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Viele Hessen in Sorge wegen Angriff auf Ukraine
Viele Hessen in Sorge wegen Angriff auf Ukraine
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17:22 24.02.2022
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident des Landes Hessen, spricht im Landtag.
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident des Landes Hessen, spricht im Landtag. Quelle: Arne Dedert/dpa/Archivbild
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Wiesbaden/Kassel/Fulda

Der russische Angriff auf die Ukraine hat auch in Hessen große Sorgen und Fassungslosigkeit ausgelöst. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) verurteilte am Donnerstag den Militäreinsatz mit scharfen Worten. "Es ist ein Tag der Schande, ein Tag, der die Weltgeschichte verändern wird", sagte er in Wiesbaden. Vertreter der Kirchen riefen zu Friedensgebeten und zur Solidarität mit den Menschen in der Ukraine auf. Innenminister Peter Beuth (CDU) ordnete eine landesweite Trauerbeflaggung an. Der Generalkonsul der Ukraine bat Deutschland und Europa im hessischen Landtag um Hilfe. Für den Abend waren in der Frankfurter Innenstadt Proteste gegen den Einmarsch Russlands in der Ukraine geplant.

"Wir konnten uns das nicht vorstellen und vor allen Dingen wollten wir es uns auch nie vorstellen, dass mitten in Europa im Jahre 2022 Krieg herrscht", sagte Bouffier im Landtag. Zuallererst gälten seine Gedanken den Menschen in der Ukraine. Bouffier kündigte ein Treffen mit dem ukrainischen Generalkonsul noch am Donnerstag in Wiesbaden an. Der Regierungschef erinnerte auch an die rund 10 000 Menschen aus der Ukraine, die in Hessen leben. "Vielleicht müssen und können wir helfen, dass Menschen zu uns kommen", sagte er.

Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) sagte: "Für dieses völkerrechtswidrige Handeln des russischen Präsidenten Wladimir Putin gibt es keinerlei Rechtfertigung." Als Zeichen der Solidarität mit dem ukrainischen Volk wurde die ukrainische Flagge am Parlament in Wiesbaden gehisst. Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Günter Rudolf, sprach von "einer Bewährungsprobe für die Demokratie" in Europa. Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner warnte, das europäische Zusammenleben stehe auf dem Spiel. Nun brauche es eine klare Antwort auf die Aggression der russischen Führung. FDP-Fraktionsvorsitzender René Rock erklärte: "Der Krieg, die schlimmste Geißel der Menschheit, ist zurück in Europa."

Beuth ordnete die Trauerbeflaggung für alle öffentlichen Gebäude und Dienststellen im Bundesland an. "Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine stellt eine Zeitenwende dar", erklärte er in Wiesbaden. Mit der Trauerbeflaggung wolle man "unser Entsetzen und unsere Solidarität mit der Ukraine" ausdrücken.

Der Frankfurter Generalkonsul der Ukraine, Vadym Kostiuk, bat Deutschland und Europa in einer Rede vor den hessischen Abgeordneten um Hilfe. Das Land warte und hoffe sehr auf weitere Defensivwaffen, sagte er. Die Ukraine wolle ihr Land, ihr Volk, aber auch Europa verteidigen, erklärte er. Als Unterstützung für die Ukraine müssten die Sanktionen gegen Russland fortgesetzt werden. Russland müsse beispielsweise vom internationalen Bankverkehr ausgeschlossen werden. Kostiuk forderte außerdem eine "volle Isolation Russlands von allen Formaten", etwa der Uno. Wichtig für die Ukraine sei auch finanzielle Unterstützung. Der Generalkonsul bat zudem um humanitäre Hilfe. Wie diese genau aussehen könne, werde man bald wissen.

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Beate Hoffmann, und der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, schrieben in einem gemeinsamen Brief an die fast 2000 evangelischen Kirchengemeinden zwischen Kassel und Worms: "Viele Menschen sorgen sich in diesen Tagen um den Frieden und haben Angst vor Krieg - Krieg in Europa." In großer Sorge über die aktuelle Lage und aus historischer Verantwortung heraus "beten wir für eine gewaltfreie Lösung der aktuellen Situation, für konkrete Schritte der Deeskalation und eine nachhaltige Friedensordnung in Europa", erklärten Hofmann und Jung.

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber erklärte: "Die aktuellen Ereignisse in der Ukraine sind erschreckend und bedrücken mich sehr." Die schlimmsten Befürchtungen seien eingetreten: "Fast 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrscht wieder Krieg in Europa", so Gerber. "Unsere Gedanken sind zuallererst bei den Menschen in der Ukraine, aber auch bei allen anderen, die von den Folgen dieses Krieges bedroht und betroffen sind. Wir beten für sie und hoffen nach wie vor, dass die Vernunft siegt und rasch wieder Frieden einkehrt." Als Zeichen der Zusammengehörigkeit und der Hoffnung auf Frieden sollten um 12.00 Uhr im gesamten Bistum Fulda die Glocken läuten. Das Bistum schließe sich damit einer gemeinsamen ökumenischen Aktion der Kirchen in Hessen an, hieß es.

Auch der Unternehmenschef des Öl- und Gaskonzerns Wintershall Dea mit Zentralen in Hamburg und Kassel zeigt sich bestürzt über den Militäreinsatz Russlands in der Ukraine. "Wir sehen diese militärische Eskalation des Konflikts mit großer Sorge und Bestürzung", sagte Mario Mehren laut einem Statement. "Es sterben Menschen. Wir sind schockiert über das, was geschieht." Wegen der Ereignisse hatte Wintershall Dea ein für Donnerstag geplantes Pressegespräch zu den Jahreszahlen 2021 abgesagt.

An der Frankfurter Katharinenkirche wollten sich am Abend Menschen unter dem Motto "Frieden für die Ukraine!" zu einer Demonstration versammeln. Das Ordnungsamt erwartete gut 300 Teilnehmer zu der Veranstaltung. Auch eine pro-russische sowie eine Nato- und Russland-kritische Demonstrationen waren demnach geplant.

© dpa-infocom, dpa:220224-99-265674/5

dpa