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Wirtschaft Leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit in Hessen
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13:58 29.07.2022
Das Logo der Bundesagentur für Arbeit leuchtet.
Das Logo der Bundesagentur für Arbeit leuchtet. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main (dpa/lhe)

Die Aufnahme der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in die Arbeitsmarktstatistik und das Schulende für junge Menschen haben die Zahl der Arbeitslosen in Hessen im Juli erneut steigen lassen. 167.094 Männer und Frauen seien arbeitslos gemeldet gewesen, teilte die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Freitag mit. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,9 Prozent. Das ist ein Plus um 0,3 Punkte im Vergleich zum Vormonat, allerdings ein Rückgang um 0,2 Punkte im Vergleich zum Juli 2021. Bereits im Juni waren die Arbeitslosenzahlen wegen der ukrainischen Flüchtlinge gestiegen. Stichtag der Erhebung war der 12. Juli.

«Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosen ist in erster Linie auf den saisonalen Zugang junger Menschen unter 25 Jahren und den sogenannten Rechtskreiswechsel geflüchteter Personen aus der Ukraine zurückzuführen», heißt es bei der Arbeitsagentur. Wie für den Monat üblich sei die Zahl junger Menschen unter 25 Jahren zum Schulende mit einem Plus von 16,5 Prozent deutlich gestiegen. Von den derzeit 75.000 Arbeitslosen ohne deutschen Pass seien 13.100 aus der Ukraine. Hierbei handele es sich überwiegend um Frauen.

Die Nachfrage nach Auszubildenden sei im Juli nochmals gestiegen. Bisher seien rund 33.500 Ausbildungsplätze gemeldet worden - 5,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Davon seien Mitte Juli noch rund 14.690 Plätze unbesetzt gewesen. Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz hätten sich rund 31.000 junge Menschen bei den hessischen Agenturen gemeldet.

«Angesichts der vielen unbesetzten Ausbildungsstellen wird der Nachvermittlungsaktion in den nächsten Monaten ein großer Stellenwert zukommen», erklärte die Arbeitsagentur. Aus Erfahrung wisse man, dass von Oktober bis Dezember noch vieles möglich sei. «Die Chancen einen Ausbildungsplatz zu finden, waren noch nie so gut.»

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte davor, die Fördertöpfe für die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen zu kürzen. Das Gegenteil wäre wichtig, sagte Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. «Um den immensen Arbeitskräftebedarf zu decken, braucht es mehr, nicht weniger Förderung für Langzeitarbeitslose.»

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) beklagte die Abwanderung von gut qualifizierten Inländern. «Vor allem darf die im internationalen Vergleich sehr hohe Abgabenlast in Deutschland - ein Durchschnittsverdiener muss rund die Hälfte seines Einkommens an den Staat abgeben - nicht noch weiter steigen», forderte VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. Dazu müsse der Gesamtsozialversicherungsbeitrag bei unter 40 Prozent gehalten werden.