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Politik Volle Busse im Schülerverkehr: Eltern wegen Corona in Sorge
Mehr Hessen Politik Volle Busse im Schülerverkehr: Eltern wegen Corona in Sorge
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06:24 28.08.2020
Eine Bushaltestelle steht in der Nähe einer Schule.
Eine Bushaltestelle steht in der Nähe einer Schule. Quelle: Stefan Sauer/dpa/Archiv/Illustration
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Frankfurt

Angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus in Hessen hat sich der Landeselternbeirat besorgt wegen überfüllter Busse und Bahnen auf den Schulwegen in vielen Regionen gezeigt. "Das ist eine Katastrophe", sagte der Vorstandsvorsitzende des Landeselternbeirats Hessen, Korhan Ekinci, der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. Es könne nicht sein, dass für die Schulen sorgsam Hygienepläne mit Maskenpflicht teils auch im Unterricht und anderen Maßnahmen ausgearbeitet würden und die Schüler auf dem Weg zur und von der Schule eng gedrängt in Bussen und auch manchen Zügen stehen oder sitzen müssten, so Ekinci.

Viele Kommunen verweisen nach seinen Worten darauf, dass ihnen das Geld für den Einsatz von mehr Bussen fehle. Dieses Argument will Ekinci nicht gelten lassen. "Als die Banken in Schieflage waren, wurden sie gerettet", sagte er. Hier aber gehe es um die Gesundheit der Kinder. Covid-19-Infektionen an mittlerweile zahlreichen Schulen bis hin zur Schließung ganzer Schulen machten deutlich, dass die "Einschläge" immer näher kämen, so Ekinci. "Wir brauchen eine Regie." Es müsse ein Plan ausgearbeitet werden, der den kompletten Schultag einbeziehe - vom Start an der Haustür morgens bis zur Rückkehr am Nachmittag.

Beim Hessischen Städte- und Gemeindebund weiß man um das Problem der überfüllten Schulbusse. Das sei auch in coronafreien Zeiten ein Thema, sagt Martin Grobba, Referent für Wegerecht beim HSGB. Weil es aber nur um zwei kurze Zeiträume pro Tag gehe, ließen sich schwerlich ausreichend Fahrzeuge und vor allem Fahrer passgenau für diese Stoßzeiten vorhalten. Aufgabenträger für die Schülerbeförderung ist der Landkreistag. Die Leistungen werden teils von den Kommunen über die Kreisumlage sowie die Umlage für den Öffentlichen Personennahverkehr gezahlt.

Auch eine Sprecherin des Rhein-Main-Verkehrsverbundes erklärte, gerade in den Hauptverkehrszeiten sei die Flotte ausgelastet, vielerorts seien alle verfügbaren Fahrzeuge im Einsatz. Man tue alles, um auch zu Corona-Zeiten einen sicheren öffentlichen Nahverkehr zu gewährleisten. Dazu gehöre neben dem häufigeren Reinigen der Fahrzeuge und dem Einbau von Trennscheiben zu den Fahrern auch Unterstützung bei der flächendeckenden Einhaltung der Maskenpflicht.

In den vergangenen Monaten seien dafür Hunderttausende Masken an Fahrgäste verteilt worden. Außerdem schicke man eigene Teams in die Bahnen, um Fahrgäste auf die Maskenpflicht hinzuweisen und gegebenenfalls Masken zu verteilen. Künftig solle es auch häufigere Schwerpunktkontrollen mit den Ordnungsbehörden geben, welche bei Verstoß gegen die Maskenpflicht ein Bußgeld verhängen können.

Die Stadt Hanau hatte am Vortag angekündigt, ab sofort mit mehr Bussen den morgendlichen Schülerverkehr auf den am stärksten genutzten Linien zu verstärken. Den kurzfristigen zusätzlichen Busfahrereinsatz ermöglichten Mitarbeiter aus der Verwaltung des Verkehrsanbieters Hanauer Straßenbahn, die einen entsprechenden Führerschein hätten. Damit entzerre man die Enge in manchem Bus und sorge für eine bessere Einhaltung von Abstand mit Mund-Nasen-Schutz. Hanau hatte in den vergangenen Tagen die Schwelle von 50 Neuinfizierten je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen ähnlich wie Offenbach deutlich überschritten.

Auch die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte zum Schulstart den Einsatz zusätzlicher Busse im Schülerverkehr in Hessen gefordert. Gerade an großen Schulen im ländlichen Raum kämen die Fahrzeuge alle zeitgleich an, hatte die GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald der Deutschen Presse-Agentur gesagt. "Wenn dann die Schüler auf einmal ins Gebäude strömen, ist Abstand halten schwer." Zudem seien die Busse häufig überfüllt. Die Schulen fühlten sich damit überfordert und alleingelassen. Hier seien Schulträger und Land gefordert, Lösungen zu finden.

dpa