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Politik Corona-Zahlen steigen - Land will mehr Tempo bei Impfungen
Mehr Hessen Politik Corona-Zahlen steigen - Land will mehr Tempo bei Impfungen
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18:12 21.11.2021
Ein Mund-Nasen-Schutz liegt in einer Fußgängerzone auf dem Boden.
Ein Mund-Nasen-Schutz liegt in einer Fußgängerzone auf dem Boden. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Symbolbild
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Wiesbaden/Frankfurt

Angesichts weiter steigender Corona-Zahlen verspricht Hessen deutlich mehr Tempo beim Impfen gegen das Virus. "Wir werden bis spätestens 5. Dezember mindestens 400.000 Impfungen pro Woche möglich machen", kündigte Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Sonntag an. Eine "Impfallianz" soll sicherstellen, dass die steigende Nachfrage nach Auffrischungsimpfungen auch befriedigt werden kann. Allein die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Land werden demnach pro Woche 250.000 Impfungen übernehmen.

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus im Land ist derweil weiter gestiegen. Nach Angaben des Sozialministeriums vom Sonntag wurden binnen 24 Stunden 2255 Neuinfektionen gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche - erhöhte sich von 218,6 am Vortag auf 228,4. Vier weitere Todesfälle wurden im Zusammenhang mit Covid-19 registriert. Damit starben seit Beginn der Pandemie 8042 Menschen in Hessen an oder mit dem Virus.

In fünf Kommunen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz nach jüngsten offiziellen Daten über 300: Im Kreis Bergstraße (341,7), im Odenwaldkreis (340,0), in Frankfurt (320,8), in Offenbach (307,1) sowie im Landkreis Offenbach (301,8).

Ab Mitte der neuen Woche gelten in Hessen strengere Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie: Dann soll etwa ein negativer Corona-Test allein nicht mehr für einen Besuch von Innenräumen in Restaurants, Sportstätten oder Kultureinrichtungen ausreichen. Die Maskenpflicht wird ausgeweitet.

Nach Ansicht von Medizinern ist dies überfällig. "Die Situation ist äußerst kritisch", sagte der Direktor des Frankfurter Universitätsklinikums, Jürgen Graf, über die Lage auf Hessens Intensivstationen. "Was wir aktuell machen, ist Krisenmanagement", sagte Graf, der auch Leiter des Planungsstabs für die stationäre Versorgung der Covid-Patienten in Hessen ist.

Ursache der erneuten Zuspitzung sind nach Grafs Einschätzung eine zu hohe Zahl von Ungeimpften, ein nachlassender Impfschutz bei Geimpften sowie die höhere Ansteckungsrate der Delta-Variante. Auf den Intensivstationen des Landes waren nach Angaben des Sozialministeriums 223 Betten mit Covid-19-Patienten belegt. Bei 9 von ihnen lag zunächst der Verdacht auf die Erkrankung vor (Stand Samstag, 11.00 Uhr). 65,5 Prozent der Covid-19-Intensivpatienten seien nicht oder nicht vollständig gegen das Virus geimpft.

Die Hospitalisierungsinzidenz - die Zahl der Neuaufnahmen von Covid-19-Erkrankten in Krankenhäusern bezogen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - betrug am Sonntag 4,4 nach 4,62 am Vortag. Die Intensivbetten-Belegung und die Hospitalisierungsinzidenz sind wichtige Indikatoren zur Beurteilung der aktuellen Corona-Lage. Überschreiten sie bestimmte Grenzwerte, gelten weitergehende Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt mittlerweile allen Erwachsenen eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus - in der Regel sechs Monate nach der letzten Impfung. Dass das Bundesgesundheitsministerium Bestellungen des Corona-Impfstoffs von Biontech zugunsten des Präparats von Moderna beschränken will, stieß in Hessen auf Kritik. Die deutlich überwiegende Anzahl der Impfwilligen wünsche sich den Impfstoff von Biontech, argumentierten die Ersten Beigeordneten der Landkreise Bergstraße, Fulda, Vogelsberg und Marburg-Biedenkopf am Samstag.

Sie forderten den geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf, die Beschränkung zurückzunehmen. Spahns Ministerium hatte Begrenzungen bei Bestellmengen für den Impfstoff von Biontech/Pfizer angekündigt, damit das Präparat von Moderna bei Auffrischungsimpfungen vermehrt zum Einsatz komme. Andernfalls drohten gelagerte Moderna-Dosen zu verfallen, was vermieden werden müsse.

© dpa-infocom, dpa:211121-99-84813/3

dpa