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Politik SPD-Youtuber mit Tourette-Syndrom jagt CDU Direktmandat ab
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13:41 29.10.2018
Bijan Kaffenberger, SPD-Youtuber mit Tourette-Syndrom. Foto: SPD/Kaffenberger
Darmstadt

Als einziger Sozialdemokrat hat Bijan Kaffenberger bei der Landtagswahl in Hessen von der CDU ein Direktmandat erobern können. "Dabei hatte ich die Hoffnung darauf nach der Bayernwahl relativ aufgegeben", sagte der 29-Jährige nach nur rund zweieinhalb Stunden Schlaf am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Darmstadt-Stadt II war seit 2009 in der Hand der CDU: Die frühere Kultusministerin Karin Wolff hat das Direktmandat für die Union mit einer Pause dreimal geholt.

Es gebe auf jeden Fall mehrere Gründe für seinen Erfolg am Sonntagabend, sagt der Volkswirt, der eine Doktorarbeit über Finanzthemen angefangen hat. "Es waren die richtigen Inhalte, verknüpft mit dem richtigen Kandidaten mit der richtigen Geschichte." Und "die richtige Mischung aus regional verwurzelt und ein bisschen überregional bekannt", fügt er hinzu.

Kaffenberger ist Youtuber und hat rund 60 Folgen "Touretikette" gedreht - außerdem hat er das Tourette-Syndrom (TS). Das ist eine neuropsychiatrische Erkrankung mit sogenannten Tics - unwillkürlichen, raschen Bewegungen. Ungefähr 40 000 Menschen sind der Tourette-Gesellschaft zufolge in Deutschland davon betroffen. "Tourette ist Teil meiner Persönlichkeit und gehört zu mir", sagt Kaffenberger, der überzeugt ist, dass "Authentizität den Leuten total wichtig ist". TS mache es vielen leichter, auf ihn zuzugehen: "Man fühlt sich vertrauter im Umgang." Schließlich habe jeder sein Päckchen zu tragen.

Mit Themen wie Wohnraum und Bildung habe die SPD in Hessen auf die richtigen Themen gesetzt. Dazu komme bei ihm die Digitalisierung. "Ein klassisches Sorgenthema" für viele Bürger, die sich freuten, wenn die Politik Know-how zur Verfügung stelle und das Gefühl vermittle: "Wir regeln das für Euch". Kaffenberger ist Experte: Er arbeitet seit fast drei Jahren im SPD-geführten Wirtschaftsministerium in Thüringen und ist dabei mit Digitalisierung, Breitband-Ausbau und Frequenzvergabe befasst.

Das Landtagsmandat empfindet der Sozialdemokrat als "große Aufgabe und große Ehre". Er ist aber auch überzeugt: "Die kochen doch auch nur mit Wasser." Mit der Verwaltung habe er in Erfurt Erfahrung gesammelt, mit politischer Arbeit in sieben Jahren Kommunalpolitik.

In die Landeshauptstadt umziehen will Kaffenberger nicht. "Er setze sich lieber dafür ein, die Pendelmöglichkeiten nach Wiesbaden zu verbessern." Der 29-Jährige will sich eine Wohnung in seinem Wahlkreis suchen. "Derzeit wohne ich bei meiner Oma im ersten Stock." Denn bis Ende des Jahres pendelt er noch nach Erfurt.

Kaffenberger ist bei seinen Großeltern in Roßdorf bei Darmstadt aufgewachsen. Seine Mutter starb, als er sechs Jahre alt war. Sein Vater sei schon früher in seine Heimat Marokko zurückgekehrt. In die SPD sei er schon mit 17 oder 18 Jahren eingetreten. "Politik hat mich immer interessiert." Inspiriert hätten ihn Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Roßdorfer Bürgermeister und spätere Landrat, Alfred Jakoubek (beide SPD).

dpa

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