Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Rückkehr in Klassenzimmer: Gerichtshof könnte Pläne umwerfen
Mehr Hessen Politik Rückkehr in Klassenzimmer: Gerichtshof könnte Pläne umwerfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:46 15.05.2020
Schüler melden sich in einer Grundschule beim Unterricht. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild
Anzeige
Kassel/Wiesbaden

Viele Schüler sollen trotz Corona-Pandemie bald wieder in Klassenzimmern lernen - doch der Verwaltungsgerichtshof könnte heute die Pläne der Landesregierung erneut durcheinanderbringen. Denn die Kasseler Richter wollen über die Schulpflicht für Viertklässler entscheiden. Eine Schülerin aus Frankfurt wehrt sich erneut mit einem Eilantrag gegen eine Rückkehr in die Schule. "Zur Begründung ihres Antrags beruft sie sich auf Belange des Infektions- und des Gesundheitsschutzes, die in Zeiten der Corona-Pandemie nicht hinreichend gewährleistet seien", hatte ein Sprecher des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel erklärt.

Das Mädchen hatte bereits im April eine Rückkehr der Viertklässler in hessische Grundschulen verhindert. Die Richter gaben damals ihrem Antrag Recht und hoben die Schulpflicht für diesen Jahrgang auf. Die Viertklässler würden im Vergleich zu Schülern, denen aus Gründen des Infektionsschutzes der Schulbesuch weiter untersagt werde, ohne hinreichenden Grund ungleich behandelt, lautete die Begründung. Nachdem bereits Abschlussklassen wieder unterrichtet werden, will das hessische Kultusministerium ab Montag (18. Mai) die Rückkehr zahlreicher weiterer Kinder und Jugendlicher in eingeschränkter Form.

Anzeige

Die bisherigen Bemühungen an Schulen, die Hygieneregeln einzuhalten, stoßen auf ein geteiltes Echo. "Ich würde sagen, man hat das beste aus den Maßnahmelockerungen gemacht", sagte Landesschülersprecher Paul Harder, für den am Montag selbst der Unterricht beginnt. Schüler und Lehrer bemühten sich sehr, die Hygienevorschriften einzuhalten. Die Schulen seien alle mit genug Seife ausgestattet worden. "Es ist traurig, dass dafür erst eine globale Pandemie nötig war." Desinfektionsmittel gebe es dagegen nicht überall.

Da man den Schulen freigestellt habe, wie sie die Regeln umsetzen, gebe es völlig unterschiedliche Modelle: Manche Schüler hätten nur einen Tag pro Woche Unterricht, andere jeden Tag ein bis zwei Stunden. Harder selbst war gegen die Öffnung: "Ich hätte es besser gefunden, wenn man die Schulen bis zu den Sommerferien geschlossen gelassen hätte." Sollte es Todesfälle durch das Coronavirus in Schulen geben, müsse man die Öffnung überdenken, erklärte Harder angesichts der ersten Coronafälle an Schulen.

Mit der Öffnung der Schulen für weitere Jahrgänge steht den Corona-Hygiene- und Abstandsregeln nach Einschätzung der Lehrergewerkschaft GEW die Feuerprobe bevor. "Den richtigen Ernstfall bekommen wir ab Montag. Wir hoffen, dass alles gut geht", sagte die GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch. Nach den Erfahrungen der Gewerkschaft seien zwar inzwischen alle Schulen beispielsweise mit Desinfektionsmittel ausgestattet. "Allerdings sind dies manchmal Riesenkanister und das Mittel muss erst umgefüllt werden", sagte Koch. Die Schulleitungen vor Ort müssten den Kauf der Spender selbst organisieren.

Die Schulen kämpften nach wie vor damit, dass 25 bis 30 Prozent der Lehrkräfte nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden könnten, weil sie zu einer Risikogruppe zählten. Dieses Problem werde sich mit den weiteren Jahrgängen, die zurück an die Schulen kommen, verschärfen, befürchtete Koch. Sie betonte allerdings: "Wir freuen uns auf die Kinder."

dpa

Anzeige