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Politik Mehr als 150 Nicht-EU-Bürger am Flughafen abgewiesen
Mehr Hessen Politik Mehr als 150 Nicht-EU-Bürger am Flughafen abgewiesen
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16:22 18.03.2020
Drei Polizisten gehen durch das Terminal 1 am Flughafen in Frankfurt. Quelle: Andreas Arnold/dpa
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Frankfurt/Main

Am Frankfurter Flughafen hat die Bundespolizei schon am ersten Tag des Einreiseverbots mehr als 150 Fluggäste aus Nicht-EU-Ländern abgewiesen. Einige seien bereits wieder in die Herkunftsländer zurückgeflogen, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Mittwoch berichtete. Die übrigen warteten auf der Wache oder im Transitbereich auf ihre Rückflugmöglichkeiten, zu denen die Fluggesellschaften gesetzlich verpflichtet seien. Die Passagiere kämen aus vielen verschiedenen Staaten wie den USA, Brasilien oder Thailand.

Die Bundespolizei setzt seit Dienstagabend das wegen der Coronakrise verhängte weitgehende Einreiseverbot für Nicht-EU-Bürger um. Es wurden bereits am ersten Tag mehrere tausend Menschen kontrolliert. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt waren am Mittwoch mehr als 100 Flüge aus dem Nicht-Schengengebiet geplant.

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Die Europäische Union will mit sofortiger Wirkung für 30 Tage ein Einreiseverbot durchsetzen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Staatsangehörigen von EU-Staaten und ihren Angehörigen wird die Durchreise durch Deutschland gestattet. Das gilt auch für Bürger aus Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Es gibt auch Ausnahmen für Drittstaatsangehörige mit längerfristigem Aufenthaltsrecht in einem EU-Staat.

Die Bundespolizei rechnete aber mit einem schnellen Abklingen der Fallzahlen bei den Abweisungen, sobald die Fluggesellschaften die neuen Regelungen berücksichtigen könnten. "Die Airlines reagieren bereits. Bald werden die Nicht-EU-Bürger gar nicht mehr ins Flugzeug nach Europa steigen können", sagte der Bundespolizeisprecher. Am Dienstagabend war die Weisung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) umgehend in Kraft gesetzt worden, so dass etliche Passagiere nicht mehr reagieren konnten. Der Flughafenbetreiber Fraport hatte vorsorglich Feldbetten im Transitbereich aufgestellt.

In Frankfurt landete am Mittwoch auch eine Maschine der Iran Air aus dem Corona-Krisengebiet Teheran. Von den Passagieren habe niemand zurückgewiesen werden müssen, berichtete die Bundespolizei. Es habe sich im wesentlichen um Deutsch-Iraner mit deutschen Pässen oder Menschen mit langfristigen Aufenthaltsgenehmigungen gehandelt. Auch einen Corona-Verdachtsfall habe es an Bord nicht gegeben.

Untersuchungen auf das Virus finden weiterhin nur im Verdachtsfall statt. Der Frankfurter Airport ist nach Angaben des hessischen Sozialministeriums ein sogenannter IGV-Flughafen. IGV steht für Internationale Gesundheitsvorschriften. Darin sei das Verfahren klar und einheitlich für alle entsprechenden Flughäfen festgelegt "und verpflichtet die Piloten, vor der Landung mögliche Erkrankte zu melden", erläuterte die stellvertretende Ministeriumssprecherin Isabelle Dollinger.

Das Verfahren sei aktuell durch eine Anordnung des Bundesgesundheitsministeriums ergänzt worden: "Piloten müssen seit mehreren Wochen vor der Landung eine sogenannte Clear-Meldung abgeben: Meldet der Pilot einen oder mehrere Erkrankte im Flieger, wird das Gesundheitsamt informiert und untersucht die Passagiere. Meldet der Pilot keine Erkrankten im Flieger, können die Passagiere normal von Bord gehen." Dieses Vorgehen werde an allen IGV-Flughäfen einheitlich gehandhabt und sei mit dem Robert Koch-Institut abgestimmt.

Bei der Rückholaktion für im Ausland gestrandete Touristen sind die Maschinen des Ferienfliegers Condor voll besetzt. "Die Leute sind extrem erleichtert", berichtete eine Sprecherin am Mittwoch in Frankfurt. In einigen Zielländern wie beispielsweise der Dominikanischen Republik hatte es zunächst geheißen, dass gar keine Flieger aus Europa mehr landen dürften. Inzwischen habe man die Hindernisse aber abgeklärt.

Auch die Lufthansa ist voll in die verschiedenen Rückholaktionen eingebunden, wie das Unternehmen berichtete. Die Gesellschaften absolvierten in diesen Tagen 139 Rückholflüge in die Heimatländer Deutschland, Schweiz, Österreich und Belgien. In München landete am Nachmittag aus Tunis eine erste Lufthansa-Maschine aus der von der Bundesregierung bezahlten Luftbrücke.

dpa

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