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Politik Vertiefung der Rhein-Fahrrinne wird teurer und dauert länger
Mehr Hessen Politik Vertiefung der Rhein-Fahrrinne wird teurer und dauert länger
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05:29 12.03.2021
Ein Frachtschiff passiert eine Sandbank am Mittelrhein.
Ein Frachtschiff passiert eine Sandbank am Mittelrhein. Quelle: Thomas Frey/dpa
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Bingen/Lorch

Die geplante Beseitigung mehrerer Untiefen im Mittelrhein für die Schifffahrt wird teurer und langwieriger als geplant. Am kommenden Montag beginnt eine Bürgerbeteiligung. Im aktuellen Bundesverkehrswegeplan sind noch 60 Millionen Euro für das Projekt veranschlagt. Bei den bisherigen Voruntersuchungen zur technischen Machbarkeit und Verträglichkeit mit der Natur zeichne sich eine Verteuerung ab, sagte Projektgebietsleiterin Sabine Kramer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Rhein in Duisburg der Deutschen Presse-Agentur. In welchem Ausmaß sei noch unklar. Kramer ergänzte aber: "Auch die Mehrkosten gehen in die Millionen."

Bis zum Jahr 2030 sollte die Fahrrinne zwischen Wiesbaden und St. Goar von derzeit garantierten 1,90 Metern auf durchgängig 2,10 Meter vertieft werden. Jetzt sagte Kramer: "Das wird voraussichtlich etwas später." Das Projekt sei sehr komplex. Sechs "Tiefenengstellen" unter anderem nahe dem Loreley-Felsen sollten beseitigt werden - dann könnten Schiffe auch bei Niedrigwasser mehr Fracht transportieren. Experten sollen im Rhein laut Kramer nicht nur Felsgrund abfräsen und kiessandigen Flussboden wegbaggern, sondern mancherorts auch mit neuen Längs- und Querbauwerken den Wasserspiegel anheben.

Im Bundesverkehrswegeplan heißt es unter anderem: "Wasserqualität, Gewässerdynamik und die Durchgängigkeit des Wasserkörpers werden vorhabenbedingt nicht beeinträchtigt." Hochwertige Flachwasserbereiche für Fische würden sogar erweitert. Allerdings wird auch festgestellt: "Eine erhebliche Beeinträchtigung der Vogelschutzgebiete kann nicht ausgeschlossen werden (Wasservögel)."

Nun wollen die Behörden die Anwohner ins Boot holen. Das WSA Rhein teilt mit: "Vor Ort können Belange, Fragen und Einwände geäußert und diskutiert werden." Vom 15. bis 25. März gebe es mit Masken und Mindestabständen insgesamt 14 Gespräche in Lorch, Bacharach und Bingen sowie 15 digitale Dialoge. In allen - auch virtuellen - Fällen könnten maximal zehn angemeldete Bürger mit Experten des WSA Rhein und der Bundesanstalt für Wasserbau sprechen. Zunächst gehe es um den "Teilabschnitt 2" des Projekts zwischen Bingen und Kaub.

Besonders das Niedrigwasser im extrem trockenen Jahr 2018 verursachte nach früheren Angaben des rheinland-pfälzischen Verkehrsministers Volker Wissing (FDP) im bundesweiten Wasserstraßennetz Schäden von mehreren Milliarden Euro - sehr viele Schiffe konnten lange nur zum Teil beladen werden. Wissings hessischer Amtskollege Tarek Al-Wazir (Grüne) erklärte einst mit Blick auf den Rhein: "Wenige Untiefen sorgen dafür, dass die Schiffe bei Niedrigwasser auf der gesamten Strecke von der Nordsee bis zum Main weniger laden als sie könnten."

© dpa-infocom, dpa:210312-99-789073/2

dpa