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Wirtschaft Dilemma im Umgang mit Hamsterkäufen: Kontrollen angelaufen
Mehr Hessen Wirtschaft Dilemma im Umgang mit Hamsterkäufen: Kontrollen angelaufen
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15:42 23.03.2020
Ein Mann trägt eingekauftes Toilettenpapier und Küchenrollen aus einem Supermarkt. Quelle: Rene Traut/dpa/Archivbild
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Hanau

In Hessen herrscht Uneinigkeit zum Umgang mit Hamsterkäufen. Der Hessische Städte- und Gemeindebund befürwortet das vehemente Vorgehen erster Kommunen gegen massenhafte Vorratskäufe. "Ich kann mir gut vorstellen, dass dies Vorbild-Charakter hat und weitere Kommunen nachziehen. Wir würden das durchaus begrüßen", sagte der Geschäftsführende Direktor, Karl-Christian Schelzke, am Montag auf Anfrage. Wie viele Kommunen bereits Hamsterkäufen den Kampf angesagt haben, konnte der Verband nicht einschätzen. Der Handelsverband Hessen ist dagegen skeptisch: Großeinkäufe könnten auch daran liegen, dass ein Kunde für andere mit einkauft.

Die Stadt Hanau und der Landkreis Marburg-Biedenkopf hatten angekündigt, Hamsterkäufen den Riegel vorzuschieben. Verbraucher dürften sich nicht mehr mit Bergen an Vorräten eindecken, sondern nur noch haushaltsübliche Mengen erwerben. Beide Kommunen hatten dazu Allgemeinverfügungen erlassen. Am Montag berichtete auch die Stadt Frankfurt, dass Hamsterkäufe nicht mehr zulässig seien.

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In einigen Lebensmittelgeschäften in Hessen klaffen immer wieder Lücken in den Regalen, etwa bei Hygieneprodukten, Mehl und lang haltbaren Lebensmitteln. Wer Hamsterkäufe tätige, lege ein "höchst unsolidarisches Verhalten" an den Tag. Das müsse unterbunden werden, befand Schelzke.

In Hanau hatte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) angekündigt, die neuen Spielregeln beim Shoppen notfalls mit der Stadtpolizei überwachsen lassen zu wollen. Ein Stadtsprecherin sagte am Montag, dass die Kontrollen angelaufen seien: "Die Stadtpolizei ist im Einsatz und hat ein Auge darauf." Die Sprecherin berichtete zudem, dass es am Vorgehen der Stadt gegen Hamsterkäufe viel Interesse von anderen Kommunen gebe. "Es gab deswegen schon diverse Anfragen bei uns", sagte sie.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte: "Fast alle Frankfurter verhalten sich vorbildlich, haben auch ältere Menschen im Blick, sind respektvoll gegenüber den Supermarkangestellten - doch immer wieder hören wir von Fällen, in denen einige wenige unsolidarisch sind, andere Kunden und teilweise sogar die Angestellten in den Geschäften beschimpfen, wenn diese haushaltsübliche Mengen durchsetzen wollen." Mit einer Verfügung werde gezielt die "unsägliche Praxis von Hamsterkäufen" unterbunden. Dazu zähle neben der Maßgabe, nur haushaltsübliche Mengen zu kaufen, dass sich nur eine begrenzte Zahl an Kunden in Geschäften befinden dürfe. Auch mit mehr als einem Einkaufswagen solle niemand mehr unterwegs sein.

Auch der Handelsverband Hessen konnte am Montag keine Schätzung dazu abgeben, wie viele Kommunen dem Vorbild des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Stadt Hanau gefolgt seien. Statt harter Kontrollen favorisiert Präsident Jochen Ruths jedoch eher "positive Appelle" an die Verbraucher. Und viele Geschäfte hätten an den Regalen auch schon Hinweisschilder aufgestellt, nur haushaltsübliche Mengen zu erwerben. Doch diese Regelungen gegeneinander abzugrenzen, sei schwierig. Denn Besorgungen für andere, zum Beispiel Alte, Kranke und Menschen in Quarantäne mit zu erledigen, falle dann schwer. "Wenn jetzt jemand für drei Haushalte Toilettenpapier einkauft, gibt es ja sofort Probleme", sagte Ruths. Deswegen müsse man abwarten, um beurteilen zu können, wie tauglich sich Regelungen in der Praxis erwiesen.

dpa

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