Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Verband: Auch in Pandemie Kinder mit Förderbedarf erkennen
Mehr Hessen Politik Verband: Auch in Pandemie Kinder mit Förderbedarf erkennen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:28 16.04.2021
Ein Schild mit der Aufschrift «Vorsicht Schule» steht vor einer Grundschule.
Ein Schild mit der Aufschrift «Vorsicht Schule» steht vor einer Grundschule. Quelle: Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
Anzeige
Wiesbaden

Der Verband der Lehrer Hessen (VDL) warnt davor, dass Förderbedarf bei Kindern wegen der fehlenden Schuleingangsuntersuchungen beim Übergang von der Kita in die Grundschule in der Corona-Pandemie nicht ausreichend erkannt wird. Größtenteils würden die Kinder bei dieser Untersuchung "einfach so durchlaufen", sagte der Landesvorsitzende Jörg Leinberger der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. Die Eingangsuntersuchungen stellten aber auch immer wieder Mängel fest, auf die dann reagiert werden könne.

"Das fällt natürlich jetzt weg", erklärte Leinberger zu der Ankündigung des hessischen Kultusministeriums, dass wegen der Corona-Pandemie auch vor Beginn des nächsten Schuljahres die Schuleingangsuntersuchungen teilweise ausfallen werden. Als Grund nannte das Ministerium, dass sich die Gesundheitsämter auf die Eindämmung der Pandemie konzentrieren müssen. Eigentlich sind diese Untersuchungen verpflichtend.

Der Landeschef des Verbands, der die Interessen von Lehrern an Grund-, Haupt-, Real-, Förder- und Gesamtschulen in Hessen vertritt, zeigte Verständnis für die Maßnahmen. Wenn es wegen der Corona-Maßnahmen nicht genügend Personal in den Gesundheitsämtern gibt, gebe es keine Alternative dazu. "Gut heißen wir das aber nicht." Es gebe zwar seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit zwischen den Grundschulen und den Kindergärten. Eine fachliche Auskunft könne aber auf dieser Ebene nur schwer eingeholt werden.

"Die Eltern, die es sich leisten können, haben natürlich sowieso vorher das Augenmerk darauf und schon Fachexpertisen eingeholt", erklärte Leinberger. Das Problem sei aber, dass es eine Differenzierung zwischen den sozialen Schichten gebe. Trotz der fehlenden Eingangsuntersuchungen müssten deshalb auch weiter die Schüler mit Förderbedarf erkannt werden, damit diese nicht durch das Raster fallen.

Geprüft wird bei der Schuleingangsuntersuchung nicht nur, ob das Kind richtig hört, gut sieht und körperlich gesund ist. Es geht vor allem darum, ob es altersgemäß entwickelt ist. Begutachtet werden die Sprachentwicklung, die motorische und die sozial-emotionale Reife des künftigen Schulkinds. Werden Defizite festgestellt, sucht man nach Wegen, gegenzusteuern. Zum Beispiel könnte das Kind die Eingangsstufe seiner Schule besuchen oder eine sonderpädagogische Förderung bekommen.

© dpa-infocom, dpa:210416-99-224685/2

dpa