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Katholische Kirche verliert mehr als 24.000 Mitglieder
Katholische Kirche verliert mehr als 24.000 Mitglieder
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18:02 27.06.2022
Im Gegenlicht und vor wolkenverhangenem Himmel ist eine Kirchturmspitze zu sehen.
Im Gegenlicht und vor wolkenverhangenem Himmel ist eine Kirchturmspitze zu sehen. Quelle: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild
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Bonn

Die krisengeschüttelte katholische Kirche hat im Jahr 2021 in Hessen mehr als 24.000 Mitglieder durch Austritte verloren. Insgesamt wurden in dem Bundesland zum Jahreswechsel noch knapp 1,3 Millionen Katholiken gezählt, wie aus den am Montag veröffentlichten Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Bonn hervorgeht. Bundesweit kehrten 359.338 Menschen der Kirche den Rücken - so viele wie noch nie. Die katholische Kirche zählte Ende 2021 nur noch 21.645.875 Mitglieder - das macht 26 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Der nicht enden wollende Skandal um sexuellen Missbrauch und dessen Vertuschung lässt die katholische Kirche auch nach mehr als einem Jahrzehnt nicht los. Immer neue Enthüllungen und Erkenntnisse erschüttern die Gläubigen - und der Glaube an Reformen schwindet bei vielen. Hier die Entwicklung in den Bistümern, die ganz oder zu großen Teilen in Hessen liegen:

Im Bistum Mainz, das zu etwa zwei Dritteln in Hessen und zu rund einem Drittel in Rheinland-Pfalz liegt, stieg die Zahl der Kirchenaustritte 2021 auf den Rekordstand von 12.649. Im Jahr 2020 lag diese Zahl noch bei 8461, wie das Bistum mitteilte. Bischof Peter Kohlgraf machte indirekt das Bekanntwerden von immer neuen Fällen von sexuellem Missbrauch und Vertuschungsvorwürfen in der katholischen Kirche in Deutschland für die Entwicklung verantwortlich. "Den dunklen Seiten der Kirche, wie dem Umgang mit Fällen von sexueller Gewalt, stellen wir uns seit Jahren mit großer Offenheit", erklärte Kohlgraf. Das Bistum zählte zuletzt 666.620 Katholiken.

Im Bistum Limburg, das sich über Hessen und Rheinland-Pfalz erstreckt, hat sich der Mitgliederschwund beschleunigt. Ende 2021 lebten in dem Bistum insgesamt 560.777 Katholikinnen und Katholiken, das waren 18.910 weniger als ein Jahr zuvor, wie das Bistum mitteilte. 11.686 Personen davon traten aus der Kirche aus - das bedeutet einen Negativrekord, im Jahr 2020 waren es 8200 Austritte. Der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zeigte sich bestürzt über die Entwicklung: "Es gibt nichts schönzureden, und ich bin zutiefst erschüttert über die extrem hohe Zahl von Kirchenaustritten", erklärte er. Die katholische Kirche stecke in einer tiefgreifenden Krise, von der auch das Bistum Limburg betroffen sei.

Im Bistum Fulda traten im vergangenen Jahr 5301 Katholiken aus der Kirche aus, das waren 1815 Austritte mehr als im Jahr 2020 und so viele wie nie zuvor in einem Jahr. Zum Jahresende 2021 zählte das Bistum Fulda noch 361.078 Katholiken. Die Statistik sei geprägt von den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Wegen der Schutz- und Hygienemaßnahmen hätten Gottesdienste nicht so gefeiert und religiöse Angebote oft nicht wahrgenommen werden können wie vor der Pandemie, hieß es. Zugleich zeigten die Zahlen, "wie sich der Wandel in einer säkularen Gesellschaft sowie innerkirchliche Skandale und Konflikte auch auf die Kirche von heute auswirken."

© dpa-infocom, dpa:220627-99-820224/4

dpa