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Politik Unruhiges Adventswochenende im Dannenröder Forst
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16:41 06.12.2020
Die Polizei setzt einen Wasserwerfer ein. Quelle: Nadine Weigel/Nadine Weigel
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Homberg/Ohm

Nach Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und der Polizei hat sich die Situation im Dannenröder Wald am Sonntag zunächst wieder etwas entspannt. Man versuche Konflikte kommunikativ zu lösen, was bisher gut gelinge, sagte ein Sprecher der Polizei. Das Waldstück nahe Homberg/Ohm wird für den Weiterbau der Autobahn 49 geräumt. Dabei hatte die Polizei am Samstag einen Wasserwerfer gegen protestierende Aktivisten eingesetzt.

Am Sonntagmorgen hätten sich die Spitzen mehrerer Umweltverbände, die Fridays-For-Future-Sprecherin Luisa Neubauer und weitere Akteure vor die letzten noch stehenden Bäume und auf eine Baumhaus-Plattform gesetzt, teilte die Nichtregierungsorganisation Campact mit. Man wolle damit unterstreichen, wie breit der Widerstand gegen eine "zukunftsfeindliche Verkehrspolitik" inzwischen sei.

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Die Umweltschutzorganisation Greenpeace mahnte am Sonntag, Protest und auch die Antwort darauf, dürften nicht die Gesundheit von Menschen gefährden. "Wasserwerfer bei Minusgraden einzusetzen gegen junge Menschen, die sich für besseren Klimaschutz einsetzen, ist unverhältnismäßig", kritisierte der Geschäftsführer von Greenpeace.

Anders als am Vortag habe es am Sonntag zunächst keine größeren Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und Polizeibeamten gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei. So seien zwei Protestveranstaltungen am Nachmittag mit insgesamt etwa 500 beteiligten Menschen friedlich geblieben. Lediglich bei der Räumung einiger Rettungswege habe es ein "körperliches Geschiebe" zwischen Aktivisten und Beamten gegeben. Verletzt worden sei bei dem Gerangel niemand. "Das war aber kein Vergleich zum Samstag", sagte ein Polizeisprecher.

Im Dannenröder Forst hatten Ausbaugegner am Samstag nach Polizeiangaben erneut Barrikaden errichtet und Pyrotechnik abgebrannt. Die Beamten setzten trotz niedriger Temperaturen Wasserwerfer ein und entfernten die Hindernisse. Sechs Menschen seien in Gewahrsam genommen worden.

Seit mehr als einem Jahr haben Umwelt- und Klimaschützer Teile des Waldstücks im Vogelsbergkreis besetzt, um sich gegen die für den Ausbau der Autobahn notwendigen Rodungen zu stemmen. Diese stehen vor dem Abschuss. Am Wochenende sollte aber nur geräumt, nicht gerodet werden. Die A49 soll Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden.

dpa