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Wirtschaft Corona-Krise zwingt Frankfurter Flughafen auf Sparkurs
Mehr Hessen Wirtschaft Corona-Krise zwingt Frankfurter Flughafen auf Sparkurs
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12:32 04.11.2020
Der Schriftzug Frankfurt Airport. Quelle: Silas Stein/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main

Der herbe Geschäftseinbruch wegen der Corona-Pandemie hat den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport auf einen harten Sparkurs gezwungen. Zunächst fallen aber hohe Kosten an, weil der MDax-Konzern fast jede fünfte Stelle streichen will. Wichtige Ausbau-Projekte werden gestreckt, Investitionen gestoppt und das Instrument der Kurzarbeit so intensiv wie möglich genutzt. Bei der Vorstellung der Zahlen für das dritte Quartal 2020 zeigte sich Vorstandschef Stefan Schulte am Mittwoch aber optimistisch, dass man die Krise mit den aufgenommenen Krediten erfolgreich meistern werde.

Für das laufende Jahr rechnet Fraport am Heimatdrehkreuz nur noch mit 18 bis 19 Millionen Passagieren - ein Einbruch von mehr als 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit verbunden sind ein erwarteter Umsatzrückgang um bis zu 60 Prozent und ein millionenschwerer Verlust zwischen 600 und 670 Millionen Euro.

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Nach neun Monaten hat sich unter dem Strich bereits ein Minus von 515 Millionen Euro angesammelt. Ein Jahr zuvor stand dort noch ein Gewinn von 379 Millionen Euro für die Fraport-Anteilseigner. Selbst das sonst so starke Sommer-Quartal trug einen Fehlbetrag von 304 Millionen Euro bei. Der Umsatz nach neun Monaten ist um mehr als die Hälfte von knapp 2,9 Milliarden auf gut 1,3 Milliarden Euro zusammengeschmolzen.

Hohe Kosten fallen zunächst für den Abbau von bis zu 4000 der rund 22 000 Arbeitsplätze in Frankfurt an. Fraport bezifferte die Belastung auf rund 280 Millionen Euro. Mit dem Stellenabbau sei man bereits deutlich vorangekommen. 1300 Jobs fielen bereits weg, weil Zeitverträge nicht verlängert wurden oder Mitarbeiter das Unternehmen ohnehin verließen. Weitere 2400 Beschäftigte sollen etwa mit Abfindungen, durch Altersteilzeit oder Eintritt in den Ruhestand sowie Aufhebungsverträge ausscheiden.

"Die Wahrscheinlichkeit für betriebsbedingte Kündigungen hat sich deutlich reduziert, wenn es gelingt, einen Notlagen-Tarifvertrag abzuschließen", erklärte Schulte die weiteren Schritte. Dort sollen Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich möglich werden. Zum Jahreswechsel will Fraport die Organisation mit weniger Abteilungen und Führungskräften verschlanken. Wieder intensiver wird die Kurzarbeit genutzt, über die volle mögliche Zeit bis Ende 2021. Rund 18 000 Beschäftigte reduzierten die Arbeitszeit im Schnitt um die Hälfte.

Mit dem Stellenabbau will Fraport die jährlichen Personalkosten bis Ende nächsten Jahres um 250 Millionen Euro senken. Kürzungen bei den Sachkosten sollen ab sofort jährliche Einsparungen von bis zu 150 Millionen Euro bringen. Man habe zudem viele Investitionen gestrichen oder in die Zukunft verschoben und so die Ausgaben mittel- bis längerfristig um eine Milliarde Euro reduziert. Der Ausbau des neuen Terminal 3 wird zeitlich gestreckt, sodass es bei entsprechender Nachfrage frühestens zum Sommerflugplan 2025 ans Netz geht.

Im Oktober hatte sich mit einem Passagier-Rückgang um 83,4 Prozent zum Vorjahresmonat erneut gezeigt, dass die leichte Erholung im Sommer nur ein "Hoffnungsschimmer" war. Der Flugverkehr kommt deutlich langsamer aus der Krise als gedacht. "Wir gehen aktuell davon aus, dass wir im kommenden Jahr in Frankfurt nur etwa 35 bis 45 Prozent des Passagieraufkommens von 2019 erreichen werden", sagte Schulte. Selbst 2023 und 2024 dürfte das Passagieraufkommen noch 10 bis 20 Prozent niedriger liegen als vor der Pandemie.

Allerdings würden die Airlines ihre Verkehre künftig stärker auf einzelne Drehkreuze konzentrieren, sagte der Fraport-Chef. Hier sei Frankfurt mit seinen starken Wirtschaftsräumen und der sehr guten Bahn-Anbindung hervorragend aufgestellt, um für die Verbindungen hohe Passagierzahlen sicherzustellen.

Um durch die Krise zu kommen, hat sich Fraport in diesem Jahr bereits 2,7 Milliarden Euro an zusätzlichen Finanzmitteln gesichert. Damit verfügt der Konzern nach eigenen Angaben über flüssige Mittel und zugesagte Kreditlinien von mehr als drei Milliarden Euro. Der Vorstand sieht den Flughafenbetreiber damit gut aufstellt, um die Krise zu bewältigen und in beschränktem Umfang in die Zukunft zu investieren.

dpa