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Wirtschaft Fast jeder zweite Metaller in Kurzarbeit: Erste Entlassungen
Mehr Hessen Wirtschaft Fast jeder zweite Metaller in Kurzarbeit: Erste Entlassungen
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12:39 15.07.2020
Ein Mensch pfeift auf einer IG Metall-Trillerpfeife. Quelle: Franziska Kraufmann/DPA/dpa
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Frankfurt/Main

Hessens Metall- und Elektroindustrie hat die Corona-Krise noch längst nicht überstanden. Die Produktion sei in fast der Hälfte der Betriebe immer noch stark eingeschränkt und ebenfalls annähernd die Hälfte der Beschäftigten befinde sich in Kurzarbeit, teilte der Branchenverband Hessenmetall am Mittwoch zentrale Ergebnisse einer Mitgliederumfrage mit.

Die Beschäftigtenzahlen sind bereits zurückgegangen. Im April 2020 waren in der Branche noch 210 600 Menschen angestellt, das waren 3,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Von diesen sind Hessenmetall zufolge mehr als 100 000 Beschäftigte aktuell in Kurzarbeit. 40 Prozent der Betriebe rechneten damit, ihre Belegschaft in den kommenden drei Monaten reduzieren zu müssen.

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Nur eine Minderheit der Unternehmen erwartet demnach eine schnelle Erholung. Etwas weniger als die Hälfte rechnet bei der Produktion frühestens für Mitte beziehungsweise Ende 2021 mit dem Erreichen des Vorkrisenniveaus. Vier von zehn Unternehmen können den Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

Die Industrie befinde sich mitten in einer Rezession und einem Strukturwandel, die beide durch die Pandemie verschärft wurden, erklärte Hessenmetall-Vorstandschef Wolf Matthias Mang. Der Verband verlangt ein Belastungsmoratorium bei Steuern und Abgaben sowie mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und insbesondere auch im Arbeitsrecht.

Diesen Ansatz teilt die IG Metall überhaupt nicht. Bezirkschef Jörg Köhlinger hielt den Arbeitgebern vor, in der Krise langgehegte Strukturanpassungen auf Kosten der Beschäftigten durchsetzen zu wollen. "Das Konjunkturpaket einstreichen und auf die neoliberale Mottenkiste zurückgreifen, wird die IG Metall nicht hinnehmen", erklärte der Gewerkschafter. Die Arbeitgeber in Hessen sollten gemeinsam mit der IG Metall der Krise begegnen und Beschäftigung sichern.

dpa