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Politik Sozialminister: Häusliche Gewalt während der Pandemie steigt
Mehr Hessen Politik Sozialminister: Häusliche Gewalt während der Pandemie steigt
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13:25 02.09.2020
Kai Klose (Bündnis 90/Die Grünen), Gesundheits- und Sozialminister des Landes Hessen mit Mundschutz. Quelle: Arne Dedert/dpa/Archivbild
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Wiesbaden

Gerade in der Phase der intensiven Kontaktbeschränkungen habe es eine Zunahme häuslicher Gewalt gegeben, sagte der Minister am Mittwoch im hessischen Landtag in Wiesbaden. Er berief sich dabei auf aktuelle Studien. Bei der häuslichen Gewalt sei das Dunkelfeld groß. Ein Indiz für eine wahrscheinliche Ausweitung des Dunkelfelds sei, dass niedrigschwellige Hilfsangebote wie etwa Telefon- und Online-Beratungen häufiger genutzt worden seien.

"Vor diesem Hintergrund war uns von Beginn an besonders wichtig, dass alle Menschen wissen: Unsere Schutzsysteme stehen trotz Corona bereit und sie sind erreichbar", betonte Klose. Er sicherte allen Einrichtungen des Frauenunterstützungssystems und des Kinderschutzes Hilfe zu. Das Land helfe den Einrichtungen, ihre pandemiebedingten Kosten abzufedern und den gewachsenen hygienischen Vorgaben gerecht zu werden. Allein dafür würden drei Millionen Euro bereitgestellt.

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Die Landtagsopposition forderte dagegen deutlich mehr finanzielles Engagement von der schwarz-grünen Koalition. Es reiche nicht aus, die bestehenden Strukturen um ein paar Notfallhilfen für die Corona-Zeit zu ergänzen, mahnte die SPD-Vize-Fraktionschefin Lisa Gnadl. Es müsse kontinuierlich Mittel für Erweiterungen, Umbauten, Sanierungen, mehr Personal und Mittel für die zusätzlichen Familienzimmer geben.

Die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Wiebke Knell, betonte, dass eine effektive Strafverfolgung wesentlich im Kampf gegen Gewalt an Frauen sei. "Wir müssen für das Thema sensibilisieren. Es ist essenziell, dass Betroffene keine Angst haben, Anzeige zu erstatten." Opfer müssten schnell und unkompliziert Schutz erhalten. Dafür müssten präventive Maßnahmen ausgebaut werden.

Die Gleichstellungsexpertin der Linken-Fraktion, Christiane Böhm, forderte ebenfalls, dass das Land deutlich mehr in vorbeugende Maßnahmen investiert, um häusliche Gewalt frühzeitig zu unterbinden. Sie sprach sich für verpflichtende Weiterbildungen für Polizei und Justiz aus. Frauen und Mädchen müssten durch unterstützende Programme gestärkt werden.

Auch die AfD-Abgeordnete Claudia Papst-Dippel sagte, dass die finanziellen Mittel der Landesregierung für die Frauenhäuser und Beratungsstellen gerade in Corona-Zeiten ausreichten.

dpa