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Wirtschaft Ende der Zwangspause: Einzelhandel läuft langsam wieder an
Mehr Hessen Wirtschaft Ende der Zwangspause: Einzelhandel läuft langsam wieder an
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16:42 20.04.2020
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Frankfurt/Kassel/Gießen

Nach der mehrwöchigen Zwangspause haben in Hessen wieder zahlreiche Geschäfte geöffnet. Auch wenn die Innenstädte nicht ganz so belebt waren wie in Vor-Corona-Zeiten und einige Geschäfte zunächst noch geschlossen hatten, zog der Handelsverband Hessen eine positive erste Bilanz. "Wir sehen, dass sowohl die Händler als auch die Kunden froh sind, dass es wieder losgeht", sagte Hauptgeschäftsführer Sven Rohde am Montag.

Der Neustart sei "ein richtiges und wichtiges Zeichen" von der Landesregierung gewesen. Der Verband habe sich einen Überblick in vielen Geschäften verschafft und gesehen, dass der Handel verantwortungsvoll agiere, sagte Rohde. "Der Gesundheitsschutz steht immer an erster Stelle." So werde in den Läden darauf geachtet, dass die Zahl der Kunden auf eine Person pro 20 Quadratmeter begrenzt und auf Trennwände geachtet werde.

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Die bekannteste Einkaufsmeile, die Zeil in FRANKFURT, füllte sich am Montag langsam wieder, doch das übliche Menschengewimmel blieb trotz des sonnigen Wetters zunächst aus. Großen Zulauf gab es vor einem Kurzwarengeschäft, in dem jeweils nur zwei Kunden bedient werden konnten. Draußen wurde geduldig und mit Abstand gewartet, die meisten trugen Masken. Doch diese reichten offenbar nicht aus, den drinnen waren vor allem eins gefragt: Wäschebänder zum Basteln von Masken.

Vor dem Eingang der Frankfurter Filiale von Appelrath & Cüpper stand eine Mitarbeiterin mit Zähl-App am Telefon. "Einschließlich der Mitarbeiter dürfen sich nicht mehr als 35 Menschen gleichzeitig hier aufhalten", sagte die Geschäftsstellenleiterin. Der Verkauf in dem fünfgeschossigen Modekaufhaus findet derzeit nur im Erdgeschoss statt, die Bereiche der Rolltreppen sind abgesperrt, auch ein Teil der Umkleidekabinen, damit der Mindestabstand gewahrt bleibt. "Die Leute sind verhalten beim Kauf - einmal aus Angst vor Ansteckung, aber wohl auch aus finanziellen Gründen", vermutete die Leiterin.

"Unsere Türen sind wieder offen!!!" Das steht auf einem neonfarbenen Zettel am Eingang der "Autorenbuchhandlung Marx & Co" im Frankfurter Westend. "Wir haben einen regen Betrieb", sagte Bettina Raue, die hinter einer großen Glasscheibe an der Kasse steht. Allerdings gibt es ein paar Regeln: So dürften nur zwei Kunden gleichzeitig ins Geschäft, Kartenzahlung werde aus hygienischen Gründen bevorzugt und ausführliches Stöbern im Laden gehe leider noch nicht.

Wegen der Corona-Krise hatten viele Geschäfte in Hessen seit Mitte März geschlossen. Nur das Nötigste konnte beispielsweise in Supermärkten gekauft werden. Nach der Zwangspause durften nun wieder zahlreiche Läden öffnen, in Hessen sogar auch größere Geschäfte öffnen, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter reduzierten. Jedoch hatten am Montag noch nicht alle großen Geschäfte geöffnet, wie es beim Handelsverband hieß. Manche seien noch dabei, die neuen kleineren Verkaufsflächen zu begrenzen.

Einlassnummern, Einkaufskörbe, Einbahn-Regelungen durchs Geschäft oder ein Mitarbeiter, der Besucher zählt: Wer in KASSEL Einkaufen ging, musste sich in fast jeden Geschäft mit unterschiedlichen Regeln arrangieren. Um so etwas zu vermeiden, hätte Alexander Wild, Vorsitzender der City-Kaufleute, sich von Landesseite mehr Vorgaben gewünscht. "Wir können nur mit dem arbeiten, was wir haben, sind aber froh, überhaupt wieder für die Kunden geöffnet zu haben", sagte er.

Den Anteil der offenen Geschäfte in Kassels Innenstadt schätzte Wild auf rund 50 Prozent. Auch Shoppingmalls waren zugänglich, im Inneren nutzte aber nur ein Teil der Händler die Gelegenheit zur Wiedereröffnung - und Besucher wurden per Schild zum raschen Verlassen aufgefordert. Angaben zum Kundenandrang machte Wild zunächst nicht - dafür sei es noch zu früh.

In WIESBADEN war die Innenstadt zum ersten Mal seit Wochen wieder deutlich belebter. Auch wenn noch nicht alle Läden geöffnet hatten: Bei Sonnenschein flanierten viele Menschen durch die Fußgängerzone. Polizei und Ordnungsamt zeigten Präsenz - auch in den Geschäften waren Beamte zu sehen, die mit den Verkäufern sprachen und sich die Abstandsregeln erklären ließen.

Auch in GIEßEN war es wieder voller, aber nicht so sehr wie an einem normalen Montag. Ein Paar, das bereits mit vollen Tüten eines Bekleidungsgeschäfts unterwegs war, trug aber Mundschutz. "Die Maske finde ich durchaus sinnvoll. Für eine bestimmte Zeit sollte das so sein", sagte der Mann. Zumindest außerhalb der Läden in der Fußgängerzone trug aber nur die Minderheit einen Mundschutz.

Auch der Herrenausstatter Köhler war während der Zwangspause geschlossen. Es gab nur einen sehr begrenzten Lieferservice. Von daher sei man "absolut" erleichtert, dass man nun wieder öffnen könne, sagte Geschäftsleiter Dennis Eberl. Allerdings musste sich das Geschäft dafür auf 789 Quadratmeter verkleinern. Damit nicht mehr als maximal 40 Kunden gleichzeitig im Laden sind, bekommen sie beim Betreten einen Holzchip, den sie beim Verlassen des Geschäfts wieder abgeben müssen. Außerdem stand am Eingang Desinfektionsmittel bereit.

dpa

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