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Wirtschaft Arbeitsmarkt im Februar stabil: Sorgen wegen Coronavirus
Mehr Hessen Wirtschaft Arbeitsmarkt im Februar stabil: Sorgen wegen Coronavirus
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12:01 28.02.2020
Eingang eines Jobcenters der Agentur für Arbeit. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main

Im Februar waren auf dem hessischen Arbeitsmarkt noch keine Auswirkungen des neuartigen Coronavirus spürbar. Die Zahl der Arbeitslosen ging in dem Monat um 2380 auf 157 468 Männer und Frauen zurück, wie die Regionaldirektion Hessen der Arbeitsagentur am Freitag in Frankfurt berichtete. Das bedeutete wie im Februar 2019 eine Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent.

Rechnet man die üblichen Saisonschwankungen heraus, verharrt damit die durchschnittliche Arbeitslosenquote in Hessen seit 15 Monaten bei 4,4 Prozent. Die sogenannte Unterbeschäftigung, zu der neben Arbeitslosen auch Menschen in Weiterbildung und kurzfristig Arbeitsunfähige gezählt werden, blieb mit knapp 221 000 Menschen (+0,3 Prozent) ebenfalls nahezu konstant zum Vorjahresmonat.

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Im abgelaufenen Jahr sind nach vorläufigen Berechnungen fast 41 000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden. Deren Gesamtzahl liegt nun bei 2,67 Millionen. Neue Jobs gab es in insbesondere bei Dienstleistern, während bei der Leiharbeit und in der Industrie Jobs gestrichen wurden.

Es sei ungewiss, ob die konstante Seitwärtsbewegung in den nächsten Monaten Bestand haben werde, erklärte Direktionschef Frank Martin. Er warnte vor möglichen Auswirkungen des neuartigen Coronavirus, das sich inzwischen auch in Europa und Deutschland verbreitet. "Die Unterbrechung von Lieferketten, Produktionsausfälle aufgrund von Betriebsschließungen oder ein verändertes Konsumverhalten aufgrund der Vermeidung von öffentlichen Plätzen hätten jedoch das Potenzial, sich bei anhaltender Dauer auf das Wachstum und den Arbeitsmarkt niederzuschlagen." Der Strukturwandel in der Autoindustrie wirke sich bereits auf den Arbeitsmarkt aus.

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) verwies auf rund 100 000 unbesetzte Stellen und begrüßte das neue Gesetz zur Einwanderung von Fachkräften. Es müsse eine Willkommenskultur entwickelt werden, verlangte Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. "Wer einen Arbeitsvertrag, Qualifikation und Sprachkenntnisse mitbringt, hat alle Chancen in unserer Gesellschaft." Qualifizierte Mitarbeiter aus dem Ausland könnten das Fachkräfteproblem der hessischen Wirtschaft nicht lösen, aber abmildern.

Der DGB Hessen-Thüringen wies auf mangelnden Arbeitsschutz bei neuen Geschäftsmodellen der sogenannten Plattformökonomie hin. Der staatliche Arbeitsschutz müsse mehr Kompetenzen erhalten, verlangte des hessische DGB-Chef Michael Rudolph. "Es kann nicht sein, dass den Arbeitsschutzbehörden in diesen Fragen die Hände gebunden sind und Betriebe nicht kontrolliert werden können, weil es sich bei den Beschäftigten um Solo-Selbständige handelt - zumal es sich zudem oftmals um Schein-Selbständigkeit handelt. Das ist insbesondere bei den Online-Essenslieferdiensten der Fall."

dpa

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