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Politik Universitäten fokussieren sich vorerst auf Online-Lehre
Mehr Hessen Politik Universitäten fokussieren sich vorerst auf Online-Lehre
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10:22 09.05.2020
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Frankfurt/Main

Hessens Unis könnten nach den jüngsten Entscheidungen über Corona-Lockerungen wieder Vorlesungen und Seminare vor Ort anbieten - sie setzen vorerst aber noch auf digitale Lehrangebote oder prüfen das weitere Vorgehen. "Es gibt hier viel zu beachten, etwa - als ein Beispiel von vielen - wie die weiterhin geltenden, strikten Hygiene- und Abstandsregeln gegebenenfalls umzusetzen wären", teilte die Technische Universität Darmstadt (TU) für eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Das Mitte April gestartete Sommersemester findet wegen der Coronavirus-Pandemie bislang größtenteils online statt.

Die Frankfurter Universität gestaltet das Semester nach Angaben eines Sprechers "auch weiterhin verantwortungsbewusst in digitaler Form". Man teile die Einschätzung der Hochschulrektorenkonferenz, die vor einer "übereilten" Wiederaufnahme des Präsenzbetriebes gewarnt hatte. "Auch aus didaktischen und logistischen Gründen scheint uns eine rasche Umstellung nicht sinnvoll", so die Uni. Das digitale Semester sei mit enormem Aufwand geplant worden.

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Lehrende und Studierende hätten diese Herausforderung "mit großem Engagement" angenommen. "Im Sinne von Planungssicherheit wird die Semesterplanung daher auch nicht wieder kurzfristig vollständig umgestellt." Willkommen sei die Möglichkeit, wo erforderlich, Kurse auch in begleitenden Präsenzveranstaltungen zu Ende zu führen.

Das Land hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass die Hochschulen ab dem (heutigen) 9. Mai über ihre Öffnung entscheiden können. "Präsenzveranstaltungen sind ab diesem Zeitpunkt grundsätzlich wieder möglich, gleichzeitig sollten Online-Angebote weiterhin genutzt werden", so die Vorgaben.

Die TU in Darmstadt will nach jetzigem Stand daran festhalten, zunächst den Fokus auf der digitalen Lehre zu belassen. Voraussichtlich ab dem 1. Juni sollen Lehrveranstaltungen, für die keine digitalen Formate möglich seien, vor Ort stattfinden. Man werde sich in den kommenden Tagen mit möglichen Änderungen befassen.

An der Uni Marburg laufen derzeit die Nachholklausuren des Wintersemesters. Diese finden nach Angaben einer Sprecherin "im Präsenzbetrieb mit umfassenden Schutzmaßnahmen für Lehrende und Studierende statt". Veranstaltungen mit Anwesenheit sollen erst beginnen, wenn die Nachholtermine abgeschlossen sind. "Derzeit dürfen in Präsenz nur Veranstaltungen stattfinden, die besondere Lehrräume benötigen: zum Beispiel sportpraktische Übungen, Laborveranstaltungen und Freilandpraktika."

Die Uni Gießen will Anfang der Woche ihre Mitarbeiter und Angehörigen darüber informieren, "wie im Rahmen der neuen behördlichen Anordnung Forschung und Lehre im weiteren Verlauf des Sommersemesters 2020 zu gestalten sind".

Die Uni Kassel begrüßt die Perspektive, "in absehbarer Zeit weitere Präsenzveranstaltungen zulassen zu können", teilte ein Sprecher mit. Wann und in welcher Form dies möglich sei, soll nun beraten und vorbereitet werden. Die Hochschule sei trotz der schwierigen Bedingungen gut ins digitale Semester gestartet. "Die Studierenden und die Lehrenden haben sich auf diese Lehrformate soweit möglich eingestellt." Eine Umstellung einzelner Kurse zur Präsenzlehre sollte daher planvoll und mit Vorlauf erfolgen. "Eine vollständige Rückkehr zum Präsenzbetrieb ist vorerst ohnehin nicht möglich, weil dafür die erforderlichen räumlichen Möglichkeiten nicht zur Verfügung stehen, solange die Hygieneregelungen gelten."

Die Beschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie trafen die Hochschulen während der Ferien. Das Semester startete dann im April mit einer bunten Vielfalt digitaler Lehrformate. Darunter sind Live-Videokonferenzen, Lernvideos von Studenten oder Podcasts von Vorträgen.

Für eine Physikvorlesung der Uni Frankfurt beispielsweise werden Videos auf eine Lernplattform hochgeladen. Zudem gibt es Live-Online-Fragestunden sowie Übungen mit einem Online-Quiz. Kurz: "Kreative Formate sind erlaubt." An der TU in Darmstadt kann ein - bereits vor einiger Zeit entwickeltes - virtuelles Bauphysik-Labor genutzt werden, bei dem eine VR-Brille zum Einsatz kommt. Und ein Kasseler Musik-Dozent erstellte ein virtuelles Chorleiter-Seminar.

Auch wenn die Online-Lehre die Hochschulen vor Herausforderungen stellt - es zeigen sich auch die Vorteile. So berichtete Evelyn Korn, Vizepräsidentin der Uni Marburg: "Ich werde gerade sogar oft von Lehrenden gefragt: "Wann muss ich denn wieder in die Präsenzlehre? Ich würde gerne weiter mit den digitalen Werkzeugen arbeiten." Das bleibt selbstverständlich für das gesamte Semester möglich."

dpa

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