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Hessen RMV schickt mehr Busse und Bahnen los
Mehr Hessen RMV schickt mehr Busse und Bahnen los
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17:58 24.10.2018
Fahrgäste verlassen eine gerade eingefahrene S-Bahn im unteren Teil des Hauptbahnhofs in Frankfurt. Quelle: Christoph Schmidt
Wiesbaden

Geplant sind gleich mehrere zusätzliche Verbindungen.

Vor allem im Berufsverkehr sei das Angebot derzeit am Limit, sagte RMV-Chef Knut Ringat gestern in Wiesbaden bei der Vorstellung der Neuerungen, die am 9. Dezember in Kraft treten sollen.

Nach und nach werden 14 zusätzliche und modernisierte S-Bahn-Züge eingesetzt. Unter anderem soll dies zu einem dichteren Takt auf besonders belasteten Abschnitten beitragen, etwa von S1, S2, S5 und S6. Dies gilt zunächst vor allem für eine zusätzliche Stunde am Abend bis 20 Uhr.

Das Angebot auf den Linien soll in den kommenden Jahren noch weiter ausgebaut werden, sagte Ringat. Hinzu kommen neue und teils schnellere Regionalzug-Verbindungen etwa aus dem Rheingau nach Frankfurt oder von Mainz über Höchst nach Frankfurt. Mehr Fahrten wird es unter anderem auf der Strecke Wiesbaden-Darmstadt sowie Wiesbaden-Aschaffenburg geben.

Vier neue Linien

Schon seit Jahren fordert der RMV-Geschäftsführer den Bau eines Schienenrings rund um Frankfurt. Mangels Umsetzung bietet der Verkehrsverbund Schnellbusse an, deren bisher 15 Linien nun schon fast ringförmig rund um Frankfurt führen und pro Werktag rund 15 000 Fahrgäste transportieren.

Ab 9. Dezember kommen außerdem vier Linien hinzu, von Treysa nach Alsfeld, von Gladenbach nach Biedenkopf, von Grävenwiesbach nach Weilburg und von Waluff nach Bad Schwalbach. Weitere der „X“-Linien sollen ausgebaut werden, am Wochenende sollen zudem mehr Nachtbusse fahren. Die X40 von Gladenbach nach Biedenkopf wird dabei nur 30 statt knapp 40 Minuten für die Fahrt brauchen.

Die Fahrscheine werden ab Januar auch teurer und zwar um durchschnittlich maximal 1,5 Prozent. Diese jährliche Deckelung hat der RMV vergangenes Jahr bis zum Jahr 2020 beschlossen. Es handele sich um eine im Bundesvergleich verhältnismäßig geringe Steigerung, sagte Ringat. Billiger wird es für Fahrgäste, die rund um Frankfurt kurz hinter der Tarifgrenze ein- oder aussteigen.

Sie können künftig eine neue Zwischenpreisstufe nutzen. Näheres dazu will der RMV zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen. Zu Forderungen, angesichts der drohenden Diesel-Fahrverbote ein 365-Euro-Jahresticket für alle einzuführen, sagte Ringat: „Da bräuchte ich 200 Millionen Euro Zuschuss.“

Pünktlichkeit verbessern

Bei der Pünktlichkeit will der RMV zulegen. Die S-Bahnen sind laut RMV derzeit im Schnitt zu 92 Prozent pünktlich, das Ziel von 94 Prozent ist damit weiter nicht erreicht. Grund seien Störungen im Netz der Deutschen Bahn sowie Bauarbeiten wie auf der Strecke der S6 in Richtung Bad Vilbel, sagte Ringat.

Das neue elektronische Stellwerk im S-Bahn-Tunnel unter Frankfurt bringe den bisherigen Erfahrungen zufolge dagegen Vorteile: Während die Tunnel-Durchquerung früher regelmäßig für Verspätungen gesorgt habe, höre er nun von Lokführern, dass sie dort eine vorhandene Verspätung sogar verringern könnten, sagte der RMV-Chef. Mehr Pünktlichkeit erhofft sich der RMV auch von den zusätzlichen S-Bahnen.

Batterien im Vormarsch

Mehrere hessische Kommunen wollen auf Batterie-betriebene Busse umsteigen, um die Luft in ihren Innenstädten zu verbessern. Der RMV habe hier bisher keine Investitionen geplant, sagte Ringat. Die Strecken, die RMV-Busse über Land zurücklegen müssten – bis zu 2000 Kilometer pro Tag –, seien dazu zu lang. Zudem seien E-Busse noch zu teuer, als dass ihre Anschaffung für den RMV wirtschaftlich sein könne.

Die Fahrgastzahlen werden weiter steigen, schätzt der RMV. Werde derzeit im Ballungsraum nahezu jeder vierter Weg mit Fahrzeugen des Verkehrsverbunds zurückgelegt, soll es in rund zehn Jahren schon fast jeder dritte sein. Auch vor dem Hintergrund der Urteile zu Dieselfahrverboten seien deshalb dringend mehr Zuschüsse und Investitionen nötig, etwa in Schienen und bessere Technik, sagte RMV-Chef Ringat.

Das sieht auch der Fahrgastverband Pro Bahn so: Gäbe es weniger Störungen aufgrund von Oberleitungs- und Weichenschäden, wären die Bahnen auch pünktlicher, sagte Reinhard Ahrens von Pro Bahn Hessen.

von Isabell Scheuplein, dpa