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07:22 16.04.2021
Michael Schnaas, Chef des 129 Jahre alten Fährbetriebs zwischen Niederheimbach und Lorch, steht vor seiner Rheinfähre.
Michael Schnaas, Chef des 129 Jahre alten Fährbetriebs zwischen Niederheimbach und Lorch, steht vor seiner Rheinfähre. Quelle: Thomas Frey/dpa/Archivbild
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Ingelheim/Oestrich-Winkel

Weniger Berufspendler, keine Übernachtungstouristen: Die Rheinfähren in Rheinland-Pfalz und Hessen leiden auch im gewöhnlich umsatzstarken Frühling weiter unter der Corona-Krise. "Die Situation ist katastrophal", sagte der Geschäftsführer der Fähre zwischen dem rheinland-pfälzischen Ingelheim und dem hessischen Oestrich-Winkel, Michael Maul, der Deutschen Presse-Agentur.

"Viele Pendler arbeiteten wegen der Pandemie im Homeoffice, da fehlen uns jeden Werktag 300 Autos", ergänzte Maul, der auch Vorsitzende des Deutschen Fährverbands ist. Bei schönem Tagen freuten sich die Fährbetreiber zwar über viele Tagestouristen. "Aber schon um 16, 17 Uhr bricht das weg - Cafés, Restaurants und Hotels haben ja zu." In seinem Fall nerve zudem eine langfristige Baustelle bei der Autobahnausfahrt Ingelheim-West, die Autofahrer zu großen Umwegen zwinge.

Rheinland-Pfalz zählt rund ein Dutzend Autofähren auf Europas wichtigster Binnenwasserstraße, Hessen deutlich weniger - sein Rheinufer ist kürzer. Fähren bleiben wichtig - zwischen Koblenz und Mainz zum Beispiel gibt es auf etwa 80 Rheinkilometern keine Brücke.

Der Chef des 129 Jahre alten Fährbetriebs zwischen dem rheinland-pfälzischen Niederheimbach und dem hessischen Lorch, Michael Schnaas, sagt: "Normalerweise haben wir an Feiertagen wie dem 1. Mai 500 bis 600 Autos. Jetzt sind es an einem schönen Sonntag vielleicht 200 bis 300."

Dennoch halte er die gewohnten Fahrzeiten aufrecht - möglich machten das Corona-Hilfen, also Steuergeld. Schnaas hat geografisches Glück: Er bekommt nach eigenen Worten sowohl von Rheinland-Pfalz als auch von Hessen jeweils 25 Euro pro Betriebsstunde, also insgesamt 50 Euro. Bei Fähren innerhalb von Rheinland-Pfalz sind es nur 25 Euro. Diese Summe soll ungefähr die Treibstoffkosten decken.

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) erklärte kürzlich mit Blick auf die Fähren: "Wir wollen, dass dieses Angebot erhalten bleibt, damit auch in Zukunft die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes gut von A nach B kommen."

Schnaas sagt, ohne die Corona-Hilfen hätte er im Winter seinen Betrieb eingestellt: "Das hätte sich nicht mehr gelohnt. Das ist bei den meisten Fähren ähnlich." Er freue sich über die Unterstützung - aber wie sonst Rücklagen für den nächsten Winter bilden könne er jetzt nicht. Maul weist allerdings darauf hin, dass etwa Rheinfähren in Nordrhein-Westfalen gar keine Subventionen vom Land bekämen.

Langfristig ist der Fährverbandschef wenig optimistisch: "Die Pendler, die jetzt im Homeoffice sind, werden nicht mehr alle zurückkommen." Auch das infolge des Klimawandels sich häufende monatelange Niedrigwasser mache Fähren zu schaffen - mehr noch als die meist kürzeren Hochwasserperioden. Maul sagt: "Es kann passieren, dass hier in fünf Jahren ein oder zwei Fähren nicht mehr existieren."

© dpa-infocom, dpa:210416-99-224834/3

dpa