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Politik Mehrheit der Regionen Risikogebiet: Viele Klagen zu Corona
Mehr Hessen Politik Mehrheit der Regionen Risikogebiet: Viele Klagen zu Corona
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17:42 20.10.2020
Auf einer Richterbank liegt ein Richterhammer. Quelle: Uli Deck/dpa/Symbolbild
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Wiesbaden

In Hessen gelten nun die meisten der kreisfreien Städte und Landkreise als Gebiete mit erhöhtem Infektionsrisiko. Am Dienstag überschritten weitere Regionen die als kritisch geltende Schwelle der Corona-Neuinfektionen. Über der Marke von 50 Ansteckungen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen liegen nun auch die Landkreise Darmstadt-Dieburg (52,7), Gießen (54,7), Main-Kinzig (55,1), Rheingau-Taunus (57,1) und die Stadt Darmstadt (68,2). Das geht aus Zahlen des hessischen Sozialministeriums (Stand 00.00 Uhr) hervor.

Die höchsten Zahlen habe weiterhin die Stadt Offenbach mit einer sogenannten Inzidenz von 127,1, Frankfurt mit 121,8, und Kassel mit 108. Sie lagen zusammen mit dem Landkreis Groß-Gerau (81,9) in der höchsten Warnstufe des Landes Hessen. Am Dienstagnachmittag kam zudem noch der Landkreis Marburg-Biedenkopf hinzu. Dort stieg nach eigenen Angaben die Inzidenz nach einem Ausbruch des Coronavirus in einem Altenheim auf 79,5. Unmittelbare Auswirkungen habe dies zunächst nicht, teilte der Kreis mit. Von Kommunen selbst gemeldete Zahlen können von den Zahlen des Robert-Koch-Instituts abweichen, da sie die Daten mit Zeitverzögerung weitergeben.

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Unterdessen ist die Zahl der seit Beginn der Pandemie bestätigten Infektionen auf 26 558 geklettert. Das sind 782 Fälle mehr als am Vortag. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung erhöhte sich um acht auf 584.

KEIN CORONA BEI MINISTERN

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Sozialminister Kai Klose (beide Grüne) sind negativ auf das Coronavirus getestet worden. Beide hätten sich aber nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in häusliche Quarantäne begeben, teilte Regierungssprecher Michael Bußer mit. Diese dauere noch bis zum kommenden Montag. Nach der Corona-Infektion von Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) hatten sich auch ihre Kabinettskollegen testen lassen. Die Ministerin zeige nach Angaben eines Sprechers einen milden Verlauf der Erkrankung mit erkältungsähnlichen Symptomen.

VIELE GERICHTSVERFAHREN

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie beschäftigen weiterhin Hessens Verwaltungsgerichte. Insgesamt 16 Verfahren in Verbindung mit der Pandemie und den daraus resultierenden Beschränkungen sind allein vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel anhängig. "Die Eilanträge richten sich im Wesentlichen gegen die sogenannte Maskenpflicht und die Schließung der Bordelle", sagte ein VGH-Sprecher. Auch an den Verwaltungsgerichten sind zahlreiche Verfahren zu verschiedensten Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Pandemie anhängig.

BESCHRÄNKUNGEN IN WIESBADEN

Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat am Dienstag weitere Corona-Beschränkungen beschlossen. Diese sollen von Mittwoch an bis November gelten. Unter anderem wurde festgesetzt, dass private Feiern außerhalb von Wohnungen mit mehr als zehn Personen untersagt sind. Im gesamten Stadtgebiet gilt eine Sperrstunde für Gaststätten und öffentliche Vergnügungsstätten zwischen 23 und 6 Uhr. Zwischen 23 und 6 Uhr dürfen keine alkoholischen Getränke zum Außerhaus-Verzehr verkauft werden. Außerdem gelten Gesichts- und Kinnvisiere nicht mehr als ausreichende Mund-Nasen-Bedeckungen.

KRITIK AM UNTERRICHT AUF DISTANZ

Nach Ansicht des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) hakt es in Hessen weiterhin beim Unterricht für Kinder, die wegen einer Quarantäne zuhause bleiben müssen. "Es fängt damit an, dass die einfache Gleichung, wonach Lehrkräfte aus der Risikogruppe die Schülerinnen und Schüler beim Lernen zu Hause unterstützen, nicht aufgeht", sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann. Denn nicht an allen Schulen seien Lehrer im Home-Office. An weiterführenden Schulen komme als Problem hinzu, dass nicht Lehrkräfte aller Fächer für den Distanzunterricht zur Verfügung stünden und fachfremdes Unterrichten meist nicht möglich sei. Zudem sei das Lerntempo am Computer häufig langsamer als im Klassenzimmer, bedingt durch Zeitverzögerungen in der Übertragung, Störungen und fehlende Routine.

dpa