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14:36 07.04.2022
Ein Mädchen aus der Ukraine sitzt am Morgen mit ihrem Unterrichtsmaterial in einer Willkommensklasse.
Ein Mädchen aus der Ukraine sitzt am Morgen mit ihrem Unterrichtsmaterial in einer Willkommensklasse. Quelle: Peter Kneffel/dpa/Symbolbild
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Wiesbaden

Hessen wirbt um ukrainische Lehrer, um die vor dem Krieg in ihrem Heimatland geflüchteten Kinder und Jugendlichen an den hessischen Schulen zu unterrichten. Es hätten sich bereits 170 Menschen bei den hessischen Schulämtern gemeldet, die aus dem ukrainischen Bildungssystem kommen, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden. Rund 100 dieser Lehrer hätten angegeben, auch über Deutschkenntnisse zu verfügen.

Die Angaben der Kandidaten werden derzeit überprüft. Die Anforderungen an die Pädagogen würden dabei nicht mit den Standards hessischer Lehrer verglichen. Da sie für den Unterricht der ukrainischen Kinder zum Einsatz kommen sollen, sei es nicht zwingend erforderlich, dass sie als Lehrkräfte in Hessen anerkannt werden müssen. "Uns reicht in diesem Fall aus, dass sie im ukrainischen Bildungssystem in irgendeiner Form professionell pädagogisch tätig waren", sagte der Kultusminister.

Um für diese Aufgabe in Hessen zu werben, sollen die staatlichen Schulämter, die Meldebehörden und auch ukrainische Vereine einen Flyer in deutscher und ukrainischer Sprache erhalten. Die Informationen sollen breit gestreut werden und unter anderem auch bei den Meldebehörden ausgelegt werden, teilte der CDU-Politiker mit.

In den hessischen Schulen befinden sich nach Angaben von Lorz mittlerweile rund 3300 Kinder und Jugendliche, die wegen des Angriffs von Russland auf die Ukraine geflüchtet sind. Die Hälfte dieser Kriegsflüchtlinge sei innerhalb einer Woche nach Hessen gekommen. Die Zahl dieser Kinder und Jugendlichen sei zwar noch nicht sehr hoch. Es gebe aber eine große Dynamik, erklärte der Kultusminister.

Anders als bei der vorigen Flüchtlingswelle gehe es nun darum, für die geflohenen Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine einen Mittelweg zu finden. Einerseits werde es eine Deutschförderung und eine Integration in das Schulsystem geben. Andererseits soll nach Angaben von Lorz auch die Fortführung eines Teils des bisherigen Schullebens ermöglicht werden. "Deshalb wollen wir - dort wo es möglich ist - neue Angebote machen."

Ergänzend zu dem bisherigen System der Intensivklassen sollen die Geflüchteten deshalb mit einem neuen und freiwilligen Sprach- und Kulturunterricht in ukrainischer Sprache darin unterstützt werden, den Bezug zum ukrainischen Unterricht nicht zu verlieren. "Wir wollen damit eine Brücke bauen zum Unterricht aus dem Heimatland", erläuterte der Kultusminister.

Das Angebot unterscheide sich damit vom herkömmlichen Herkunftssprachenunterricht. Der Unterricht werde in Verantwortung des Landes stattfinden und von Ukrainisch sprechendem und vom Land eingestelltem Personal erteilt. An welchen Grundschulen der neue Unterricht angeboten werden kann, hänge von den personellen Möglichkeiten vor Ort ab, sagte Lorz.

In der weiterführenden Schule könnten die Kinder und Jugendlichen für die Fortführung ihres bisherigen Online-Unterrichts aus der Ukraine von den Intensivsprachfördermaßnahmen befreit werden. Auf diesem Weg könne ihnen bei den bald anstehenden Schulabschlüssen geholfen werden. Nach dem Ende des regulären Schuljahrs in der Ukraine Ende Mai könne auch dort wie in der Grundschule ein ergänzender Unterricht in ukrainischer Sprache angeboten werden.

"Für unsere Angebote stehen wir in Kontakt mit verschiedenen ukrainischen Vereinen und Verbänden in Hessen sowie dem Generalkonsul der Ukraine in Frankfurt - mit dem Ziel der weiteren personellen Unterstützung", erklärte der Kultusminister. "Die Schulangebote des Landes Hessen helfen uns sehr, damit unsere geflüchteten Landsleute und gerade die Kinder und Jugendlichen hier ein wenig Normalität im Alltag bekommen", betonte der Generalkonsul der Ukraine in Frankfurt, Vadym Kostiuk.

© dpa-infocom, dpa:220406-99-822487/4

dpa