wochen nichts unversucht gelassen, um die Pandemie für ihre Interessen zu instrumentalisieren, kritisierte Bezirkschef Jörg Köhlinger auf der nächtlichen Kundgebung in Andernach. "Während die Arbeitgeber in der Pandemie mit Milliarden an Steuergeldern unterstützt werden, behaupten sie, dass es an die Beschäftigten nichts zu verteilen gibt", sagte er. Diese Haltung werde man ganz sicher nicht hinnehmen.

Die Warnstreiks werden in den kommenden Tagen fortgesetzt, kündigte Köhlinger an. Für den Bezirk Mitte sind erst am 12. März wieder Verhandlungen angesetzt. Zuvor sprechen Gewerkschaft und Arbeitgeber aber bereits am 9. März in dem wichtigen Bezirk Baden-Württemberg.

Die Gewerkschaft fordert für die rund 3,8 Millionen Beschäftigten vier Prozent mehr Lohn - wo es in einem Betrieb schlecht läuft, in Form von Lohnausgleich bei einer auf vier Tage abgesenkten Arbeitszeit. Die Arbeitgeber haben bislang Lohnerhöhungen frühestens für das Jahr 2022 in Aussicht gestellt und wollen automatische Abweichungen vom Tarifniveau für schwächere Betriebe.

Die Warnstreiks lehnen sie als unnötig ab. So verwies der Hauptgeschäftsführer des Maschinenbau-Verbands VDMA, Thilo Brodtmann, auf die unsichere wirtschaftliche Lage und Beschäftigungssituation: "Sicher ist nur, dass dieses Jahr keine Zeit für Lohnerhöhungen ist. Dass dennoch die Gewerkschaften Streikmaßnahmen durchführen, lädt die Tarifrunde nur emotional auf. Dabei ist die Lage am Arbeitsmarkt ein klares Votum gegen Streiks."

© dpa-infocom, dpa:210301-99-635561/7

dpa