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Politik Land nennt Zeitplan für umfangreiche Lockerungen
Mehr Hessen Politik Land nennt Zeitplan für umfangreiche Lockerungen
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18:52 07.05.2020
Volker Bouffier (l), Ministerpräsident des Landes Hessen, und Innenminister Peter Beuth. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Wiesbaden

Hessen hat bereits für diesen Samstag weitere umfangreiche Lockerungen der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie angekündigt. So ist dann bisher untersagter Freizeitsport wieder in eingeschränkter Form möglich. Er müsse kontaktfrei und mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen einzelnen Personen ausgeübt werden, teilte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Donnerstag mit. Fitnessstudios könnten ab dem 15. Mai wieder öffnen. Ebenfalls von diesem Samstag an sind auch Versammlungen mit bis zu 100 Teilnehmern unter Auflagen wieder möglich. Auch Theater, Opern- und Konzerthäuser dürften unter Einhaltung von Auflagen von Samstag an wieder öffnen.

Restaurants und andere Gaststätten in Hessen dürfen vom 15. Mai an wieder unter Auflagen öffnen. Diskotheken und Tanzklubs blieben aber vorerst weiter geschlossen. Pensionen, Privatzimmer und Hotels dürfen dann ebenfalls ihren Betrieb für den Tourismus wieder aufnehmen. Die vielfältigen Öffnungsregeln der hessischen Landesregierung in der Corona-Krise gelten zunächst bis zum 5. Juni. Die Kindertagesstätten in Hessen sollen vom 2. Juni an im eingeschränkten Regelbetrieb wieder für alle Kinder öffnen.

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KURZARBEIT IM GESUNDHEITSWESEN

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise spürt auch der Medizinbereich deutlich. Etwa 30 100 Beschäftigte im Gesundheitswesen in Hessen sind laut Arbeitsagentur derzeit von Kurzarbeit betroffen. Kurzarbeit angezeigt haben 4077 Gesundheitsbetriebe, wie die Regionaldirektion Hessen mit dem Stand 26. April und nach vorläufigen Zahlen mitteilte. Eine Differenzierung nach Art der Betriebe wie Kliniken oder Praxen sei allerdings nicht möglich, auch kein Vergleich mit Vorjahreszahlen in diesem Bereich.

UNTERNEHMEN ETWAS OPTIMISTISCHER

Nach den ersten Corona-Lockerungen blicken die Unternehmen in Frankfurt und Umgebung etwas optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr. Zwar rechneten bei einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer immer noch 77 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatzrückgang im Jahr 2020. Vor zwei Monaten hatten das aber noch 85 Prozent befürchtet. "Das geringfügige Lösen der Wirtschaftsbremse und die staatlichen Ausgleichsmaßnahmen zeigen eine positive Wirkung auf die regionale Wirtschaft", erklärte IHK-Präsident Ulrich Caspar.

BUSUNTERNEHMEN WARNEN

Hessens private Busunternehmer fürchten in der Corona-Krise ums wirtschaftliche Überleben. Über 90 Prozent der Betriebe könnten ohne Hilfen maximal noch bis zum Sommer überstehen, berichtete am Donnerstag der Verband LHO in Gießen. Die Mitarbeiter seien in Kurzarbeit und die Busse abgemeldet, die Raten zur Finanzierung liefen aber weiter. "Viele traditionsreiche und bislang überaus erfolgreiche Busunternehmen wissen nicht, ob es sie und die daran hängenden Arbeitsplätze im Herbst noch gibt", schilderte der Verbandsvorsitzende Karl Reinhard Wissmüller die Lage.

MILLION FÜR JUGENDHERBERGEN

Die krisengeschüttelten Jugendherbergen in Hessen erhalten eine Million Euro Corona-Soforthilfe vom Land. "Jugendherbergen fallen bisher durch das Raster der Rettungsschirme von Bund und Land", erklärte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden. Auch andere Programme und Hilfen könnten von den Herbergen genutzt werden, wie Versicherungsleistungen und Kurzarbeit.

KEIN ZUSCHUSS FÜR LEBENSMITTEL-VORRAT

Sozialhilfeempfänger haben keinen Anspruch auf zusätzliche finanzielle Leistungen, um sich in der Corona-Krise einen Vorrat an Lebensmitteln anzuschaffen. Das entschied das Hessische Landessozialgericht am Donnerstag in einem einstweiligen Verfahren. Ein akuter Mehrbedarf an Lebensmitteln liege nicht vor, begründete das Gericht seine Entscheidung. In dem konkreten Fall hatte ein schwerbehinderter Sozialhilfeempfänger aus dem Werra-Meißner-Kreis Ende März eine sofortige Pandemie-Hilfe von rund 1000 Euro beantragt. Zudem forderte er eine Erhöhung seiner monatlichen Hilfen um 100 Euro.

GESUNDHEITSCHECK

Online die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Infektion abklären: Das ermöglicht ein Angebot des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, das seit vier Wochen freigeschaltet ist. Die Forscher sind mit den Nutzerzahlen zufrieden, wie die Hochschule am Donnerstag berichtete. Knapp 700 000 Menschen deutschlandweit hätten den Fragebogen der Anwendung ausgefüllt, sagte ein Sprecher des Universitätsklinikums Gießen und Marburg am Donnerstag. Vor allem Menschen von 20 bis 55 Jahren hätten die Fragen zur Einschätzung einer möglichen Corona-Infektion beantwortet.

MUNDSCHUTZ IM MUSEUM

Mit Zugangsbeschränkungen und Hygieneauflagen öffnet am Samstag das Frankfurter Städel-Museum nach der Zwangsschließung wieder für Besucher. Einige Ausstellungshäuser in Frankfurt haben bereits seit dieser Woche wieder geöffnet, andere folgen nächste Woche. Die Zahl der zugelassenen Besucher ist auf eine Person pro 20 Quadratmeter begrenzt. Bei 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche dürfen 200 Besucher pro Stunde ins Museum, wie eine Städel-Sprecherin erklärte. Sie müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

SCHLÖSSER UND GÄRTEN ÖFFNEN

Die Anlagen der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen öffnen ab kommender Woche schrittweise wieder für Besucher. Zunächst soll am kommenden Montag, den 11. Mai, das Bad Homburger Schloss Besuchern offenstehen, wie die Schlösserverwaltung am Donnerstag mitteilte. Demnach sollen der Weiße Turm und der Museumsshop wieder öffnen. Möglich seien zunächst aber nur Einzelbesuche, Gruppen könnten nicht empfangen werden. Ab kommendem Dienstag soll dann auch das Kloster Lorsch wieder für Besucher geöffnet werden.

INFEKTIONSZAHLEN

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus ist in Hessen am Donnerstag etwas langsamer gewachsen. Sie liegt bei 8716 Fällen. Das waren 38 mehr als am Vortag, wie das Sozialministerium in Wiesbaden (Stand 14.00 Uhr) erklärte. Am Mittwoch hatte es einen Zuwachs von 93 Fällen gegeben. Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Erreger Sars-CoV-2 in Verbindung gebracht wird, stieg um 11 auf 399. In der Corona-Statistik werden nur solche Fälle erfasst, die von den Kommunen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer elektronischen Datenbank erfasst werden.

dpa

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