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Wirtschaft Corona-Krise: Wachstumstreiber der Schwälbchen-Gruppe im Sog
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09:29 25.07.2020
Milchpackungen stehen in der Verwaltung der Schwälbchen Molkerei auf einem Tisch. Quelle: Arne Dedert/dpa/Illustration
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Bad Schwalbach

Hessens größte Molkerei Schwälbchen kämpft mit dem stark veränderten Verhalten der Verbraucher und Großkunden wegen der Corona-Krise. Das Molkereigeschäft fährt weiter stabile Ergebnisse ein, wie Vorstandschef Günter Berz-List der Deutschen Presse-Agentur in Bad Schwalbach sagte. Sorgen bereitet dem Manager aber der Frischdienst. Bei diesem Wachstumsfeld der letzten Jahre werden Großkunden wie Hotels und die Gastronomie sowie Kantinen, Mensen und Schulen beliefert. "Durch die pandemiebedingten Ausgangsbeschränkungen war quasi über Nacht kein Bedarf mehr. Das haben wir drastisch beim Umsatz und Ergebnis gespürt."

Die Bestellungen im Geschäftsbereich Frischdienst, 10 000 Artikel im Sortiment hat, seien in der Hochphase der Corona-Krise im März und April um 50 Prozent weggebrochen, berichtete der Chef des börsennotierten mittelständischen Unternehmens. Bei den Erlösen habe der Rückgang sogar bis zu 60 Prozent betragen. "So etwas ist nicht einfach aufzufangen", sagte Berz-List mit Blick auf die Halbjahreszahlen von Schwälbchen und den Ausblick auf das Gesamtjahr. Um Kosten einzusparen, sei ein Drittel der Lkw-Flotte an den Standorten Mainz und im baden-württembergischen Ilsfeld abgemeldet worden. Zudem gebe es an den beiden Standorten Kurzarbeit.

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Das Molkereigeschäft konnte nach Angaben von Berz-List im ersten Halbjahr zwar ein Umsatzplus von etwa zwei Prozent auf rund 45 Millionen Euro verbuchen. Auch die Milchverarbeitung habe um 1,2 Prozent auf 58 Millionen Kilogramm Milch zugelegt. Im zweiten Geschäftsbereich Frischdienst seien die Erlöse jedoch um rund ein Drittel auf 34 Millionen Euro abgesackt. Insgesamt sei der Umsatz in der Gruppe in den ersten sechs Monaten um 14 Prozent auf 80 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen.

Konkrete Angaben zur Ergebnisentwicklung der Geschäftsfelder machte der Vorstand nicht. Berz-List geht jedoch nach vorläufigen Zahlen von einem negativen Konzernergebnis sowohl zum Halbjahr als auch für das Gesamtjahr aus. Im Jahr 2019 hatte die Schwälbchen-Gruppe einen Umsatz von rund 184 Millionen und einen Gewinn nach Steuern von drei Millionen Euro erwirtschaftet.

"Wir geben den Sommer aber noch nicht verloren", betonte der Manager. Viel werde bei der Geschäftsentwicklung der nächsten Monate davon abhängen, wie sich der Außerhausmarkt auch bei den Kaltgetränken von Schwälbchen entwickeln werde und ob es nach der Urlaubssaison eine zweite Corona-Infektionswelle mit neuen Beschränkungen geben wird. Die Milchbauern, die das Unternehmen beliefern, sollen derweil nicht unter der Entwicklung leiden. Auch während der Hochphase der Corona-Krise habe Schwälbchen über Marktniveau bezahlt, betonte der Vorstand.

Der Präsident des hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, geht derweil davon aus, dass die Molkereien im Land bislang überwiegend einigermaßen gut durch die Corona-Krise gekommen sind. Je nach Vermarktungsweg und Produktpalette sei die Situation jedoch unterschiedlich. Molkereien, die ihre Produkte hauptsächlich über den Lebensmitteleinzelhandel vermarkten, berichteten vielfach sogar von höheren Umsätzen, die mittlerweile wieder ein Normalniveau erreicht haben.

Auch der Export sei überwiegend gut gelaufen, erklärte der Verbandspräsident auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Friedrichsdorf. Molkereien, die im größeren Umfang Kantinen, Caterer und die Gastronomie beliefern, hätten und haben wegen der Schließung dieser Einrichtungen und den nach wie vor bestehenden Beschränkungen dagegen mitunter größere Probleme.

dpa