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Wirtschaft Erste Lichtblicke am Arbeitsmarkt: Corona wirkt aber weiter
Mehr Hessen Wirtschaft Erste Lichtblicke am Arbeitsmarkt: Corona wirkt aber weiter
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12:52 30.09.2020
Das Logo der Bundesagentur für Arbeit. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main

Erstmals seit Ausbruch der Corona-Krise ist im September die Zahl der Arbeitslosen in Hessen wieder zurückgegangen. Dafür waren vor allem Saisoneffekte wie der Beginn des Ausbildungsjahres und das Ende der Sommerferien verantwortlich. Die Folgen der Pandemie sind gleichwohl weiter zu spüren, warnte die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Mittwoch in Frankfurt bei der Vorstellung der Arbeitsmarktzahlen.

Demnach waren zum Stichtag 200 733 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das waren zwar 7734 Menschen weniger als im August, aber auch knapp 54 000 mehr als ein Jahr zuvor. Mehr Arbeitslose in einem September hatte es zuletzt vor zehn Jahren gegeben. Erstmals seit fünf Monaten ging die Arbeitslosenquote in der Monatsfrist wieder zurück, und zwar um 0,2 Punkte auf 5,8 Prozent.

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Auch die Anmeldungen zur Kurzarbeit sind weiter rückläufig, wie die Regionaldirektion berichtete. Nach jüngsten vorliegenden Schätzungen arbeiteten im Juni rund 455 000 Menschen in 33 000 hessischen Betrieben kurz, nachdem im Mai noch rund 515 000 Beschäftigte geschätzt worden waren. Mit fast 10 000 neuen Job-Angeboten wuchs der Bestand offener Stellen auf knapp 39 000 und damit auch wieder etwas schneller als im Vormonat.

Der hessische Arbeitsmarkt befinde sich aber immer noch in einer Ausnahmesituation, erklärte Direktionschef Frank Martin. Neben Jobs in der Industrie und Zeitarbeit fielen nun auch Beschäftigungen im Gastgewerbe und in geringerem Maße im Handel weg. "Die Signale einzelner Automobilzulieferer oder auch aus der Luftverkehrsbranche deuten auf weitere Stellenverluste in Hessen hin."

Es gebe keinen Grund, die Krise für beendet zu erklären, meinte auch Hessens DGB-Chef Michael Rudolph. Saisonale Effekte sowie die aktuelle Pandemielage könnten immer wieder zu Einbrüchen führen. Es sei daher wichtig gewesen, die Kurzarbeiterregelung bis Ende 2021 zu verlängern, um die Einkommen der Beschäftigten zumindest teilweise abzusichern. Die Arbeitgeber forderte der Gewerkschafter auf, die Krise für betriebliche Weiterqualifizierungen zu nutzen.

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände verlangte erneut mehr Flexibilität bei Einstellungen, dem Einsatz von Leiharbeitern und bei der Höchstarbeitszeit der Beschäftigten. "In vielen von Rezession, Strukturwandel und Corona besonders betroffenen Unternehmen sind die Reserven durch eine lange Durststrecke des Geschäfts stark angegriffen, so dass das Risiko von neuen Festanstellungen zu hoch ist", erklärte Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert.

dpa