Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Verdi kündigt weitere Warnstreiks im ÖPNV an
Mehr Hessen Politik Verdi kündigt weitere Warnstreiks im ÖPNV an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:21 18.11.2020
Ein Streikender trägt eine Warnweste mit dem Verdi-Logo. Quelle: Christophe Gateau/dpa/Archivbild
Anzeige
Frankfurt/Main

Neue Warnstreiks im Öffentlichen Nahverkehr: Mit ihrem Streikaufruf in mehreren hessischen Städtenwill die Gewerkschaft Verdi Druck in den laufenden Tarifverhandlungen machen. Am kommenden Samstag wollten die Fahrer von Bussen und Bahnen mit Beginn der Frühschicht die Arbeit niederlegen, teilte die Gewerkschaft mit. In Kassel seien Bahnen und Busse betroffen, in Marburg Busse, in Wiesbaden Busse und in Frankfurt U-Bahnen und Straßenbahnen.

S-Bahnen und Busse würden in Frankfurt dagegen fahren, betonte ein Sprecher der städtischen Verkehrsgesellschaft. Ein vollwertiger Ersatz für die wegen des Streiks nicht verkehrenden Linien könnten sie aber nicht sein. Den Fahrgästen werde empfohlen, möglichst kurz vor Fahrtantritt noch einmal aktuelle Informationen zu ihren Verbindungen einzuholen.

Anzeige

In Kassel werden nach Angaben einer Sprecherin der Verkehrsgesellschaft KVG die RegioTrams auf ihren drei Linien am Donnerstag und Freitag von 6 Uhr bis 20 Uhr nur bis zum Hauptbahnhof Kassel fahren, die Runden durch die Kasseler Innenstadt entfallen. Am Samstag verkehren die RegioTrams der drei Linien nur in der nordhessischen Region. Sie fahren nicht in der Kasseler Innenstadt. Fahrgäste könnten auf die Busse des NVV ausweichen, die auch in Kassel unterwegs sein werden.

Bereits an diesem Donnerstag und Freitag sei das Personal in der Technik, den Werkstätten und Verwaltungen zum Warnstreik aufgerufen. Dies könne zu Verzögerungen führen, da Störungen an Weichen oder Bahnen nicht repariert würden, sagte ein Verdi-Sprecher am Mittwoch. Der Warnstreik des Fahrpersonals finde am Samstag statt, um den Schulbetrieb insbesondere angesichts der Corona-Pandemie nicht zu stören. Weitere Warnstreiks auch an den Samstagen im Advent behalte sich die Gewerkschaft vor.

Verdi bezeichnete die Tarifverhandlungen mit dem kommunalen Arbeitgeberverband Hessen (KAV) über einen Spartentarifvertrag Nahverkehr als festgefahren. Beschäftigte im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Hessen erhielten im Schnitt rund 180 Euro pro Monat weniger Vergütung als ihre Kolleginnen und Kollegen in den umliegenden Bundesländern. Die Verhandlungen für die rund 4500 Beschäftigten sollen am 24. November fortgesetzt werden. Verdi verlangt neben mehr Geld eine Covid-Prämie.

Thomas Wisgott, Verhandlungsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbands und Geschäftsführer der Frankfurter VGF, bezeichnete die angekündigten Warnstreiks in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme als unverantwortlich. Angesichts der drastisch steigenden Zahlen der Coronainfektionen nehme die Gewerkschaft eine "erhebliche Steigerung des Infektionsrisikos in Kauf", sagte er mit Blick auf die "völlig überfüllten" Busse und Bahnen, die trotz des Streiks unterwegs sein würden.

dpa