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Politik Umweltschützer wollen Castor-Transport juristisch stoppen
Mehr Hessen Politik Umweltschützer wollen Castor-Transport juristisch stoppen
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15:51 02.10.2020
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Biblis

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will den in den kommenden Wochen geplanten Castor-Transport in das frühere Kernkraftwerk Biblis in Südhessen juristisch stoppen. Es gibt ein Verfahren um vorläufigen Rechtsschutz gegen den Transport, sagte ein Sprecher des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes in Kassel am Freitag. Über dieses müsse vor einem Start der sechs Castoren aus der Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield entschieden werden. Dies solle im Laufe des Oktobers geschehen. Atomkraftgegner gehen davon aus, dass der geplante Castortransport von der Anlage in Sellafield nach Biblis etwa Anfang November im Hafen von Nordenham in Niedersachsen ankommt.

Der Bund in Hessen richtet seinen Einspruch gegen den vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung freigegeben Sofortvollzug der Transportpläne. Es gebe im Zwischenlager in Biblis keine Möglichkeit Castor-Behälter zu reparieren. Dies sei notfalls bei Defekten vor einem späteren Weitertransport in ein Endlager aber zwingend nötig. Obwohl Vorgaben der Entsorgungskommission eine Planung und den Bau einer sogenannten Heißen Zelle fordern, sei der Betreiber des Zwischenlagers, die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung, darüber hinweggegangen. Ein Castordeckel kann nur in einem hermetisch abgeschlossenen Raum mit Luftfilterung und ohne Personal geöffnet werden, einer "Heißen Zelle".

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"Das ist wie eine Sackgasse ohne Wendehammer für den Atommüll", sagte der stellvertretende Landesvorsitzende des BUND Hessen, Guido Carl. Die nach dem Atomgesetz nachzuweisende Vorsorge fehle. Es sei zudem eine grundlegend neue Bewertung des Störfallrisikos erforderlich, insbesondere für den Fall von Flugzeugabstürzen. Dies gelte umso mehr, weil die Behälter wohl Jahrzehnte länger im Zwischenlager in Biblis lagern werden, als dieses überhaupt genehmigt ist, also über 2046 hinaus. Für solch lange Lagerzeiträume seien die Castoren aber ursprünglich nicht vorgesehen.

"Bis heute hat es an den mehr als 1200 in Deutschland gelagerten Castor-Behältern keine Veränderungen im Deckelsystem gegeben", sagte BGZ-Sprecher Tobias Schmidt. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es zu einer Veränderung des Drucks im Deckelsystem eines Castor-Behälters kommen sollte, gebe es ein genehmigtes Überwachungs- und Reparaturkonzept. Dies gelte auch für die Aufbewahrung der Behälter mit verglasten hochradioaktiven Abfällen im Zwischenlager Biblis.

Die Diskussion um den im vergangenen Frühjahr coronabedingt verschobenen Transport hat damit weiter Fahrt aufgenommen. Die beauftragte Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) hatte vorige Woche mitgeteilt, dass die Vorbereitungen für den Rückführungstransport von Sellafield nach Biblis wieder aufgenommen worden sind.

dpa