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Wirtschaft Nach Protest gegen Düngeregeln werden Schutzzonen kleiner
Mehr Hessen Wirtschaft Nach Protest gegen Düngeregeln werden Schutzzonen kleiner
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08:17 05.12.2020
Ein Landwirt düngt ein Feld. Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
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Friedrichsdorf/Wiesbaden

Nach Protesten der Landwirte gegen schärfere Düngeregeln werden die davon betroffenen Schutzgebiete deutlich kleiner ausfallen als erwartet. "Nach aktuellem Stand werden sich durch die Neuausweisung die mit Nitrat belasteten Gebiete von circa 22 Prozent auf circa 12 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Hessens reduzieren", sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Wiesbaden. Die Bauern bleiben trotzdem skeptisch.

Seit August 2019 gibt es in Hessen sogenannte "gefährdete Gebiete". Diese Schutzzonen sollen verhindern, dass zu viel Stickstoff ins Grundwasser gelangt - das kann unter anderem durch Dünger wie Gülle passieren. Ein Übermaß an Nitrat im Wasser gilt als gesundheitsschädlich. Durch eine neue bundesweite Düngeverordnung gelten dort schärfere Beschränkungen. Unter anderem soll die Stickstoffdüngung pauschal 20 Prozent unter dem Pflanzenbedarf liegen. Laut den Bauern bringt das weniger Ertrag, eine schlechtere Qualität der Ernte und Lagerprobleme für Gülle.

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Betroffen waren Teile von Nordhessen, große Teile des Rhein-Main-Gebiets und Südhessen. Doch die ausgewiesenen Gebiete waren nach Ansicht der Landwirte zu groß und die zugrundeliegenden Messungen zu ungenau. Daher liefen Bauern gegen die Regelung Sturm - unter anderem mit kilometerlangen Traktordemos. Dass die Schutzzonen nun kleiner werden, liegt laut Umweltministerium an neuen Regeln zur Ausweisung dieser Gebiete, die Bund und Länder erarbeitet haben.

Bis Ende des Jahres soll die Düngeverordnung nun in Hessen verbindlich werden. "Dann erfolgt ebenfalls eine kartenmäßige und von der Öffentlichkeit einzusehende Darstellung der Gebiete", sagte der Ministeriumssprecher.

"Es gibt eine Reduzierung von 40 Prozent, das ist zu begrüßen", erklärt Thomas Kunz, Vizepräsident des hessischen Bauernverbands. In anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Thüringen und Baden-Württemberg falle die Reduzierung aber deutlich größer aus. "Das erstaunt uns schon." Die Landwirte kritisieren den Zustand der Wasser-Messstellen, die für die Bestimmung der "gefährdeten Gebiet" herangezogen werden. "60 bis 70 Prozent haben erhebliche Mängel."

Laut den Bauern führt die neue Einteilung der Schutzzonen zu einer regionalen Verschiebung: Die Region Fulda falle komplett raus, Wetterau und Main-Kinzig-Kreis würden kleiner, in Waldeck-Frankenberg gebe es eine Ausdehnung der Schutzgebiete. Dort könne der Widerstand groß werden: Bis 100 Landwirten in Nordhessen wollten klagen.

dpa