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Wirtschaft Corona trifft Arbeitsmarkt: Mehr Arbeitslose und Kurzarbeit
Mehr Hessen Wirtschaft Corona trifft Arbeitsmarkt: Mehr Arbeitslose und Kurzarbeit
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12:42 30.04.2020
Personen gehen vor dem Schild der Arbeitsagentur vorbei. Quelle: Patrick Seeger/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main

Die Corona-Pandemie hat den hessischen Arbeitsmarkt im April mit voller Wucht getroffen. Neben rund 700 000 geschätzten Kurzarbeitern waren zum Stichtag im April 176 628 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Donnerstag in Frankfurt berichtete. Das waren 19 Prozent mehr als vor einem Jahr und 15 Prozent oder 23 000 Personen mehr als im März. Die Arbeitslosenquote stieg innerhalb eines Monats um 0,7 Punkte auf 5,2 Prozent.

Dennoch hätten die Anti-Krisen-Instrumente Kurzarbeit und Liquiditätshilfen bislang gut funktioniert, erklärte Direktionschef Frank Martin. Massenarbeitslosigkeit wie in den USA sei erfolgreich vermieden worden. Mehr als 52 000 hessische Betriebe haben demnach bislang ihre Beschäftigten zur Kurzarbeit angemeldet, aber noch nicht die genaue Dauer und Aufteilung festgelegt. Das entspricht rund einem Drittel aller Betriebe in Hessen, wie die Agentur mitteilte. Betroffen seien rund 700 000 Beschäftigte.

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Vor einigen Tagen hatte die Direktion noch höhere Anmeldezahlen genannt, die mittlerweile aber um Doppelanmeldungen bereinigt wurden. Rund 95 Prozent der Antragsteller hätten schon einen positiven Bescheid erhalten und für den Monat März sei bereits an 15 000 Betriebe Kurzarbeitergeld ausgezahlt worden.

Der positive Arbeitsmarkttrend der letzten Jahre sei abrupt beendet, erklärte Direktionschef Martin. "Zahlreiche Menschen haben sich arbeitslos melden müssen, weil sie entlassen oder befristete Arbeitsverträge nicht verlängert wurden. Außerdem haben sich deutlich mehr Menschen arbeitslos gemeldet, die gezwungen waren, ihre Selbstständigkeit aufzugeben." Gleichzeitig sei die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen in der Krise drastisch gesunken. Die Zahl der neuen offenen Stellen habe sich halbiert.

Besonders betroffen seien junge Arbeitnehmer bis zu 25 Jahren, weil zusätzlich im Frühjahr viele Ausbildungen abgeschlossen werden. Martin warnte vor zu hohen Erwartungen auf eine schnelle Erholung. Die Arbeitslosenzahl werde auch im Mai steigen und langfristig könnten die Betriebe nicht mit beliebig viel Geld über Wasser gehalten werden. "Es wird nach der Krise für viele Menschen schlechter sein als vorher", sagte der Direktionschef. Einen Anstieg der Insolvenzen beobachte man derzeit aber noch nicht.

Der hessische DGB-Chef Michael Rudolph lobte die ergriffenen Maßnahmen. Der erleichterte Zugang zum arbeitsmarktpolitischen Instrument der Kurzarbeit habe Massenentlassungen im großen Stil verhindert. "Die Arbeitslosenversicherung ist in der Lage, die negativen Folgen der Pandemie für die Beschäftigten sozial abzufedern. Es war eine ebenso wichtige Entscheidung der Bundesregierung, das Kurzarbeitergeld nun auf bis zu 87 Prozent aufzustocken, wenn es nicht ohnehin schon eine tarifliche Regelung in der jeweiligen Branche gibt."

Mit der krisenbedingten Öffnung der Grundsicherung sei dort die Zahl der zuvor Selbstständigen innerhalb eines Monats von 71 auf rund 1700 gestiegen, berichtete Martin. Auch bei den so genannten Aufstockern gebe es einen deutlichen Zuwachs von 620 auf 2260 Menschen, die ihr Gehalt mit der Sozialleistung aufbessern müssten. Derzeit entfällt bei den Anträgen auf Hartz IV die Prüfung von Vermögen und langfristigen Einkommen.

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) sprach sich dafür aus, die jüngsten Änderungen in der Arbeitszeitverordnung dauerhaft beizubehalten, um flexiblere Arbeitszeiten zu ermöglichen. Unter anderem wurden die tägliche und wöchentliche Höchstarbeitszeit hochgesetzt. Auf der anderen Seite lehnen die Arbeitgeber ein staatlich garantiertes "Recht auf Homeoffice" ab, wie VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert erklärte. Dies müsse weiterhin flexibel zwischen Arbeitgeber, Betriebsrat und Beschäftigten ausgehandelt werden.

dpa

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