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Politik Schulöffnungen: Hessen würde mit Abschlussklassen beginnen
Mehr Hessen Politik Schulöffnungen: Hessen würde mit Abschlussklassen beginnen
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16:01 14.04.2020
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) spricht im Landtag. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild
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Wiesbaden

Hessen würde bei einer möglichen stufenweisen Wiedereröffnung der Schulen für den Unterricht eher mit Abschlussjahrgängen beginnen als mit den Grundschulen. Das sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstag in Wiesbaden. "Nicht nur weil die vorm Abschluss stehen, sondern weil wir auch glauben, dass bei älteren Schülerinnen und Schülern der notwendige Appell, Abstand zu halten und Hygienevorschriften einzuhalten, wesentlich besser gelingen kann als bei Kindern in der Grundschule", erläuterte er nach einem Treffen des hessischen Corona-Kabinettausschusses mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

An Hessens Schulen findet seit Mitte März kein Unterricht mehr statt, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Für Kinder berufstätiger Eltern aus bestimmten Berufsgruppen gibt es eine Notbetreuung. Die Empfehlung von Wissenschaftlern, als erstes die Grundschulen zu öffnen, überzeuge ihn nicht, sagte Bouffier. "Wir neigen dazu, dass wir eher mit den Abschlussklassen beginnen." Entschieden werde diese Frage jedoch erst nach der Besprechung der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am (morgigen) Mittwoch.

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In der Videokonferenz soll über mögliche Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen nach dem 19. April beraten werden. "Ich kann mir vorstellen, dass wir morgen durchaus in einem breiten Konsens dazu kommen, dass wir im Einzel- und vielleicht auch im Großhandel eine Öffnung vornehmen", sagte Bouffier. "Da wird man sich an bestimmten Größen zu orientieren haben." Entscheidungen dazu seien aber noch nicht gefallen.

Hessen bemüht sich nach den Worten von Bouffier ununterbrochen darum, Schutzmasken und andere Schutzausrüstung zu besorgen, stößt dabei aber immer wieder auf Probleme. "Das ist ein schwieriges Kapitel", sagte er. Das Land müsse meist in Vorleistung treten und zudem aufpassen, nicht betrogen zu werden. Aktuell verzögert sich Bouffier zufolge eine Lieferung von mehreren Millionen Schutzmasken. Diese lägen am Flughafen von Shanghai bereit, doch chinesische Behörden wollten die Lieferung noch auf mögliche minderwertige Ware untersuchen.

Die Versorgung mit Schutzausrüstung in den hessischen Krankenhäusern sei nach der aktuellen Einschätzung gut, sagte Bouffier weiter. Die Lage in Altenheimen sei dagegen unterschiedlich.

Nach Aussage von Bundesgesundheitsminister Spahn gelingt es in Deutschland immer besser, für medizinisches und pflegerisches Personal Schutzausrüstung und Schutzmasken zu besorgen. Die Bundesrepublik wolle in dem Bereich aber weniger abhängig von anderen Staaten sein und künftig mehr selbst produzieren.

Spahn zeigte sich zufrieden mit dem Verhalten der Bürger am Osterwochenende. Die Einschränkungen wegen der Corona-Krise hätten "eine sehr, sehr hohe Akzeptanz und Unterstützung" in der Bevölkerung gefunden, sagte er. Das sei wichtig für das weitere Vorgehen und für mögliche Lockerungen der Corona-Regelungen. Dabei kommt es nach Einschätzung von Spahn auf genaues Abwägen an. "Am Ende geht es darum, die richtige Balance zu finden zwischen Gesundheitsschutz, öffentlichem Leben und der Wirtschaft", sagte er und kündigte "vorsichtige erste Schritte" in eine neue Normalität an. "Es geht darum, mit dem Virus zu leben und leben zu lernen."

Spahn hatte am Dienstagvormittag das Uni-Klinikum in Gießen besucht und sich über die Situation im Gesundheitswesen angesichts der Corona-Krise informiert. Der Bundesgesundheitsminister sprach unter anderem mit einer Medizinstudentin, die sich am Eingang der Klinik um Coronavirus-Verdachtsfälle kümmert, sowie mit einem Arzt und einer Krankenschwester vor der Intensivstation. Am Uni-Klinikum werden nach Angaben eines Sprechers derzeit 18 Covid-19-Patienten behandelt.

dpa

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